jedenfalls , daß man sich jetzt nichts entgehen läßt , was Freude macht , so intensiv wie möglich lebt . Dann wird man dermaleinst die nötige Müdigkeit haben und kein Bedauern , daß die Zeit um ist . Für all die Leute mit verfehltem Leben , versäumter Jugend , überhaupt mit vielen Unterlassungssünden - für die muß es schrecklich sein , alt zu werden . Nein , wenn ich mich überhaupt darauf einlasse , mein eigenes Alter mitzuerleben ( was mir noch sehr fraglich ist ) - in dieser Beziehung habe ich mir wenig vorzuwerfen und werde mit mildem Lächeln sagen können : es ist genug , Herr ! Und dann will ich wenigstens eine dankbare Rolle spielen , eine sehr angenehme alte Dame sein mit möglichst wenig Falten und möglichst weißem Haar - und einen reizenden Salon haben mit einem Kaminfeuer . Um den Kamin versammeln sich abends die alten Freunde , müde galante alte Herren mit Krückstöcken , und man unterhält sich von einstigen Faiblessen . Denken Sie nur , was wir uns dann alles erzählen werden - alles , was jetzt noch verschwiegen bleibt . In sentimentalen Stunden reden wir vielleicht auch wieder von Yvonne und dem fremden Mann - und , wenn Sie boshaft aufgelegt sind , von Paul . Ja , dann wird das Teegespräch erst seine höchste Blüte erreichen . Danken wir Gott , daß es noch nicht soweit ist ... 18 O Freund , o Doktor - das war eine schicksalsvolle Woche , und ich flüchte mich wie einst in der Regenstadt zu Ihnen , um mein müdes Haupt - nein , das geht nicht - um Ihnen mein Herz - nein , das geht auch nicht - also , einfach um Ihnen zu schreiben . Mir ist zumut wie nach einer Kinematographenvorstellung , an der ich stark beteiligt war - also hören Sie : Sonntag : Eilbrief aus Sizilien und drei Telegramme - er fragt , ob ich mit ihm durchbrennen will - nach Amerika natürlich . Man brennt ja immer nach Amerika durch . Ich weiß nicht , ob ich will . Wir beratschlagen den ganzen Tag . Erst mit Sir John unter vier Augen - dann mit Bobby unter vier Augen - dann John und Bobby miteinander und ich für mich alleine und mit dem liebenswürdigen Herrn bei einer Flasche Sekt . Wir zählen an den Knöpfen ab , Bobbys Knöpfe sagen nein , Johns Knöpfe sagen ja . Bobby findet mich herzlos , aber es freut ihn , Sir John meint , meine Energielosigkeit habe den Kulminationspunkt erreicht , und er weidet sich daran . Wir zanken uns , vertragen uns wieder , werden sentimental und fühlen , daß es unendlich hart wäre , wenn wir uns jetzt so plötzlich und endgültig trennen sollten . Mit Pedro allein einer ungewissen Zukunft entgegegehen - der alte Herr rät mir entschieden ab . Wer weiß , ob er nicht als Kellner in Chicago endet - für ihn ist ' s doch sicher besser , er heiratet die Cousine . Montag abend schicken wir ein unentschiedenes Telegramm ab . Nachher bin ich sehr traurig , es tut mir leid , wenn ich ihn nun vielleicht nie wiedersehe . Bobby freut sich und wird schlecht behandelt . Mittwoch : nicht etwa Pedro , sondern sein Onkel tritt auf . Man meldet mir , Signor Alfaro wünsche mich zu sprechen - derselbe Name - ich will die Treppe hinunter und in seine Arme stürzen - der liebenswürdige alte Herr erscheint und warnt mich . Ich verstecke mich in Bobbys Zimmer , Sir John geht mit Fassung dem Onkel entgegen , entführt ihn in die Stadt und redet ernste Männerworte mit ihm . Der Onkel läßt sich überzeugen , daß ich nicht mehr hier wohne , und Sir John siedelt am Nachmittag in ein anderes Hotel über , damit wir einen sicheren Zufluchtsort für alle Fälle haben . Abends ist der Sturm vorüber , und wir wollen bummeln gehen . Wir gehen schon seit Wochen jeden Abend bummeln . John wünscht eine Variation , ich soll mich in einen Knabenanzug stecken lassen , schon damit der Onkel mich nicht erkennt , wenn wir ihn zufällig treffen . Er könnte ja bei Pedro Bilder von mir gesehen haben . Sir John hat manchmal solche Einfälle . Vorsorglich hat er eine ganze Auswahl von Anzügen kommen lassen , ich gehe also hinüber , sein Hotel liegt nur zwei Häuser weiter , wechsle bei ihm die Kleider , Bobby muß einen Friseur holen , der mich mit einer schwarzen Perücke und vieler Schminke in einen ganz sympathischen Knaben verwandelt . Ich habe mich selbst kaum wiedererkannt , als ich mich im Spiegel sah . John war außer sich vor Vergnügen und wollte uns nun in allerlei merkwürdige Lokale führen . Wir gingen also unter seiner Leitung in allerlei merkwürdige Lokale - davon erzähle ich Ihnen noch gelegentlich - und kamen erst in der Morgendämmerung heim . Ich konnte zu dieser Stunde unmöglich in meine Behausung zurück , hätte mich wenigstens erst umziehen müssen , und die Rückverwandlung in meinen vorigen Zustand war ziemlich zeitraubend . So überließ John mir sein Schlafzimmer - er hat noch einen Salon daneben . Drüben in dem anderen Hotel sollte Bobby die Dehors wahren und uns Nachricht bringen , wenn der Onkel am Ende wiedererschienen wäre . Bei Tage konnte ich dann unauffällig wieder hinüberwechseln . In heiterer Seelenruhe legte ich mich nieder und schlief bis sechs Uhr nachmittags . Als ich aufwachte , stand Bobby vor meinem Bett . » Um Gottes willen , Pedro ist da , und John ist ausgegangen ... « » Wo ist Pedro ... ? « , aber in dem Augenblick kam er selbst herein . Lieber Doktor , ich war so verschlafen , daß ich mich überhaupt nicht besinnen konnte , wo ich war und was die beiden von mir wollten . Der Anzug von gestern abend hing noch über einem Stuhl , und meine Kleider