In einer Drille . « » Hat es dich nie heimtückisch in den Finger gebissen ? « » O ja , mehr als einmal , wenn ich ihm zu fressen gab . « » Und hast du dafür das Eichhörnchen totgeschlagen oder fortgeworfen ? « » Das wäre doch schade . Ich habe einfach dazu gelacht . « » Nun siehst du , gerade so muß mans mit den Mädchen machen , wenn sie falsch sind und einem hinterlistig wehtun . Nicht sie deswegen fortstoßen , das wäre schade , sondern einfach darüber lachen . Was hat sie dir denn so Schlimmes angetan , deine Gesima ? laß hören . « Da erzählte ihm Gerold alles von Anfang an , von ihrer Freundschaft , von ihrem Bündnis zum Kadettenball , von der schmählichen Untreue Gesimas wegen des Springseils . » Und jetzt sinnst du wahrscheinlich auf Rache ? « » Das heißt , wenn ich eine Rache wüßte , welche nicht boshaft und unedel wäre . « » Ich weiß dir so eine ; eine fürchterliche Rache , und doch keine boshafte und unedle ! Nimm du sie am Kadettenball fest um den Leib und tanze mit ihr so lange , bis sie um Hilfe schreit , vorwärts und rückwärts , linksum und rechtsum , und erlaube ihr den ganzen Abend nicht mit einem andern zu tanzen oder auch nur ein Wörtlein mit jemand anders zu reden als mit dir . « Gerold lachte vergnügt : » Das ist gut ! Das will ich mir merken . Und nicht wahr , deshalb , weil ich sie zum Kadettenball eingeladen habe , brauche ich sie deswegen noch lange nicht zu heiraten ? « » Kein Gedanke ! noch lange , lange nicht . « » Wen heiratet man eigentlich ? « » Seine künftige Frau . « » Ich meine nicht so . Ich meine : wie kann man wissen , wen man heiraten soll ? « » Das macht man folgendermaßen : man stellt sämtliche Mädchen der ganzen Stadt in eine lange Reihe und hält an jede das Ohr daran , wie der Doktor , wenn man den Husten hat . Und jene , welche seufzt , als wenn sie zu viele Pastetchen gegessen hätte , die heiratet man . « » Das ist nicht wahr , das glaube ich dir nicht . « » Es ist freilich wahr , nur hat bei mir die Wahrheit einen Fastnachtdomino an , weil ich halt der Narrenstudent bin . « » Ich möchte gern etwas Dummes fragen « , begann Gerold nach einer Pause zögernd . » Bitte inständig , tu mir den Gefallen . Eine gesunde Dummheit fragen zu hören , nachdem man so viel anspruchsvollen Aberwitz hat müssen behaupten hören wie ich , das ist ja eine wahre Erlösung . Also bitte , Gerold , erbarme dich : frag eine Dummheit . « » Ich fürchte , daß du mich auslachen wirst . « » Ich lache niemals eine Dummheit aus , bloß eine Weisheit . Also , mutig ! närrischer als ich bin kannst du doch nicht fragen . « » Warum muß man durchaus ein Mädchen heiraten und nichts anderes ? « » Ja , wolltest du lieber einen Heuschreck heiraten ? « » Das nicht , aber - « » Aber ? « » Meinen schönen Gefangenen . « » Was ist das für ein Bruder Benjamin ? « Da erzählte ihm Gerold errötend sein Geheimnis von dem schönen feindlichen Kadettengeneral , der ihm seit einem Jahr täglich erscheine , sobald er allein sei und nachts im Bette , im Wachen wie im Traum . Der Narrenstudent stand mit offenem Munde still : » Sag einmal , du Riesenpudding von einem Knirps , wie alt bist du denn eigentlich ? « » Elf Jahr und zwei Monate . « » Elf Jahr und zwei Monate ! und schon Engeleien im Kopf ! Gerold , du bist ein Phänomen . « » Was bedeutet das : ein Phänomen ? « » Nichts Beleidigendes . Und wenn du je einmal das Wort Phänomen schreiben mußt , so tu mir den Gefallen und setz ein Ph an den Anfang oder meinetwegen , wenns nicht anders geht , ein F , nur nicht ein Pf , wie der Präsident vom Niedereulenbacher Cäcilienverein . Um aber auf deinen holden Kadettengeneral zurückzukommen , so will ich dir , weil du mir dein Geheimnis anvertraut hast , auch etwas Geheimnisvolles verraten , glaubs oder glaubs nicht , aber merk dirs und behalt es : der Kadettengeneral verwandelt sich später , mag sein in fünf , mag sein in sieben oder acht Jahren , in ein lebendiges Mädchen , das du sehen kannst und das Gerold mit einem langen , langen e zu dir sagen wird , wie wenn ein h dahinterstände . Hast du sonst noch etwas zu fragen ? « » Ja . Warum erlaubt der liebe Gott den Katzen , die Mäuse so grausam zu martern , statt sie gleich zu töten ? « » Wo hast du den lieben Gott her ? « » Aus der Bibel . « » Und vom bösen Teufel , steht da nichts in der Bibel ? « » Freilich , allein der Herr Pfarrer hat uns in der Religionsstunde gesagt , es gebe doch keinen Teufel . « » Sag dem Herrn Pfarrer einen Gruß von mir , und ich lasse ihm sagen , er sei ein Gummipfarrer ; aber warte erst , bis du alle Examen gemacht hast , ehe du ihm das sagst . Überhaupt ? Gerold , nimm dich in acht , du fängst an zu denken , das ist ein verpöntes Handwerk , ein unpatriotisches , gemeinschädliches , menschenfeindliches . Wenn du so fortfährst , machst du dich erstens rundum verhaßt , und zweitens findest du eines Morgens das Narrenpatent neben deiner Kaffeetasse , verlaß dich darauf ! Denk nicht , Gerold ! Denk nicht ! « Unter solchen Gesprächen waren