Sie bedauert , Hoheit , « sagte Giulia und richtete die leuchtenden Augen auf ihn ; » mein Mann ist furchtbar , wenn er auf seine Lieblingsthemen gerät . « » O , ich lasse mich gern belehren , « meinte Waldemar , obwohl er innerlich frohlockte , der peinlichen Unterhaltung entflohen zu sein . Die Dame des Hauses erschien in dem Augenblick und bat die Herzogin , den Kardinal und den Prinzen , auf drei großen , eigens für sie bestimmten Lehnstühlen Platz zu nehmen . Dann sich zu Rosa wendend , die stumm und ernst dem ganzen Vorgang beigewohnt hatte , ersuchte sie diese , jetzt die Versammelten mit ihrem Talent zu erfreuen . Rosa war so erregt und verletzt durch die Reden der Herzogin , so schmerzlich betroffen , den Prinzen wieder in der gefährlichen Nähe zu sehen , daß sie fürchtete , nicht improvisieren zu können . Die Dame aber wollte nichts davon wissen , da sie ihre Gesellschaft auf diesen Genuß hin eingeladen habe , und Rosa fügte sich mit schwerem Herzen und sagte sich mit bitterer Empfindung , daß sie nur deshalb hier sei und den Frondienst des Talents vollziehen müsse . Ein Seitenblick zeigte ihr den Prinzen an der Seite der Herzogin sitzend , an deren anderer Seite sich der Kardinal befand . Sie sah , wie die Herzogin , von einem Feuer erglühend , das ihre Schönheit fast überwältigend machte , ihre Nachbarn offenbar durch ihren Zauber beherrschte , was sich bei dem Kardinal durch sein feines , befriedigtes Lächeln ohne Ironie , bei dem Prinzen durch eine nicht zu verkennende , alles andere vergessende Hingerissenheit kundgab . Schmerzlich zuckte es durch Rosas herz und es war ihr , als müsse sie sterben , während man die Papierstreifen herumreichte , auf denen ihr Themen aufgeschrieben werden sollten . Der Herzog hatte sich jetzt auch genähert und neben dem Kardinal Platz genommen ; scheinbar teilnehmend an der lebhaften Unterhaltung , deren Seele seine Frau war , hatte er sich dieser ganz zugewendet , so daß er zugleich sie und den Prinzen unverwandt im Auge hatte und jede ihrer Bewegungen beobachten konnte . Jetzt kam man , um der Gruppe Papierstreifen zum Schreiben anzubieten . Der Herzog wies diese mit einer Handbewegung zurück ; der Kardinal wollte das gleiche tun , aber die Herzogin rief : » Nein , Eminenz , Sie müssen etwas Schönes für unsere kleine Muse schreiben . Sie sind ja auf dem Parnaß zu Hause und wissen , was sich für Musen paßt . Und Sie auch , Prinz , schreiben Sie , damit wir jedenfalls etwas recht Schönes zu hören bekommen . So , « fuhr sie lebhaft fort und nahm den beschriebenen Zettel aus des Kardinals Händen : » hier ist die Aufgabe der Eminenz , nehmen Sie sie , bitte , Prinz , und tragen Sie sie mit der Ihren zu der Improvisatrice hin ; hoffentlich zieht sie eine der beiden . « Sie beugte sich bei diesen Worten etwas vor nach dem Prinzen hin , so daß ihr Gemahl weder ihre Hand , die das Papier gab , noch ihr Gesicht sehen konnte ; der Prinz aber fühlte ein doppeltes Papier in seiner Hand und zugleich sagten ihm ihre flüsternden Lippen : » Für dich . « Waldemar erhob sich bestürzt und verwirrt , an solches Tun nicht gewöhnt . Er wußte , daß die durchbohrenden Augen Don Camillos jeder seiner Bewegungen folgten , und die Papiere in der Hand zusammenpressend , ging er auf den Tisch zu , an dem Rosa stand , um die Zettel in die Schale zu werfen . Rosa sah ihn kommen ; ihr Herz klopfte so heftig , daß es ihr fast den Atem benahm und als er vor ihr stand , sah sie ihn mit einem so traurigen , so vorwurfsvollen Blick an , daß Waldemar von einem Gefühl der Reue , der Beschämung ergriffen ward und , augenblicklich wieder die Stimme seines besseren Selbst , die stets durch sie erklang , hörend , ganz vergaß , die Papiere zu trennen , sie achtlos in die Schale fallen ließ , während er sich etwas zu Rosa niederbeugte und flüsterte : » Mein Schutzgeist , wachen Sie über mir . « Ein seliges Lächeln flog über Rosas Züge und der Ausdruck von Trauer schwand . Rasch ergriff sie eine Blüte von den Blumen , mit denen man ihren Tisch geschmückt hatte , reichte sie ihm und flüsterte ebenfalls : » Ein Talisman ! « Er nahm die Blüte , drückte sie an seine Lippen , und eine Sekunde ruhten ihre Blicke verloren ineinander . Das alles ging so schnell vor sich , daß niemand den kleinen Vorgang bemerkt hatte . Dann sah Waldemar Holberg und Raden , die fern von der Herzogin nebeneinander Platz genommen hatten , und ohne sich nach der Seite , wo Giulia saß , umzuwenden , ging er auf seine Kavaliere zu und setzte sich zu ihnen . Rosas Herz jubelte ; sie griff voll Freude in die Schale , um ein Papier zu ziehen , entfaltete eines und las : » Bleibe mir fern heut abend , der Herzog beobachtet uns ; morgen früh erhältst du Botschaft . « Betroffen bis ins Herz hinein , das sich krampfhaft in physischem Schmerz zusammenzog , starrte sie das Blättchen an ; es mußte Waldemars Hand entfallen sein und es ward ihr alsbald klar , woher es gekommen . Sie verbarg es schnell unter den Blumen , nahm das nächstliegende und las : » Der Schutzgeist . « Es war Waldemars Handschrift . Was in ihrer Seele vorging , sie hätte es selbst kaum sagen können . Es gibt solche Augenblicke im Leben , wo das Herz sich plötzlich mündig fühlt , wo das sanfteste Wesen zum Heldentum erstarkt , wo eine zwingende Kraft aus den Tiefen der Seele heraufsteigt , die unser Tun bestimmt und unser Schicksal wird . So fühlte Rosa mit einemmal , daß sie