ihr , als würde etwas in ihrer Brust sehr weit und sehr stark , als könnte sie ihren Atem auf den Takt des stillen , flimmernden Wogens um sie her einstellen und ein kindisches Gefühl des Stolzes , des Hochmutes machte sie froh . Zu denen zu gehören , die hier auf dem Meere zu Hause sind , die sich nicht fürchten , erschien ihr als etwas sehr Wichtiges und Großes . Hier und da tauchten jetzt andere Boote auf , sehr groß und schwarz in dem unsicheren Lichte . Wardein rief etwas hinüber , von drüben wurde geantwortet , einer schien sogar einen Witz zu machen , denn Thomas und Mathies lachten . Die Boote waren jetzt einander ganz nahe , es waren drei , die im Halbkreise hinruderten , die Männer machten sich an den Netzen zu schaffen und sprachen miteinander von Boot zu Boot . Plötzlich mischte sich in diese Stimmen , die jedes Wort mit einem tiefen Brummen besser hallen ließen , eine hohe , scharfe Stimme , die hier seltsam fremd klang , als spräche sie eine andere Sprache . Das ist der Leutnant von Hamm , sagte sich Doralice , und diese Entdeckung war ihr unangenehm , es empörte sie fast , als sei ein Unbefugter dort eingedrungen , wo die Berechtigten beieinander waren . Im Boot begannen die Männer sich zu regen , das große Netz wurde vorsichtig in das Wasser hinabgelassen , das andere Boot wurde angerufen und ihm ein Seil zugeworfen . Im bewegten Wasser sprühte es wie silberne Flämmchen , im Netze hingen glitzernde Tropfen . Mathies hatte sich die Hemdsärmel aufgestreift , um im Wasser zu arbeiten , wenn er die nackten Arme emporhob , rann es silbern an ihnen nieder . Doralice wickelte sich fester in ihren Mantel , alle Angst und Erregung waren fort , sie fühlte sich sicher und behaglich . Eine leichte Müdigkeit machte ihr die Augenlider schwer und wenn sie die Augen schloß , war es ihr fast wie als Kind , wenn sie in ihrem Bette lag und im Halbschlaf noch die Erwachsenen um sich her hantieren oder sprechen hörte , was dem Kinde stets ein wohliges Gefühl der Geborgenheit gegeben hatte . Schlug sie dann wieder die Augen auf , dann war die Weite voll weißen Lichtes in ihrer großen und kühlen Schönheit immer von neuem wieder eine wohltuende Erschütterung , immer wieder fühlte da Doralice , wie die engen , heißen Schranken des Ich sich verwischten und lösten , wie es auch in ihr weit und kühl wurde . Und es war hübsch , dieses Wechseln der Bilder , einmal im Halbtraum vertraute Gesichter und Räume der Kindheit , dann wieder das mondbeglänzte Meer . Einmal , als sie die Augen öffnete , waren die anderen Boote nah herangekommen , die Männer riefen und sprachen , das Netz wurde eingezogen . Doralice hörte einmal auch wieder die unpassende Stimme des Leutnants , die Fische schnalzten und klatschten in den großen Körben im Boot . Es wurde dann wieder still und man fuhr weiter . Nach einiger Zeit fand Doralice , daß es dunkel geworden war , der Mond mußte untergegangen sein , Sterne standen am Himmel und in der Finsternis regte sich das Meer wie eine sacht bewegte schwärzere Finsternis . Doralice wußte nicht , wie lange sie so gefahren waren , aber als sie wieder einmal die Augen öffnete , stand ein weißer Schein am Horizont und ein graues Dämmern lag über dem Wasser . Ein stärkeres Wehen ließ sie frösteln , alles Behagen war plötzlich hin , das graue Dämmern machte das Meer und den Himmel streng und nüchtern . Mathies und Thomas ruderten angestrengt , die Jacken über die Schultern geworfen , die Brust nackt , und stark atmend . Es schien sich um ein Wettrudern mit dem Boot nebenan zu handeln . In den Körben flüsterten und schnalzten fette , blanke Fischleiber . Hans stand im Boot , hielt einen großen Dorsch an den Kiemen , wog ihn und lachte ihn an . Scharen von Möwen kamen geflogen , groß und weiß im unsicheren Lichte , und stießen schrille , gierige Rufe aus . Wie gewaltsam das alles war . Welch ein starkes , rücksichtsloses Leben das alles atmete , zu stark für Doralice , es machte sie plötzlich ganz schwach , es machte sie krank , der Geruch des Seewassers , der Fische , der feuchten Fischerjacken , all dieses Fleisch der Männer und feisten Fische bedrückte sie , sie wurde ganz bleich . Da entstand ein Hin- und Herreden zwischen ihrem und dem Nachbarboot . Die Boote wandten sich einander zu , lagen nah beieinander . Leicht und gewandt über den Bootsrand balancierend sprang Hilmar in das Boot , stand neben Doralice und lachte . » Ein Morgenbesuch « , sagte er . Hans nickte ihm zu und zeigte ihm den Dorsch , den er noch immer an den Kiemen hielt . » Ja , ja , so etwas ist schön « , meinte Hilmar , » das war ein gesegneter Zug . « Dann setzte er sich auf die Bank Doralice gegenüber . » Es hat Sie auch ein wenig angegriffen , gnädige Frau , wie ich sehe . « Doralice zog die Augenbrauen zusammen , als sie abweisend antwortete : » Das macht wohl die Beleuchtung . « » Gewiß , gewiß « , bestätigte Hilmar höflich , » eine kritische Stunde . « Da es schien , daß Doralice schweigen wollte , schwieg auch er und zündete sich eine Zigarette an . Unter der niedergebogenen Krempe seines Filzhutes sah sein Gesicht mit den scharfen , gespannten Zügen , den schwarzen unruhigen Augen sehr bleich , fast kränklich aus . Es war etwas Überfeinertes , Schwächliches an der ganzen Gestalt , das Doralice in diesem Augenblick gefiel , das ihr das Gefühl gab , einen Kameraden der eigenen Schwäche zu haben , und der süße Duft der ägyptischen Zigarette schien wie ein Stück