noch nicht groß . » Du büst dummerhaftig , Kluß ! « sagte Störtebeker ärgerlich , » wenn du ne bald snackst , bring ik di keen Steengrimpen mihr her . « Nach dem Mittagessen , - Plummensaus gab es , eine Götterspeise für ihn , - machte er sich ans Knütten und dachte , mehr zu beschicken als zwei Tage vorher zwischen seinem Vater und Kap Horn bei dem vielen Erzählen und Ausgucken . Er knüttete emsig , ohne sich zu verpusten , die Nadel flog nur so , aber nach anderthalb Stunden sah er ein , daß es ohne ohne seinen Vater doch nichts schaffte . Da ging er mit dem Euschfatt nach der Neßkule und goß den Kahn leer , der immer noch etwas Wasser machte . Kalfatert mußte der werden , das war ein Apfel , und wenn sein Vater nicht so auf den Stutz gefahren wäre , hätten sie es auch zusammen getan : nun mußte er wohl allein dabei . Er sah auf : das Wetter war gut , der Wind moi : sie fischten wohl schon und hatten bald die Reise ! Wenn sie doch schon morgen kämen oder übermorgen ! Der Jäger kam vom hohen Neß zurück . Drei Enten baumelten an der Tasche und machten ihn guter Laune . » Dor achter kummt de Schoster , Klaus Störtebeker , du schallst Afbitt dohn « , stichelte er , aber der Junge ließ sich nicht in die Kneife bringen . » De ward fix nattgoten « , sagte er gleichmütig , dann aber besann er sich , schluckte den Rest des Grolles seines Grolls hinunter und lief auf den Deich , um die geschossenen Enten zu besehen und zu befühlen , Juno zu streicheln , der gänzlich mit Schlick bespritzt war , und die Flinte zu tragen , denn er wollte nun doch gern einmal wieder mit auf die Jagd , bis sein Vater kam . » Wenn dat Is man ierst weg wür , Korl-Unkel , wat ik mit mien Kohn schippern kann . « » Offermorgen kriegt wi een neen Moon , denn wardt woll anner Wetter « , sagte der Jäger und sah den Heben an . Zu Hause warteten drei Jungen vom östlichen Norderelbdeich , die dreierlei wissen wollten . Erstens : ob er noch kleine Kaninchen zu verkaufen hätte , denn dann wollten sie einen Bock und eine Eve bestellen . Zweitens : ob es wahr wäre , daß er dem Schuster alle Fenster eingeschlagen hätte , denn das wäre am Deich erzählt worden . Drittens : ob der Feek am Westerdeich schon trocken wäre , denn dann wollten sie gleich Ostermoonen beuten . Streichhölzer hätten sie eine ganze Schachtel voll in der Tasche . Störtebeker ging mit ihnen achternhus und wies ihnen die Eve . » Ik weet ne , veel lütte Munkis dat ik krieg , Jannis : fief sünd verseggt , wenn dor söben van ward , denn kriegst du noch twee . « Wegen des Schusters ließ er es geruhig bei der einen Scheibe , die seine Mutter bezahlt hatte , und sagte : » De Lüd snotert sik wat trecht , Hein ! « Der Feek sei noch mistnaß und für Ostermoonen sei es überhaupt noch viel zu früh : was sie sich wohl eigentlich einbildeten , sie hätten wohl einen Splien ? Wenn es soweit wäre , dann würden sie wohl den weißen Rauch trecken sehen . » De Rietsticken geef mi man , Ott , dor kannst du lütte Boitel doch noch ne mit ümgohn , de nimmt dien Mudder di doch noch wedder weg . « Damit entriß er dem Jungen die Schachtel und steckte sie in die Tasche . Er wies ihnen noch Kluß und die angefangene Bunge , ließ sie in das Hütfaß gucken und die Karauschen gebührend bewundern , dann aber schickte er sie um , denn er sah die Gören vom andern Ende doch nicht ganz für voll an , und wenn nicht die Bestellung gewesen wäre , hätte er sich gar nicht weiter mit ihnen abgegeben , aber die Kundschaft mußte man sich ja gewogen halten . Er lief nach der Neßkule , und obgleich es ihm vor drei Tagen so schlecht bekommen war , ging er doch wieder an das scharfe Dümpeln mit dem Kahn , um sich seefest zu machen . Diesmal wurde ihm nicht schlecht . In der Dämmerung mußte er nochmal den Deich entlang und Graupen und Zucker vom Krämer holen . Damit war sein Tagewerk beendigt . » Noch süß Dog , Mudder , denn kummt Vadder all wedder « , sagte er zuversichtlich , als er die Stiefel auszog . * * * Ungefähr so wie diesen Tag füllte Störtebeker auch die anderen Tage aus , ohne rechte Lust und rechten Wind , und wartete auf den großen , schönen Ewer mit den hohen , braunen Segeln , dem grünen Bug und dem rot und weißen Flögel . Als es an der Zeit war , daß sein Vater aufkommen konnte , stand er stundenlang auf dem Deich oder am Bollwerk , wenn Flut war , oder er saß im Wipfel der Linden vor der Tür und blickte nach den vorbeisegelnden Fischerfahrzeugen aus . Er suchte einen grünen Ewer und einen blauweißen Stander , der von Godefroo bis zur Nienstedter Kirche wehen mußte , nicht länger , wenn es der rechte sein sollte : das wußte er . Zwar wartete er auch noch auf das Trockenwerden des Feeks des angetriebenen Schilfes , am Westerdeich , auf das Schmelzen des Eises , auf die Besserung der Grabenfischerei , auf das Jungen des Kaninchens und auf das Fertigwerden der Seestiefel : aber das waren doch nur Kleinigkeiten gegen das große Warten auf seinen Vater . Außer seinem Elternhaus und zwei älteren Häusern stand auf der Neßhuk nur noch eine alte Kate , in der Sill wohnte , eine alte , wackelige Frau , die im Winter Wurstprökel machte und Strümpfe anstrickte