Frostgefühl Halefs nahm zu . Es schüttelte ihn , und darum war es wohl begreiflich , daß er , als wir das heiße Getränk bekamen , einen großen Becher voll auf einmal leerte und ihn sich auch gleich wieder füllen ließ . Ich genoß meinen Teil langsamer . Er war stark , sehr stark . Ich nahm freilich an , daß die Ursache dieser Uebertreibung nur darin liege , daß wir für vornehme Leute gehalten wurden . Bitter war er allerdings auch , aber man hat in den fernen , einsamen Grenzbergen zwischen Khusistan und Luristan keine Ursache , den Feinschmecker herauszukehren , und so trank ich nach und nach ebenso viel wie der Hadschi - - drei große Becher voll . Ich that dies besonders in der Absicht , dadurch zum Wachen angeregt zu werden . Wir pflegten , abwechselnd zu wachen ; heut aber hatte ich mir im stillen vorgenommen , Halef nicht aus dem Schlafe zu wecken . Unsere Pferde grasten ganz in unserer Nähe . Sie waren gewohnt , sich nicht von uns zu entfernen . Und ebenso gehörte es zu ihrer Eigenart , daß sie sich nur gezwungener Weise zu anderen Pferden gesellten . Sie hatten ihre » Geheimnisse « . Was das heißt , habe ich an anderen Orten wiederholt gesagt . Hierzu muß noch erwähnt werden , daß sie von Halef dressiert worden waren , auf den zweimaligen Zuruf des Wortes » Litath « 26 und einen dazwischen tönenden Pfiff jeden fremden Reiter abzuwerfen . Der Beduine liebt dergleichen Dinge und hat auch Zeit genug , sie seinen Pferden beizubringen . Sie können unter Umständen von großem Nutzen sein . Mein Assil Ben Rih war gewöhnt , daß ich ihm des Abends , ehe ich mich schlafen legte , die Sure » Abu Laheb « langsam und deutlich in das Ohr sagte . Er hätte keinem Menschen Gehorsam geleistet , der dies nicht wußte und also unterließ . Ich that dies auch heut und streckte mich dann , in meine Decke gehüllt , neben Halef aus , obwohl es nicht meine Absicht war , einzuschlafen . Zunächst machte ich die Bemerkung , daß mich der starke Kaffee nicht nur an- , sondern sogar aufgeregt hatte . Meine Denkkraft war in die schnellste Bewegung gesetzt . Es jagte eine Vorstellung die andere ; ich konnte keine Idee festhalten . Dabei war diese innerliche Ruhelosigkeit keineswegs von der äußeren begleitet . Ich bewegte mich nicht . Es fiel mir gar nicht ein , auch nur ein Glied zu rühren . Ich hatte das Gefühl , daß ich mich überhaupt nicht mehr bewegen könne , aber zum festen , klaren Bewußtsein wurde es mir nicht . Zuerst sah ich die sich hetzenden Gedanken trotz ihrer Schnelligkeit deutlich an und in mir vorüber fliegen . Nach und nach verloren sie ihre Bestimmtheit ; sie wurden verschwommen ; dann konnte ich sie überhaupt nicht mehr von einander unterscheiden , und schließlich wußte ich von ihnen gar nichts mehr ; aber auch ich selbst war mir verschwunden , vollständig verschwunden . Später war es mir , als ob ich einigemale halb aufgewacht , aber sofort wieder eingeschlafen sei . Das wiederholte sich , bis mir irgend ein Etwas in mir zuflüsterte , daß ich in einem unnatürlich tiefen Schlaf liege , den ich unbedingt zu besiegen habe . Dieses Etwas war ich selbst ; ich hatte mich wiedergefunden . Und nun begann ein Ringen mit den widerstrebenden Augenlidern und der bleiernen Gliederschwere , die mich fest und unbeweglich an dem Boden halten wollte . Dazwischen hinein war es mir , als ob ich das Krachen des Donners höre . Das Rauschen des Windes und des Regens drang mir wie aus weiter Ferne an das Ohr , und dann kam es mir vor , als ob ich in kalter Nässe liege , welche den ganzen Körper durchdrang und ihn aber glücklicherweise auch endlich , endlich wieder bewegungsfähig machte . Ich strengte meinen ganzen Willen an , und da gelang es mir , den Oberkörper aufzurichten und die Augen zu öffnen . Was aber sah ich da ! Der Himmel war verschwunden . Ein fürchterliches Gewitter tobte . Ein Blitz zuckte nach dem anderen . Der Donner schien keine Pause zu kennen . Es ging Krach auf Krach und Schlag auf Schlag . Der Regen fiel wie eine kompakte Masse nieder . Er hatte das Felsenbecken , dessen Boden vorher nur bedeckt gewesen war , fast ganz bis oben angefüllt . Vor mir saß Halef , mit dem Rücken am Gemäuer lehnend . Seine Augen waren geschlossen . Er regte sich nicht . Seine Kleidung bestand nur aus Hose , Weste , Hemd und Stiefel . Der Regen troff von diesen vollständig durchnäßten Stücken . Das lenkte meinen Blick auf mich selbst . Auch ich hatte nur Hose , Weste , Hemd und Stiefel , ganz so wie Halef , weiter nichts , alles andere fehlte . Kein Mensch außer uns beiden ringsumher ! Die Nomaden waren fort , mit ihnen unsere Pferde , unsere Waffen und alles , was wir sonst noch besessen hatten . Ein Griff in meine Taschen zeigte mir , daß sie vollständig leer waren . Man hatte uns ausgeraubt , und wir mußten noch froh sein , daß wir nicht vollständig ausgezogen worden waren . Ich kann nicht sagen , daß ich über diese Entdeckung erschrak . Selbst wenn ich ein schreckhafter Mensch wäre , so würde der Zustand der Betäubung , dem ich mich doch noch nicht ganz entrungen hatte , eine so energische Regung , wie der Schreck ist , gar nicht zugelassen haben . Ich rieb mir die Stirn , und es gelang mir , zwei Gedanken herauszureiben . Der erste war , daß wir in dem Kaffee Opium oder etwas dem Aehnliches getrunken hatten . Opiate sind ja in Persien , ihrem Erzeugungslande , von jedermann sehr leicht zu haben . Und zweitens sagte ich mir , daß uns jetzt nichts so