. Da sie in keiner Weise Schaden brachte , nahm ich des andern Tages zwo Prisen und verspürte nach etlichen Stunden einen leichten Schweiß . Verfertigte nun aus den Prisen unter Beigabe von Brotkrumen Pillulen und ging nach Herischdorf zum lahmen Mägdlein . Den Eltern schärfte ich ein , es solle die Patientin am nächsten Morgen eine Pille , am übernächsten deren zwo erhalten . Als ich wiederkam , vernahm ich , es habe sich keinerlei Wirkung gezeigt . Da ordnete ich für jeden Morgen drei Pillen an - worauf Patientin stark schwitzete . Mein Spruch lautete , es solle mit dem Eingeben fortgefahren werden . Wie groß war meine Freude , als sich von Woche zu Woche des Mägdleins Befinden besserte . Nach zween Monden stund es vor der Haustüre und , mein ansichtig , ließ es seine Krücken fallen und hinkete freudestrahlend auf mich los , um meine Hand zu küssen . Mir gingen darob die Augen über , besonders auch , weil ich nun ein Mittel zu haben glaubte , meine liebe Elfriede gesund zu machen . Selbigen Tages noch schrieb ich an die Preislerin , teilte ihr die ganze Geschichte mit und erbot mich , ihre Tochter zu behandeln . Es kam jedoch anders als ich erhofft . Denn wie ich den Sonntag darauf meine Eltern in Hirschberg besuchte und bei dieser Gelegenheit aus der Apotheke Antimoniumpulver gekauft hatte , fand ich auf dem Marktplatze einen Auflauf . Um einen Reiter drängte sich die Menge , seinem Bericht zu lauschen , und da ich fragte , was es gäbe , antwortete mir ein Bürger : » Von Liegnitz her ziehet feindlich Volk gen Hirschberg , grausame Kosaken , Gnade uns Gott ! « Wie ich nach Hause kam , stunden vor der Türe meine Eltern und redeten mit Nachbarn in ängstlicher , aufgeregter Weise . Bald eilten Bürger mit Büchsen und Säbeln gewaffnet durch die Gassen , und es hieß , die Stadttore seien geschlossen , nachdem man etliche Haufen flüchtender Landleute nebst ihrem Vieh aufgenommen habe . Als ich mich in der Stadt umschaute , fand ich den Ring und andere Plätze zu Lagern hergerichtet , wo die Flüchtlinge nebst ihrem Vieh und anderer beweglichen Habe kampiereten . Die Stadttore waren verrammelt , die Zugbrücken emporgezogen und die Wassergräben gefüllt . Auf den Wällen tummelte sich bewehrte Bürgerschaft , lud Kanonen und Musketen und war so gut auf dem Posten , daß die heranflutenden Reiterschwärme nach Empfang etlicher Salven flugs zerstoben und in weitem Bogen die Stadt umkreiseten , endlich , da sie alles wohl verwahret fanden und auf eine Belagerung nicht eingerichtet waren , das Weite suchten . Die Umgegend von Hirschberg allerdings litt von den Kosaken . Manche Baude ward niedergebrannt , Korn und Heu aus den Scheuern geraubt und viele Familien durch Grausamkeit in Jammer versetzt . Die Bewohner der Dörfer , nahe an den Waldbergen gelegen , hatten sich in die Wildnis zurückgezogen , wurden aber eine Zeitlang von den Kosaken verfolgt , so ihre zottigen Hunde auf die Spur der Flüchtlinge hetzten . Immerhin kam die Gegend noch ziemlich heil davon . Indessen hat dies Ereignis meinen Besuch in Schreiberhau für eine Woche verhindert , und hieraus ergaben sich traurige Folgen . Zunächst , wie ich nach Warmbrunn zurückkehrte , eröffnete mir der Verwalter , ich habe andern Tages mit ihm eine Reise nach Greifenberg anzutreten , wo Fohlen aus dem dortigen Gestüt des Herrn Schaffgotsch zu übernehmen seien . Wie wir nun nach Greifenberg gekommen waren , hieß es , neues Feindesvolk sei im Anzuge , und deswegen ward dem Verwalter geboten , bis auf weiteres mit mir in Greifenberg zu verweilen . So ging abermals Zeit dahin , ohne daß ich mich der ersehnten Kur in Schreiberhau widmen konnte . Da schließlich die Gegend vor Feinden sicher schien , mußten wir nach Görlitz reisen , und zwar ebenfalls in Angelegenheiten der Wirtschaft . So verlor ich im ganzen sieben Wochen , und diese böse Sieben brachte Trauer und Reue über mich , wie über die Familie Preisler . Wie ich nämlich endlich wieder nach Warmbrunn kam , fand ich einen Brief meines Oheims mit der Nachricht : » Betrübe Dich nicht zu sehr , mein lieber Johannes ! Deines guten Herzens Fürhaben , Preislers Elfriede gesund zu machen , ist durch Gottes Ratschluß vereitelt worden . Die Jungfer haben wir am gestrigen Tage auf den Friedhof getragen . Ein Fieber ist zu ihrem Leiden hinzugetreten , und ihr Leben wie ein Flämmchen ohne Öl erloschen . « Kaum hatte ich diese Worte gelesen , so war mir , als stocke mein Herz , und als tue sich zu meinen Füßen das Grab auf , mir die Ruhe zu geben , so ich nach Elfriedens Tode nimmer über der Erde glaubte finden zu können . Schluchzend lag ich am Boden , und es dauerte Monde , bis ich mich von meiner Schwermut halbwegs befreit hatte . Hinterher fand ich , daß mein Gram der Abendburg vergleichbar , insofern jedwedes Herzeleid ein heimlich Gold enthält . Meine Neigung für Elfrieden hatte eine Sehnsucht in mir erweckt , zu lieben und zu heilen . Und also war mein besser Selbst gewachsen . Mein schlimmer Dämon aber war die Prophezeiung der Zigeunerin , des Oheims Goldmachertreiben und die magische Beschwörung des Felsens . Vom Stein der Weisen träumte ich , und auf den Schatz blieb all mein Trachten gerichtet - wiewohl er mir unter wechselnden Gestalten , je nach den unterschiedlichen Stufen meines Lebens erschienen ist , ähnlich dem Gotte Proteus , so in tausend Verwandlungen den forschenden Blicken der Sterblichen entschlüpfet , indem er Feuer und Wasser , Tier und Pflanze wird , und allein dem Starken , der ihn in allen Verwandlungen festzuhalten weiß , sein wahres Wesen offenbart . Hatte ich zuerst von unterirdischen Kostbarkeiten geträumt , so lenkte sich bald mein Begehren auf die alchymistische Goldmacherei . Nachdem auch sie mich genarret , ist es mir wie Schuppen