Stück spielen müsse , mit einer ungeheuren Haube auf dem Kopfe und einem kolossalen Schlüsselbunde am Gürtel . Ob Elimar nicht auch meine , sie werde sich so ganz vorzüglich ausnehmen ? Was soll ich meinen ? fragte Elimar , stehen bleibend . Mein Gott , Eli , wie zerstreut Du bist ! Was hast Du nur ? Mir geht die fatale Sache mit den beiden Künstlern durch den Kopf , sagte Elimar . Es ist recht unangenehm , daß das gerade bei uns passieren mußte . Ja , aber was können denn wir dafür ! rief Adele . Dafür ist doch Fräulein Stephanie verantwortlich , die sich die beiden Zankhähne ausgesucht und uns ins Haus geschickt hat . Meinst Du nicht auch ? Freilich , sagte Elimar . Er hatte gar nicht an die närrischen Künstler gedacht , sondern an Klotilde und den Professor . Als er , aus dem Rauchzimmer kommend , an die Gruppe trat , welche am Tisch um den Akademiker herumstand , hatte er zu seinem maßlosen Erstaunen die beiden gesehen , Schulter eng an Schulter geschmiegt . Er hätte sich einreden können , das Opfer einer Sinnestäuschung gewesen zu sein , denn in der That hatte seine seltsame Beobachtung , da sich die Gruppe alsbald löste , nur ein paar Sekunden gewährt . Aber , die beiden im weiteren Verlauf des Abends scharf beobachtend , waren ihm die höchst verdächtigen Blicke nicht entgangen , welche sie wiederholt in Momenten , die sie für sicher halten mochten , miteinander austauschten . Handelte es sich noch nicht um Liebe , so zweifellos um eine bereits recht vorgeschrittene Liebelei , die ihm schwere Sorge machte ! Kannte er doch Klotildens lebhaftes Temperament ! ihre Neigung , mit Männerherzen zu spielen ! die Leere , welche ihr eine sicher nicht sehr beglückte Ehe im eigenen Herzen ließ , auf diese gefährliche Weise auszufüllen ! Hatte er das alles doch vor fünf Jahren an sich selbst erfahren und seine ganze Festigkeit und Klugheit aufbieten müssen , sich aus der Gefahr zu retten ! Und diese Festigkeit und Klugheit - dem Professor mit seinen großen , lebenshungrigen Augen traute er sie schon gar nicht zu . Dergleichen Leute , besonders wenn sie aus niedern Kreisen stammen , sind in den weißen Händen einer gefallsüchtigen , keineswegs übrig gewissenhaften aristokratischen Dame weiches Wachs . Sie würde das Wachs schon zu kneten wissen ! sie ! Der arme Teufel mochte an das Heil seiner Seele denken ! Und an das seines Leibes dazu ! Viktor ließ seine Frau frei gewähren - zu frei vielleicht . Aber an seine Ehre durfte man dem alten Korpsburschen und Reservelieutenant nicht rühren ! und mit dem Schulmeister würde er verzweifelt kurzen Prozeß machen ! Vielleicht waren das alles nur kassandrische , schwarze Träume . Nur wäre es nicht das erste Mal gewesen , daß sein böses Geträume sich erfüllt hätte ! Jedenfalls wollte er die Augen offen behalten . Wenn Klotilde auf einen Menschen hörte , durfte er sich schmeicheln , daß er es sei . Zehntes Kapitel In seinem Gymnasium war man gewohnt , Albrecht Winter mit stolz erhobenem Haupt und erfolgbewußt leuchtenden Augen zu sehen , offen bewundert von seinen für ihn schwärmenden Schülern , heimlich sogar von denen seiner Kollegen , welche ihm sein stattlichschönes Äußere , die Vielseitigkeit seines Wissens , den leichten Fluß der Rede und die Erfolge in seinen verhältnismäßig jungen Jahren beneideten . Aber seit einiger Zeit schien er nicht mehr derselbe . In den Lehrstunden war er nicht selten zerstreut ; vergebens harrten die jungen Leute auf eine jener begeisterten Improvisationen , mit denen er sie sonst wohl entzückte , gerade wenn die trockensten Gegenstände behandelt wurden ; und er , dem früher niemals ein hartes Wort entschlüpfte , konnte bei geringfügigen Veranlassungen heftig und unduldsam werden . Die Kollegen sahen den freundlich gesprächigen Mann in einen Kopfhänger verwandelt , der sein Schweigen nur unterbrach , um eine bitter sarkastische Bemerkung in die Debatte zu werfen . Dann wieder eines Morgens erschien » Siegfried « , wie ihn der Schulwitz getauft hatte , strahlender als je , um bereits am nächsten Tage abermals die Beute seiner seltsamen Mißstimmung und Melancholie zu sein . Niemand wußte sich diese Wunderlichkeiten zu erklären ; er selbst freilich mußte sich heimlich eingestehen , daß seine Seele nur noch der Spielball der Leidenschaft war , die ihn für die schöne Frau von Sorbitz mit einer Gewalt ergriffen hatte , gegen welche er in sich keinen Widerstand fand . Das ganze Dasein drehte sich für ihn um die Frage : erwidert sie meine Liebe ? Glaubte er sie mit ja beantworten zu dürfen , schien ihm der herbstlich graue Himmel von rosigem Licht verklärt . Mußte er - und das war der weitaus häufigere Fall - an ihrer Gegenliebe zweifeln , sah er sich am sonnigsten Tag umgeben von den Schrecken des arktischen Eises unter einem Himmel , von dem der letzte Hoffnungsstern verschwunden war . Unterdessen hatten die theatralischen Angelegenheiten den erfreulichsten Fortgang genommen . Die Rollen der beiden Stücke , welche jetzt offiziell : » Das Schild « und » Der Schutzmann « genannt wurden , waren in kürzester Frist ausgeschrieben worden und bei der nächsten Zusammenkunft in Adeles kleinem Salon zur Verteilung gekommen . Hier hatte Albrecht eine erste schmerzliche Enttäuschung erfahren . Ein wie reiches Lob er auch für seine dichterische Leistung einerntete , und mit welcher Einhelligkeit man ihm die Rolle des Helden im » Schild « zuerkannte , seine stille Hoffnung , die angebetete Frau dann zur Partnerin zu haben , ging nicht in Erfüllung . Klotilde , die sein bittendes Augenspiel nicht zu verstehen , oder verstehen zu wollen schien , erklärte mit aller Entschiedenheit , eine Rolle nicht übernehmen zu können , bei der die Darstellerin auch tragische Töne in der Gewalt haben müsse . Das sei Stephanies Sache . Dagegen glaube sie , mit der resoluten Miß Jane des zweiten Stücks wohl fertig zu werden