an . Sollten die Affekte oder Stimmungen , welche im Augenblicke des für uns sichtbaren Sterbens vorherrschend sind , nur deshalb keine nachhaltige Wirkung hinterlassen , weil die eigentliche Trennung der Seele von dem Körper erst später , von uns unbemerkbar , erfolgt und der Geist erst dann das , was ihn bei diesem endgültigen Scheiden bewegt , zum Troste oder zur Warnung für die Hinterbliebenen auf das Angesicht schreibt ? Diese Frage gehört auch zu denen , welche wir Lebenden wohl aussprechen , aber nicht beantworten können . Indem ich die Züge des Münedschi betrachtete , fiel mir die Färbung des Gesichtes auf ; sie war blaß und totenähnlich , dabei aber von einem so eigentümlichen Ton , daß ich aufmerksam wurde . Ich legte die Hand an seine Wange und fühlte , daß sie kalt war . Ich entfernte den Sand von den Armen und den Händen ; diese letzteren hatten auch die Kälte des Todes . Nach der Trübung der Augen sah ich nicht , da ich ja gehört hatte , daß der Münedschi blind gewesen war . Leichengeruch gab es nicht , doch war die Todesstarre eingetreten , die aber ebenso wie die Kälte und die Veränderung der Hornhaut des Auges kein unzweifelhafter Beweis des wirklich eingetretenen Todes ist . Ich forderte einige Haddedihn , welche bei uns standen , auf , den Mekkaner ganz vom Sande freizumachen . » Warum das ? « fragte Halef im Tone der Ueberraschung . » Denkst du etwa , daß er noch lebt , Sihdi ? « » Das wohl nicht , « antwortete ich ; » aber ich habe das Gefühl , als läge auf dem Gesichte noch ein leiser , leiser Lebenshauch , der nicht auf wirklichen Tod , sondern nur auf Ohnmacht schließen läßt . « » Nur ohnmächtig ? Also scheintot ? Effendi , wir haben schon viel , sehr viel erfahren und gar manches erlebt , was kein anderer Mensch erleben wird , aber einen Scheintoten wieder lebendig zu machen , dazu haben wir doch noch keine Gelegenheit gehabt ! Was für ein großer Ruhm würde es für uns sein , wenn wir sagen könnten , daß sogar die Macht des Todes nicht vor uns standhalten könne ! Hier ist die beste , die allerbeste Gelegenheit dazu , dies zu beweisen ! « » Nur langsam , nicht wieder so vorschnell , lieber Halef ! Ich habe ja noch gar nicht behauptet , daß es sich hier nur um Scheintod handle ! Ich täusche mich jedenfalls , halte es aber doch für meine Pflicht , diesen Mann nicht eher vollends zu begraben , als bis ich mich überzeugt habe , daß der Tod wirklich eingetreten ist . « » Wie kannst du zu dieser Ueberzeugung gelangen ? « » Indem ich seine Atmung und den Puls untersuche . « » Die Atmung ? Er holt keinen Atem mehr ; das muß ja jeder sehen ! « » Das Atmen eines Scheintoten geht so leise vor sich , daß es nur bei der größten Aufmerksamkeit zu bemerken ist . Wollen sehen ! « Die Haddedihn hatten den Sand entfernt und den Körper neben die Grube gelegt . Ich kniete bei ihm nieder , schlug die Kleidung weit von der Brust zurück und hielt die Augen auf den Brustkorb gerichtet . Halef ließ sich zu gleichem Zwecke neben mich nieder . Es versteht sich ganz von selbst , daß alle andern Haddedihn nun auch herbeigekommen waren und in höchster Spannung im Kreise um uns standen . Noch war kaum eine Minute vergangen , so rief Halef : » Jetzt , jetzt hat er Atem geholt ! Hast du es gesehen , Effendi ? « Auch mir war es so gewesen , als ob eine ganz leise und sehr flache Bewegung des Thorax stattgefunden hätte ; aber selbst als sich das nach einiger Zeit wiederholte , glaubte ich , an der Wahrheit dieser Beobachtung zweifeln zu müssen . Ich ließ mir ein Stück Leder geben , rollte es zum Rohr zusammen und setzte es , die Haddedihn zum tiefsten Schweigen auffordernd , dem Mekkaner auf das Herz . Es verging wohl über eine Minute ; da glaubte ich , ein Geräusch gehört zu haben , sagte aber nichts ; dann hörte ich es wieder , auch zum dritten , vierten und fünften Male ; es waren die Diastolgeräusche , die zweiten kürzeren und helleren Herztöne , welche ich bemerkt hatte ; die ersten Herztöne sind zwar stärker und länger , aber dumpfer und an Scheintoten nie zu hören . Jetzt war ich meiner Sache sicher und sagte , indem ich schnell aufsprang : » Halef , dein Wunsch ist erfüllt , denn dieser Mann lebt ; er ist nur scheintot , und mit Gottes Hilfe wird es uns gelingen , seine Seele zurückzurufen ! « » Hamdulillah ! Wir werden den Tod überwinden und dem Leben befehlen , wieder dahin zurückzukehren , wohin es rechtmäßigerweise gehört ! Wir werden es an seine Pflicht erinnern und nicht eher ruhen , als bis es uns Gehorsam geleistet hat ! Aber da ich nicht weiß , wie das zu machen ist , so fordere ich dich auf , Effendi , uns zu sagen , wie es geschehen soll ! « » Das wird durch den Itnaffas maßnu49 geschehen . « » Itnaffas maßnu ? Davon habe ich noch nie etwas gehört . Es ist doch keine Kunst , zu atmen ! Wenn man den Mund öffnet , geht die Luft ganz von selbst hinein . « » Dir das zu erklären , habe ich jetzt keine Zeit . Wir dürfen keinen Augenblick verlieren , wenn wir mit unserer Hilfe nicht zu spät kommen wollen . « » Aber ich darf mithelfen ? « » Ja . Ich werde dir zeigen , was du zu thun hast . « Der Oberkörper des Mekkaners wurde ganz entkleidet und , etwas erhöht , auf den Rücken gelegt . Ich zog seine Arme in