über das ganze Zimmer gegossen war ; ich hasse nichts so , als die mit Herrlichkeiten überladenen Gemächer , wo man bei jedem Schritt befürchten muß , etwas zu zertreten . Die Fürstin stand vor dem Spiegel und rollte eine Locke an den Fingern auf . Ich habe nie etwas Schöneres gesehen als dies Weib in jenem Augenblicke an jenem Abende . Sie trug einen leicht seidenen weißen Rock , hoch geschürzt mit einem Florüberwurf , nach Art der sarmatischen Überkleider geschnitten . Beide waren natürlich vorn offen und schlugen sich , wenn sie ging , zurück , so daß man das weiße Unterkleid und die sich rund hervordrängenden Umrisse des Schenkels und Beines sah . Schultern , Hals und Arme waren frei , die kurzen herunterhängenden polnischen Florärmel fielen zurück wenn , sie den Arm hob . Titian hat nie ein schöneres Fleisch gemalt . Sie war ungeschnürt , und der volle Busen drängte die schwache Seide wie ein volles Herz die kleinen gesellschaftlichen Rücksichten . Ihr reiches blondes Haar fiel in reichen Locken um das Haupt . Der gewöhnliche scharfe Ernst ihrer Züge war gemildert , und sie ging anfänglich in launigen Gesprächen wohl eine Viertelstunde lang im Zimmer auf und ab . Es mochte wohl Eitelkeit sein , ihre in Schönheitslinien sich schaukelnde Figur zu zeigen . Aber ich liebe diese Eitelkeit , und die stets sitzenden Frauen kommen mir wie fette Türkinnen vor , die mich nie reizen könnten . Das freieste Wort , die freieste Sprache des Körpers ist der Gang . Diese vornehme Keckheit , mit der sie ihre Reize offenen Auges , offener Stirn auftreten läßt , erfreut und stärkt meine Sinne . Es ist eine kühne Gesundheit darin . Jenes verdeckte , versteckte Kokettieren mit nackten Eckchen und Zipfelchen ist der bare Gegensatz davon und mir in der Seele zuwider . Parallel damit geht auch die krankhafte Beschreibung solcher hysterischen Schönheiten , wie sie in den sogenannten schlüpferigen Romanen zu finden . Beides schwächt die Sinne . Die Natur in ihrer ungeschminkten Schönheit , in ihrer Nacktheit ist immer edel und schön , ihre Verkünstelung ist krankhaft . Weil der Novellist nicht den Mut hat , die unverhüllte Form zu zeigen , so hat er auch nicht den Mut , sie zu bewundern , und er gibt Dekokte für die bare Schönheit . Darin besteht ja die Fülle von Vollkommenheit in der Poesie , daß ihr alle Künste zu Gebote stehen , und wer die plastische verdirbt und einen löcherigen Mantel über die nackte Statue wirft , bestiehlt den Roman . Was gäbe ich darum , schrieben unsere Bildhauer Novellen , das könnte eine stärkende Kur werden ; was gäbe ich darum , lebten noch zwei Heinse , die einfachen Homöopathen der Beschreibung . Das ist es , worin ich ganz mit Valer übereinstimme , nur , daß er mit größerer Vorliebe den weichen Formen des Praxiteles nachgeht , ich die dreisten Linien des Phidias vorziehe . William hat gar kein Verständnis dafür , und ich fürchte , der kleine Provenzale nimmt mehr das Lüsterne heraus , was ich ganz verwerfe , weil es entnervt . Die Fürstin sprach von den Männern ; ich mußte ihr von Weibern erzählen . Sie hatte viele von unseren einbalsamierten Herren kennen gelernt , deren Gestalt nur hier herumläuft und deren Geist in Erziehung , Liederlichkeit oder Furcht verflüchtigt ist . Wenn das Gegenteilige ihr begegnet war , so hatte es aus jener materiellen , rohen , ich möchte sagen , bestialischen Soldatenkraft bestanden , die schon seit vielen Jahrhunderten unsere höher gestellten Stände für ein Axiom der Bildung ansehen . Es ist diese Barbarei ein Kindlein des Mittelalters und eigentlich ein diplomatischer Streich des Adels . Als das Rittertum verschwand , pachteten sie die vornehme Soldaterei und Jagd ; sie ahnten etwas vom Kriegerstande der Ägyptier und Inder und wollten die herrschende Partei , welche mit des Schwertes Kraft das Land erobert hat , fortspielen . Unterdes ist die Welt mit ihrer Zivilisation weit über jene behelmten Häupter hinausgewachsen , darum sehen wir jetzt unter den sogenannten höheren Ständen eine solche Menge barbarischer Fratzen mit lächerlichen Schnurrbärten von einem Ohr bis zum andern , die noch immer der ernstlichen Meinung sind , sie hätten das Privilegium der Courage . Gemütern , die alle zivilisierten Anlagen zum Herrschen besitzen , also ein Wort aus Erfahrung darüber reden können , muß dieser Vandalismus greulich sein . Das klagte die Fürstin , und es beschlich sie , nachdem die Schärfe des Wortes lange genug gemäht hatte , eine leise Wehmut , die ihr sonst gar nicht eigen , darum aber doppelt verführerisch an ihr war . Männersehnsucht , Männertrauer , Tränen nach Männern sind die schärfsten Waffen eines stolzen Weibes . Sie erobert , indem sie um Gnade bittet . Ich fühlte die reiche Armut des einsamen , hochgestellten Weibes , ich fühlte meine Kraft sie zu halten und zu beglücken . » Arme reiche Frau « - sprach ich , blieb vor ihr stehen , faßte ihre beiden Hände , führte sie an meine Lippen und sah ihr drängend tief in die Augen hinein . Sie legte ihre Arme auf meine Schultern und gab mir die Blicke feucht und redlich zurück . Aber es war , als kämen sie aus einer weiten , fernen Dämmerung , als wären sie Träume von reizenden Sternbildern ; sie schauten wie aus den Wogen tiefer Gedanken , sie sahen träumerisch , aber unendlich glücklich aus , diese Blicke . Es war , als bückte sich die Seele des hohen Weibes tief vor ihnen . Die starren Kräfte des kalten schönen Gesichts waren gebrochen , die Züge sanken in die Knie zu zauberhafter Milde , wehmütiger Freundlichkeit . Venus stieg aus dem Meeresschaum , und die schäumenden Wellen fielen plätschernd von ihr , und sie ward ganz das warme Weib . Lange sahen wir uns so in die Augen , näher und näher sie aneinander drängend . Keines sprach . Wenn sich