» Wieviel Ochsen hast du ? « » Sechs für den Zug , zwei davon für den Acker , der mein ist , viere für Jagdfron und Scharwerk . Sieben Stückl Jungzeug hab ich auf der Alben . « » Wo tust du sennen ? Im Windbachtal ? « » Nein , Herr ! « Die Brauen des Bauern zogen sich hart zusammen . » Da droben soll kein Stückl Vieh mehr fressen , das mein ist . « » Ist da die Weid so schlecht ? « Runotter zögerte mit der Antwort . Seine Stirne färbte sich . » Nach der Hoflag tät ' ich sennen müssen beim Windbach . Aber die Gnotschaft hat mir ' s zulieb getan und hat mir das Hängmoos zugewiesen . « » Das Hängmoos ? « Herr Someiner wuchs auf seinem Sessel . » Da sennest du selber ? « » Wohl , Herr ! « Runotter schien das Wunderliche im Klang dieser Frage nicht zu begreifen . » Wir sind unserer Sechse , die auf dem Hängmoos sennen , der Taubenseer , des Mareiners Schwager , die zwei Hintermöser , der Schwarzecker und ich . « » Da hast du einen schlechten Tausch gemacht . « Wieder furchten sich die Brauen des Bauern . » Ist mir lieber , als am Windbach sennen . « » Auf dem Hängmoos ist schlechter Boden . « » Der ist besser worden . Wir haben Gräben geschlagen und viel Boden trücken gemacht . Freilich , viel Sumpfland ist noch allweil droben . Ist oft schon ein Stückl Vieh versunken . « » Da wirst du selber dein gutes Melkvieh wohl nicht auftreiben ? « » Doch , Herr ! Drei Küh hab ich im Stall für die Heimleut , achte sind auf der Alben . « » Auf dem Hängmoos ? « Herr Someiner erhob sich . Verwundert sah Runotter den Amtmann an . » Wohl , Herr ! Auf dem Hängmoos . « » Runotter « , sagte Herr Someiner streng , » du bist mir bekannt als redlicher Mann . Drum will ich vorerst noch gütig bleiben . Aber ich muß jetzt doch - « » Vater ! « stammelte Lampert , dem vor Unmut das Gesicht brannte . » Du wirst mir das nicht antun wollen , daß ich - « » Hier wird geamtet ! « klang es würdevoll über das Pult herüber . » Da redet bloß der Amtmann und wer gerufen ist . « Die erstaunten Augen des Richtmanns glitten zwischen den beiden hin und her . » Ihr Herren ? Was ist denn da ? « » Das wirst du hören ! « Herr Someiner öffnete den eisenbeschlagenen Schrank , holte den Hängmooser Almbrief hervor und legte das alte , mürbe Pergament auf das Pult hin . Er wollte sprechen . Doch das Gebaren des Sohnes machte ihn aufblicken . Lampert , an der Lippe beißend , tat einen Schritt gegen den Vater hin , sah ihm in die Augen , wandte sich ab und trat in die Kammer hinaus . Herr Someiner bekam einen roten Kopf . Auch im Klang der Stimme verriet sich sein Ärger . » Wieviel Vieh ist aufgetrieben zum Hängmoos ? « » Achtzig Köpf , Herr , nach unserm Weidrecht . Heuer sind zwanzig Kalben droben , dreiundvierzig Ochsen und siebzehn Milchküh . « » Achtzig Köpf ? « Der Amtmann sah in den Almbrief . » Das stimmt . Aber Melkvieh ? Seit wann wird Melkvieh aufgetrieben zum Hängmoos ? « » Das ist wohl allweil so gewesen , ich weiß es nit anders . « » So ? « » Den Hängmooser Sauerkäs , den hab ich schon gegessen , da bin ich noch Jungbauer gewesen und - « Auf der Brust des Richtmanns hob sich langsam der schwere Küraß . » Und ein Mensch im Glück ! Lang ist ' s her . Noch länger , wie daß mein Bub ein Krüppel sein muß . « Der Amtmann mochte diese Erinnerung an das Glück des Runotter nicht gerne hören . Er sagte verweisend : » Tu nicht reden von Dingen , die nicht vors Amt gehören ! « Der Bauer biß die Zähne übereinander , und seine sonnverbrannten Fäuste klammerten sich härter um den Knauf des Holdenschwertes , das er vor sich stehen hatte . » Und in der Sach , um die es da hergeht « , fuhr der Amtmann fort , » da mußt du dich irren , Runotter ! Sauerkäs vom Hängmoos , sagst du ? Man kann nicht käsen , wo kein Käser steht . « » Auf dem Hängmoos steht doch einer . « » Seit wann ? « » Seit allweil . « » Weißt du auch das nicht anders ? « » Nein . « Die kurzen Antworten mißfielen dem Gestrengen . » So ? Dann schau dir einmal den Weidbrief an ! « Der Bauer nahm das Blatt und las . Das dauerte lang . Inzwischen polterte Herr Someiner hinter dem Amtspult . » Da hört sich doch alles auf ! Seit Jahr und Jahr wird da ein Frevel wider das Fürstenrecht verübt . Groß wie ein Haus steht das Unrecht auf dem Hängmoos , hat siebzehn Schwänz und achtundsechzig Füß . Und kein Jäger sieht ' s , kein Grenzwächter und kein Forstknecht ! Und keiner meldet ' s ! Und die Herrschaft hat den Schaden . Es ist ein Kreuz ! Auch auf die eignen Leut ist kein Verlaß . Und tut man nicht alles selber , so bleibt es ungetan . « Runotter hob das Gesicht , sah den Amtmann an und betrachtete wieder das Blatt . » Herr , liegt da kein andrer Weidbrief nimmer für ? « » Ich weiß von keinem . « Der Bauer legte das Blatt zurück . » Nachher muß da ein Irrtum sein , ich weiß nit , wo . Ist er bei uns Bauren , so geben wir schuldige Buß