Du hast eben andere Dinge im Kopf . Dein Bezirk wird schlechter von Jahr zu Jahr , und dafür soll ich dir noch den Gehalt aufbessern ? Erlaub mir , Patscheider , das ist eine starke Zumutung ! « » Ich schau mich halt mit meine sechshundert Markln nimmer naus , Herr Graf ! Sieben Kinder daheim - « » Was geht denn das mich an ? Muß denn der Mensch sieben Kinder haben ? Wärst du bei Nachtzeit fleißiger im Dienst gewesen , so hättest du mehr Gamsböcke im deinem Revier und daheim weniger Kinder . « » Aber Herr Graf ? « Ein Faustschlag dröhnte auf die Tischplatte . » Fertig ! Wir haben ausgeredet . Bring deinen Bezirk so weit , daß ich im Jahr sechs gute Hirsche und ein Dutzend Gamsböcke schieße , und ich bessere deinen Gehalt nicht nur um die fünfzig Mark auf , die du haben willst , sondern um volle zweihundert . Und jetzt kein Wort mehr . Nimm dich zusammen , Patscheider , ich sag es dir heut noch im Guten . Oder es sitzt übers Jahr ein anderer in deiner Hütte . « Schweigen folgte diesen Worten ; dann wurde die Stubentür geöffnet , schwere Tritte ließen sich hören , u im Eingang der Hütte erschien ein schwarzbärtiger Jäger mit bleichem Gesicht u verstörten Augen . Als er den Hornegger Franzl gewahrte , nickte er einen stummen Gruß . In der Stube begannen die Saiten einer Zither zu klingen . Graf Egge liebte die Zither und spielte sie meisterhaft ; sie war in den Mußestunden der Jagdhütte sein einziger Zeitvertreib und sein Heilmittel wider jeden Ärger . Franzl legte die Hand auf Patscheiders Arm und fragte flüsternd : » Michel ? Brauchst du was für daheim ? « » Vergeltsgott , Franzl , hast ja selber net viel übrig ! « Patscheider atmete schwer und deutete über die Schulter . » Hast es ghört , was er verlangt ? Sechs Hirsch und a Dutzend Gamsböck ! Bei mir ! Dös möcht unser Herrgott selber net zwegenbringen . Und der Graf versteht doch so viel von der Jagd , daß er ' s wissen müßt ! Aber der Schipper hetzt halt ! Der Herr Schipper ! « Er griff nach seiner Büchse . » ' s gscheiteste wär , man springet amal wo nunter über d ' Wänd , nachher hätt man sei ' Ruh für ewige Zeiten ! « » Aber Michel ! Denk doch an deine lieben Leut daheim ! « Patscheiders Augen wurden feucht . » Ich sag dir ' s , Franzl , es wird mir hart ! Ich renn mir d ' Seel aus ' m Leib . Aber von der Grenz müssen mich ja d ' Lumpen überall sehen . « Er spähte nach dem Fenster und dämpfte die flüsternde Stimme noch mehr . » In vier Wochen haben s ' mir drei Gams davon ! Wenn ich ' s dem Grafen sag , der jagt mich zum Teufel . Jetzt muß ich schon lügen , wenn ich für meine Kinder dös bißl Brot erhalten will ! « Er hob die Faust . » Aber soll ' s unser Herrgott geben , daß mir einer übern Weg lauft ! Da gibt ' s an Unglück , Franzl ! « Mit eisernem Griff umklammerte er den Lauf der Büchse und schritt ohne Gruß davon . In der Stube sangen die Saiten der Zither einen heiteren Ländler , während Franzl bekümmert dem Jäger nachblickte . Als er ihn hinter den Latschenbüschen verschwinden sah , blies er die Backen auf , als könnte er sich den schwülen Druck , der auf ihm lag , von der Seele blasen wie einen Mund voll Pfeifenrauch . Dann knöpfte er die Joppe zu und trat in die Hütte . Langsam öffnete er die Stubentür und zog den Hut . » Grüß Gott , Herr Graf ! « Der Hund auf dem Bette hob den Kopf und vergrub , als er den Jäger erkannte , die Schnauze wieder zwischen den Beinen . Graf Egge saß hinter dem Tisch , hemdärmelig , in abgewetzter Lederhose und mit schiefgetretenen Filzpantoffeln . Ohne das Spiel zu unterbrechen , blickte er auf . » Aaaah ! Der Herr Hornegger ! Schau nur , schau ! Dös is ja wie der Wind gangen ! Also , der Herr Hornegger is auch schon da ! « Dem Jäger schlug bei diesem Empfang das Blut ins Gesicht , und doch atmete er erleichtert auf , als er den breiten Dialekt hörte , der auf mildere Stimmung zu deuten schien . Er begann sich damit zu entschuldigen , daß ihn bereits beim Niederstieg ins Dorf die Begegnung mit der » gnädigen Konteß und dem alten Fräuln « aufgehalten hätte . Ein Schatten des Unbehagens glitt über das Gesicht des Grafen . Er schob die Zither fort und erhob sich . » Bist du der Kammerdiener meiner Tochter , oder bist du mein Jäger ? « Franzl schwieg , denn er kannte die Wirkung , die jeder Widerspruch auf den Grafen zu üben pflegte . » Aber natürlich , das ganze Jahr füttert man seine Leute , und wenn man sie braucht , sitzen sie weiß der Teufel wo ! Wenn ich den Bock nicht bekomme , bist du schuld ! Seit acht Tagen sitz ich und warte mir die Seel heraus . Richtig , heute mittag steht der Bock , wo ich ihn brauche . Aber wo ist der Herr Hornegger ? Ja , der Herr Hornegger ! Der schlaft sich schön aus . Der laßt sich gemütlich Zeit , damit er keinen Schuhnagel verliert . Und der Graf kann warten . Der kann sich den Bock in der Wand drin anschauen und kann sich die Gelbsucht an den Hals ärgern . « Graf Egge trat dicht vor den Jäger hin . » Hornegger ! « Er betonte jede Silbe : » Wenn ich den Bock nicht bekomme , dann