heraus . Wie wär es mit ein paar Anzügen Vater Wiehrs ? Ein Gedanke ! Der Mann hatte ja seine ganze Vergangenheit noch im Kleiderschranke hängen . Aber Vorsicht ! Vorsicht ! Und erst in den letzten Tagen . Auf fünfzig Mark konnte man das aber immerhin ansetzen . Fünfzig und fünfzig sind hundert , und vierzig sind hundertundvierzig ... Wenn ihm nur irgend ein Coup einfiele ! Das Geplempere mit kleinen Posten gefiel ihm gar nicht . Hm . Im Glasschrank stand so allerlei herum , auch Schmuckzeug ... Aber da verging ja kein Tag , an dem nicht Mutter Wiehr den Kram bestreichelte . Halt ! ... Aber nein ... nein ... ! ... Freilich , wenn gar nichts übrig blieb ... ? ... : Die Paten- und Konfirmationsgeschenke des verstorbenen Filius ... ? ... ! Die waren in dem verschlossenen Schranke in seiner Stube , und die Alten hatten eine große Scheu vor diesen Erinnerungen . Sie hatten sie verschlossen , um sie nicht zu sehen ; nie machten sie den Schrank auf . Da mußten ja wol auch noch Bücher sein und sonst was ... Das war aber doch ein verfluchter Coup ! Das war schon nicht mehr blos , pfui Teufel , Diebstahl , das war so was wie Frevel . Oder ? Stilpe versuchte , den Gedanken mit Gewalt loszuwerden und erging sich , um ihn beiseite zu schieben , dafür in den abenteuerlichsten Plänen . Sogar der schmierige Beutel des Deklamators tauchte auf und eine verbrecherische Intrigue mit der rosigen Gattin . Hatte sie ihm nicht kürzlich hinter dem Rücken des Alten zugelächelt ? Wie , wenn er mit ihr im Bunde den Alten ... ? Aber , duliebergott , das war ja eine Kriminalnovelle und kein Coup ! Immer wieder der verschlossene , große , braune Schrank ... Was da wohl alles drin steckte ... Natürlich zuerst sämtliche Hosen und Höschen , Jacken und Jäckchen des gepriesenen Filius , von der Wiege bis zur Bahre . Verdammt nochmal : Auch noch Rücksicht auf Sentimentalitäten , wo es seine Freiheit und Zukunft galt ! Da gabs doch kein Besinnen ! Dort der Tod ! Hier das Leben ! Hie Mottenfraß ! Hie Freiheit ! Er ging an den Schrank und versuchte seine Schlüssel am Schloß . Ging nicht . Also : Eintreten ! Einfach eintreten ! Er schlug mit der Faust auf die Schrankthüre . Aber wie er das Poltern hörte , lief er gleich weit weg und sah zum Fenster hinaus . Wozu überhaupt diese Menge Geld ? Hundertfünfzig waren auch genug . Er stellte das Girlingern vor . Aber der protzte seine ganze widerliche Konsequenz auf : - Wie wirs ausgemacht haben , so bleibts . Du hast mein Wort , und ich habe Deins . Stilpe empfand eine kochende Wut über dieses Benehmen . Nicht einmal sagen kann ichs dem Kerl , was ich vorhabe . Natürlich er : Jede seiner Schwestern giebt ihm fünfzig Mark . Und ich muß solche Gemeinheiten aushecken . Aber wart nur : Diese Erfahrungen , diese Kämpfe , die werden aus mir was Ganzes , Eigenes machen , wo Du blos eine Molluske bist und bleibst ! Ich bin der Kämpfende ! Ich werde den Sieg haben ! Und dann , oben auf der Akropolis will ich Dirs in ' s Gesicht schütteln mit meinen Fäusten : Ich habe stehlen müssen für meine Freiheit und unendliche Frevel auf mich geladen für meine Ideale ! Du aber bist blos der Pudel , der hinter mir herlief , aufgefüttert und vollgestopft , ohne Mark und Entschluß ! In diesem Aufsud stürmischer Gefühle fiel ihm Karl Moor ein , und er fühlte sich nun nicht blos gerechtfertigt , sondern geradezu verpflichtet , den Schrank aufzubrechen . Aber Vorsicht ! Vorsicht ! Und : Nicht zu früh ! Jetzt waren es noch sechs Tage bis zu dem Sonnabend , wo sie sich nachmittags im Gartenhause treffen wollten , um abends abzureisen . Von Girlinger fehlte immer noch die Hose und ein Hemd im Koffer , aber er konnte ihn nicht einmal mahnen , denn der Primus blieb aus der Schule weg und hatte ihm verboten , ihn zu besuchen . Er stelle sich krank , hatte er ihm geschrieben , um nicht unnötig durch ihn aufgeregt zu werden , auch habe er einen besonderen Tric vor mit dieser Krankheit . Im Übrigen solle er nur Alles genau nach Verabredung besorgen und thun . Sonnabend um 3 Uhr am Gartenhause ! Stilpe hatte einen grenzenlosen Respekt vor Girlingers kühler Klugheit , und er stellte sich irgend etwas unerhört Schlaues vor , das hinter dieser Krankheit steckte . Wer weiß : Er bringt vielleicht 500 Mark mit ! Wenn mans nur wüßte ! Nur wüßte ! Dann wäre auch diese infame Chose mit dem Schrank nicht nötig . Schon das Verkaufen von Vater Wiehrs Garderobe war eine verdammt schwierige Sache gewesen und es war blos Dusel , wenn es nicht zur Unzeit bemerkt wurde . Nun aber der Schrank ! Das Heiterste wäre , wenn mich Mutter Wiehr angeschwindelt hätte , und es gäbe da drin gar nicht diese kostbaren Konfirmationskleinodien und Taufbecher . Ob ich sie nochmal frage ? Er nahm wirklich einen Anlauf dazu , brachte es schließlich aber doch nicht übers Herz . Dafür machte er sich im Stillen einige moralische Komplimente über diese Feinfühlichkeit und fand , daß er eigentlich sein Gewissen dadurch für beruhigt ansehen könnte : Denn , wäre ich wirklich ein gemeiner Kerl , so hätte ich gefragt ; aber ich handle eben blos unterm Zwang der Verhältnisse und schone dabei nach Möglichkeit , was zu schonen ist . Unter diesen Erwägungen brach er kaltblütig den Schrank auf , nachdem er die Kammerthür verschlossen und das Schlüsselloch verhangen hatte . Schau , schau , gepfropft voll ! Aber ist es nicht sündhaft , alle diese Sachen von den Motten fressen zu lassen ? Es scheint , die guten Wiehrs wissen nicht , wieviel