, und er stieg in seinen Schlitten und jagte weiter . Er lenkte in eine lange Birkenallee ein , die nach Barnewitz führte . Da lag auch das Schloß weiß und schweigend , der Mondschein glitzerte in den Fensterscheiben . Wie ? dort in dem Arbeitszimmer war noch Licht . Sollte der gute Fritz noch arbeiten , dachte Egloff , das wäre neu . Aber dort auf dem anderen Flügel in Lydias Schlafzimmer war auch noch Licht , also ein Ehestreit . Und als er am Gartengitter mit seinem Schellengeläute vorüberjagte , öffnete sich dort im Flügel ein Fenster , eine weiße Gestalt beugte sich vor und horchte in die Nacht hinein . » Sie kennt meine Schellen « , sagte sich Egloff befriedigt . » Wie sie heute im Walde weinte , die Kleine . Ach was , Puppenschmerzen . « Er bog wieder in die Landstraße ein auf Witzow zu . Dort schlief schon alles , an dem langen Hause mit seinem plumpen Erker , der es wie eine riesige Stumpfnase überragte , waren alle Fenster wohlverschlossen , nichts regte sich , nur der struppige Hofhund stand vor der Haustür und bellte klagend den Mond an . Da drin liegt nun , dachte Egloff , die arme Gertrud und träumt von irgendeiner großen Liebe . Was in diesen stillen Häusern die Mädchenträume wild sein müssen ! » Allons , vorwärts « , trieb er seinen Braunen an , und nun ging es wieder durch eine lange Birkenallee auf Paduren zu . Dunkel stand das Schloß zwischen den weißen Bäumen , nur an einem Fenster stahl sich ein schwacher Lichtschein durch die Vorhänge : Das mußte die Nachtlampe des alten Barons sein . Ein Haus der Zuendegehenden , fiel es Egloff ein , eine große , finstere Krankenstube , und mitten drin Fastrade mit ihrem jungen Schlaf . » Ich werde mir schon meinen Tag machen « , klangen ihre Worte ihm nach . Hm , ja , das mochte ja ein recht heller Tag werden , an dem konnte sich vielleicht auch ein anderer , der gerade friert , wärmen . Ach was , - wie die Karten fallen , so ist das Spiel . Jetzt fror ihn , und er war müde . Der Braune dampfte schon ; so war es denn an der Zeit , nach Hause zu fahren . Achtes Kapitel Es war viel Schnee gefallen , im Padurenschen Hof und Park mußte der Schneeschlitten Wege einfahren , den ganzen Tag über hingen hellgraue Wolken am Himmel , und durch die windstille Luft fielen die Schneeflocken ruhig und stetig nieder . Aber gegen Abend erhob sich stets ein Nordostwind , der die Wolken für eine Weile fortfegte , als wollte er Platz schaffen für den Sonnenuntergang , der mit viel Purpur und Gold am Himmel aufflammte . Dieser Augenblick erschien Fastrade als das einzige Ereignis der kurzen Tage , die sonst grau und formlos wie die Schneewolken waren . Sie eilte dann in den Park hinunter und ging die schmalen Wege zwischen den Schneewällen auf und ab . Hier konnte sie sich wieder auf etwas freuen , von dem sie nicht wußte , was es war , hier konnte sie etwas erwarten , das sie nicht kannte , hier fühlte sie ihren Körper und ihr Blut wie eine Wohltat . Woran sollte sie denken ? Gleichviel , nur recht weit fort denken von der stillen Zimmerflucht da drinnen im Hause , und so dachte sie denn an Egloff . Wie ruhelos er war ! Der Kutscher Mahling hatte erzählt , der Sirowsche Herr fahre die Nächte hindurch hier in der Gegend herum . Ob er leidet ? Ob seine Geheimnisse ihn quälen ? Sie waren alle gegen ihn , aber ihm schien das gleichgültig zu sein . Wenn man zu zweien auf der einen Seite steht und die anderen stehen alle auf der anderen Seite , das kann sogar lustig sein . Eine kluge Frauenhand könnte in diesem armen , zerfahrenen Leben vielleicht Ordnung schaffen , jedenfalls war er mit seiner Unruhe , seinen Geheimnissen , seinen Sorgen und seiner Heiterkeit das Leben , und was waren die anderen hier ? Vom Walde herüber erklang plötzlich ein Jagdhorn , schmetterte keck und triumphierend in den Winterabend hinein . Fastrade blieb am Gartengitter stehen und horchte . Das war Egloff , der für heute die Jagd schloß und diesen hellen Ruf des Lebens zu ihr herübersandte . Fastrade stand am Gitter , bis das Jagdhorn verstummte und bis das Abendrot verblaßt war , dann ging sie wieder in das Haus , um im Zimmer ihres Vaters Ruhkes Bericht anzuhören , die Memoiren des Herzogs von St. Simon zu lesen oder mit der Baronesse am Kamin zu sitzen . In diesen Wintertagen pflegte die Baronesse Arabella einen besonders lebhaften Umgang mit ihren Erinnerungen . Sobald sie und Fastrade beisammen am Kamin saßen , begann sie zu erzählen mit leise klagender Stimme , erzählte von ihrer Jugend , von längst vergangenen Padurenschen Sommern , von längst gestorbenen Menschen , und Fastrade hörte dem zu , sah diese Menschen und diese Sommer , wie wir alte Bilder sehen , über deren Farben sich ein leichter Staubschleier legt . Ein unendliches Gefühl der Vergänglichkeit , des Vorüber klang aus dieser Erzählung und machte Fastrade traurig . Zuweilen sprach die Baronesse auch von dem kommenden Feste , sprach von Gebäcken und Geschenken mit derselben klagenden Stimme , wie sie von ihrer Jugend sprach . Feste , dachte Fastrade , können wir hier auch Feste feiern ? Aber das Fest kam , ein Tannenbaum mit Lichtern stand auf dem Tisch , der Baron ließ sich seinen schwarzen Rock anziehen und saß im Saal erwartungsvoll auf seinem Sessel . Knechte und Mägde sangen mit ihren schweren , lauten Stimmen langsam und feierlich einen Choral . Und als sie fort waren , saß man beisammen und sah zu , wie die Lichter am Baume niederbrannten . Die Baronesse weinte still , der Baron hatte