die weichen Locken des Mädchens schauen , in denen Goldreflexe spielten , und es trieb ihn , den wehmütigen Mund lächeln zu sehen . » Liebst du Gedichte ? « frug er sie . » Ich hörte sie nie , « sagte sie . » Auch nicht in der Schule ? « forschte er weiter . » Nie ging ich zur Schule « - voll Beschämung den Blick gesenkt , gestand sie ' s. » Nach dem Sturz war ich jahrelang krank ; erst jetzt lernt ' ich gehen . « » Dem Sturz ? ! Wann war das und wie ? « Noch tiefer fiel ihr Köpfchen auf die schmale Brust , die Haare glitten zur Seite und enthüllten den Höcker . » Ich lernte turnen auf ihren Schultern , « flüsterte sie stockend , » oh , sie war böse damals ! Sie hatte so sehr auf die neue Nummer gehofft ! « » Die Mutter ? « staunte er . Sie nickte . » Doch nun ist sie gut , weil Sie hier sind , « ein schwärmerischer Blick heftete sich auf ihn , » weil Giovanni ihr mit den Hunden eine neue , viel schönere Nummer lehrt . « Darum also war der Alte stundenlang bei Frau Wanda im Zimmer , aus dem dann ein vielstimmiges Konzert von Hundegebell , Weibergekreisch und dem Gelächter eines zahnlosen Mundes hervordrang ! Konrads Schweigen rief in des Kindes Zügen den Ausdruck jäher Angst hervor . » Sie werden doch nicht fortziehen ? « murmelte sie , die Hände ineinander ringend , » weil die Mutter eine Jongleuse ist ? « Er strich ihr beruhigend die Haare aus dem Gesichtchen ; seltsam , wie heiß es war und doch unverändert schneeweiß . » Ich bleibe und wenn du willst , lehr ' ich dich lesen . « » Oh ! « wie heller Jubel klang ' s , von einem großen dankbaren Blick begleitet . Von nun an brachte sie ihm regelmäßig den Tee , ohne daß der sonst so eifersüchtige Giovanni sie daran gehindert hätte . Er schien in den Unterricht der gelehrigen Schülerin , in die Beobachtung ihrer Erfolge auf der Bühne ganz vertieft ; er veränderte sich aber auch zusehends im Äußeren , indem er auf seine Toilette größere Sorgfalt verwendete und sich krampfhaft gerade zu halten suchte . Eines Tages entdeckte Konrad sogar , daß er sich die Haare wieder gefärbt hatte . Das widerte ihn an , und um so lieber ließ er sich des Kindes Dienste gefallen . Eine Atmosphäre zarter Sorgfalt verbreitete sich um ihn , mit der nur die Zärtlichkeit eines Weibes den Geliebten zu umgeben vermag . Sie lernte um seinetwillen die Treppen gehen und erschien , wovor sie sich stets so sehr gefürchtet hatte , ohne Scheu unter dem aufkreischenden Kindervölkchen des Enckeplatzes , um täglich mit frischen Blumen seine Tafel zu schmücken ; ja , sie wagte es schließlich sogar , bis zur Markthalle zu gehen , um mit sicherem Blick die schönsten Früchte für ihn auszusuchen . Blieb er dem Hause fern , so kauerte sie vor seinem Schreibtisch , eifrig Lettern malend und buchstabierend , bis sie ihn eines Abends strahlend mit dem Vorlesen eines Gedichtes überraschte , seinen Tonfall und seinen Rhythmus genau nachahmend . Und jede Nacht , er mochte heimkommen , wann er wollte , kroch sie , vom leisesten Geräusch seines Schritts erwachend , aus dem Bett , warf sich ihr rotes Kittelchen über und brachte ihm frisches Wasser . Sie hatte bemerkt , daß er es sich sonst selbst zu holen pflegte . Alle Ereignisse ihres kurzen Lebens vertraute sie ihm allmählich an , Erlebtes und Geträumtes dabei seltsam durcheinander mischend . Wer der Vater eigentlich gewesen war , wußte sie nicht ; so viele Männer seien immer aus und ein gegangen , lärmende Leute , die alle Sprachen durcheinander schwatzten , Kunstreiter und Clowns . Ein alter Mann mit einem bösen Gesicht - vielleicht war ' s der Vater gewesen - habe sie einmal alle hinausgeworfen , die Treppe hinunter , ganz gewiß ! Sie erinnere sich genau , wie sie hinabgekollert wären , einer über den anderen , und wie der Clown schließlich grinsend auf den Händen gegangen sei . Und dann war die Tänzerin dagewesen , die einzige , die die kleine Gina lieb gehabt hatte ! Süßigkeiten brachte sie ihr mit und nähte Kleider für ihre Puppen und küßte sie - ach , seitdem sie den Höcker hatte , mochte sie niemand mehr küssen , niemand ! Sie sei gestorben , sagten die Leute , aber sie wisse es besser : mit eigenen Augen habe sie gesehen , wie die Gute , Schöne in heller Mondnacht in ihren vielen , vielen , weißen Röckchen zum Fenster hinausgeflogen sei , - » zu den Sternen , die der alte weiße Zaubrer drüben in sein großes Glashaus fangen kann . « Konrad hörte ihr zu und störte sie mit keinem Wort in ihren Träumen . Er wußte , wie weh das tut , und er war doch ein gesundes Kind gewesen ! Manchmal , wenn es dunkelte , fuhr er mit ihr durch die Stadt in den Tiergarten . Sie hatte niemals andere Bäume gesehen als die des Gartens der Sternwarte , nie andere Straßen als die dunklen , schmutzigen der nächsten Nähe . Er schämte sich vor sich selbst , daß er am hellen Tage das Gelächter der anderen über seine seltsame Gefährtin fürchtete , aber er fühlte bald , wie die Dunkelheit auch das Kind vor den zudringlich mitleidigen Blicken schützte , die sie roh aus der Traumwelt , in die sie versetzt wurde , gerissen haben würden . Jetzt war ihr der Tiergarten eine Welt voller Wunder , die schwarzen kahlen Bäume verhexte Riesen , die stillen Wasser der Nixenpaläste schimmernde Dächer und die bunten Lichter der Stadt der Nacht kostbares Geschmeide . Mehr als er es sich selbst gestand , erfüllte dies Kind sein Leben und