Mariandl , bis sie endlich aufmachte und mich anhörte . » Daß ' s Gott gsegn ! « schrie sie . » Sie wird doch nit die rot Ruhr im Leib haben oder gar die Pestilenz ! « Eilig legte sie ihren Kittel an , und wir liefen , so schnell wir konnten , durch die mondhelle Nacht hinüber in die Weidhoferalm zu der Kranken . Aber , wer kann unser Staunen und Verwundern beschreiben , als wir die Tür auftaten und uns ein dünnes Kreischen in die Ohren scholl ! Da lag die Nandl , müd und matt , und neben ihr ein nackends Wuzerlein , nicht größer denn eins von unsern jungen Säulein , so die Alte zu Pfingsten geworfen hatte . Mit schwacher Stimm bat mich die Mutter Nandl , daß ich mich ums Melken bekümmern wolle ; die Mariandl , der ' s Gott danken mög ihre Lieb , würd schon fertig in der Hütten . Hätt ja schon gern noch das brennrote Würmlein mit dem feinen , schwarzen Haarschüppel ein wenig betrachtet ; aber ich ging , als man mir sagte , daß ich darnach noch lang das Kindsmensch machen könnt , wenn unser lieber Herr den Balg da ließ auf der Welt , und daß ich ihm , zumal es ein Bub sei , Gevatter stehen und ihn aus der Tauf heben dürft . Als nun der helle Tag heraufgekommen war , schickten mich die Frauen hinab zum Weidhof , daß ich meiner Ziehmutter die Botschaft brächt von dem Ereignis , auch um eine Aushilf für die Schwaigerin tracht und im Vorbeigehen dem Häuslpauli ans Fenster pumpere und ihm ausricht : ein Bub wär ' s , und er sollt an seine Vaterpflicht denken . Also machte ich mich auf den Weg und traf den Pauli grad auf dem Rübenacker vom Staudenweber , Blätter für seine Stallhasen rupfend . Pfiff ihm also , daß er erschrocken in die Höhe fuhr , und schrie ihm zu : » He , Pauli ! Ich soll einen Kinihasen auf d ' Weidhoferalm bringen , Kindstauf gibt ' s ! « Er kam langsam , wie lauernd , näher : » Ha moanst ? « » Wie ich mein , fragst ! « schrie ich ihm da in die Ohren , als wenn er stocktaub wär . » Na , ich mein , und ich weiß und soll dirs sagen , daß d ' Vater worden bist heut nacht ; ' n Buben hat s ' , die Hosennandl vom Weidhof ; wirst ja schon gutding wissen jetzt , was d ' zu tun hast . « Damit wollte ich gehen ; der Pauli aber hielt mich am Ärmel fest : » Daß i net wüßt , Bua ! ... Is mir nix bekannt ! - Gar nix ! ... An Buam , sagst ? ... Naa , gar nix bekannt ! ... Soo , heunt nacht , sagst ? ... Woaßt , mi gehts ja nix o , i kenn mi aa net o als Vatern ; naa , gar net ! ... Wenn hat s ' denn schon ? ... Ja so , heunt nacht ... ja ... no - sagst halt , es is scho recht . I werd mirs überlegn . « Damit bückte er sich wieder und rupfte weiter , wie wenn nichts gewesen wär ; ich aber rief ihm noch zu : » Ist auch gescheider , du überlegst dirs , Pauli ! D ' Nandl hat ein hübsches Geldl und ist auch sonst gar net übel ! « Dann lief ich weiter und kam gerade in dem Augenblick in den Weidhof , als zwei mit Bändern und Blumen geschmückte Rösser am Brunnengrand vor der Haustür standen und tranken . Ich trat ins Haus und mit dem Ruf in die Kuchel : » D ' Nandl braucht eine Hilf , sie ist krank und hat ' n Buben ! « Aber kein Mensch merkte auf mich ; die Ziehmutter stand lachend vor dem Herd und kochte ein fettes Eiergericht , und das Kuchelmensch holte die Schnapskrugel aus der Speiskammer und lief damit in die Stube , wo zwei mit bunten Bändern und Blumen aufgeputzte Mannsleute standen und sich mit dem Ziehvater laut vom Wetter und von der Ernte unterhielten . Ich folgte der Dirn und trat neugierig ein , als plötzlich der eine von den Bandelnarren die Nase in die Luft reckte und ausrief : » Was kimmt denn jetzt lei a feins G ' rüchei in d ' Stubn daherein ? Meiner Treu ! In dem Haus muaß a Bräutl sein ! « Worauf auch der andere herumschnupperte und sagte : » Bruada , du hast recht , und i werd schaugn gschwind , Ob i das Bräutl nindascht find ! « Damit nahm er seinen blumengeschmückten Hut vom Tisch , steckte sich einen Rosmarinzweig ins Knopfloch und zog einen hölzernen , bemalten Säbel aus der rot und blaubebänderten Scheide , salutierte und ging hinaus , während der andere dem Weidhofer mit einem Gläschen Schnaps Bescheid tat . Derweilen brachte die Ziehmutter das duftende Eierschmalz auf einer großen Platte herein und stellte es auf den Tisch , indem sie sagte : » I kann mirs a schier gar nit denken , was uns die groß Ehr verschafft ; aber ich mein , daß ichs erraten hab , wenn i sag , zwegn der Oarspeis ! « » Fehlg ' raten ! « schrie der Bandelnarr und riß einen Rosmarinzweig aus dem Sack , steckte ihn ins Knopfloch , zog gleich seinem Genossen einen bemalten Holzsäbel aus der bandgeschmückten Scheide , salutierte und rief : » Also , meine Leutln , ich tu enk z ' wissen und kund , Daß ich ein Bräutl such in diesem Haus und auf diese Stund , Das Bräutl soll heißen : Jungfrau Maria Kathrein Und soll dem Lackenschusteranderl seine Hochzeiterin sein . Drum , Leutln , teats mi net lang umasprenga und plagn , Vielmehr