. Nero spielte und sang und ließ Rom anzünden . Jetzt ist es Panorama , fünfzig Pfennig Entree . Denke dir , so billig ist alles geworden . Und vor zehn Jahren , wie mir eben einfällt , waren hier sogar die Fackeln des Nero ausgestellt , ein großes Bild . Damals war ich noch in Dienst , und ich sehe die große Leinwand noch vor mir . Und du hast es vielleicht auch gesehen . « » Nein , Eberhard , ich habe so was nie gesehen . Ich mußte mir dergleichen immer versagen . Du weißt schon weshalb . « » Sprich nicht von versagen . Das Wort kann ich nicht leiden , man muß sich nichts versagen , und wenn man nicht will , braucht man auch nicht . Nun sieh , das war ein Bild , so groß wie die Segelleinwand von einem Spreekahn oder wohl eigentlich noch größer , und rechts an der Seite , ja , da war ja nun das , was die Gelehrten die Fackeln des Nero nennen , und ein paar brannten auch schon , und die andern wurden eben angesteckt . Und was glaubst du nun wohl , Albertine , was diese Fackeln eigentlich waren ? Christenmenschen waren es , Christenmenschen , in Pechlappen einbandagiert , und sahen aus wie Mumien oder wie große Wickelkinder , und dieser Nero , der Veranstalter von all dieser Gräßlichkeit , der lag ganz gemütlich auf einem goldnen Wagen , und zwei goldfarbne Löwen davor , und der dritte Löwe lag neben ihm , und er kraute ihn in seiner Mähne , als ob es ein Pudel wäre . Und nun sieh , dieser selbige Nero , der sich so was leisten konnte , der die ganze Welt , ich glaube bis hier in unsre Berliner Gegend , beherrschte , der sang und spielte auch , geradeso wie dieser Herr von Klessentin , und da frag ich mich denn : Ja , warum soll er nicht , dieser junge Mensch ? Wenn ein Kaiser spielen darf , warum soll Klessentin nicht spielen ? ein unbescholtener junger Mann , der wahrscheinlich niemals ' ne Fackel angesteckt hat , am wenigsten solche . « Die Majorin reichte dem Schwager die Hand und sagte : » Eberhard , du bist immer noch derselbe . Und Leo wird auch so . Dein Bruder Alfred war immer ernst , ein bißchen zu sehr , was wohl an den Verhältnissen liegen mochte ... « » Sprich nicht von Verhältnissen , Albertine . Verhältnisse , davon kann ich nicht hören ... « » Und es ist merkwürdig , daß die Kinder oft mehr den Charakter aus der Seitenlinie haben . Und ich will nur wünschen , daß sein Lebensgang , ich meine Leos , auch so wird wie der deine , dasselbe Glück ... « » Sprich nicht von Glück , Albertine . Mag ich auch nicht hören . Selbst ist der Mann . Aber nein , nein , ich will dies nicht gesagt haben ... Sprich nur von Glück ... Es ist ganz richtig ... Ich habe Glück gehabt . Erst im Dienst . Natürlich immer meine Schuldigkeit getan , aber doch schließlich kein Moltke ... Gott sei Dank übrigens , daß es davon so wenige gibt , sie fräßen sich sonst untereinander auf , und wenn es zum Klappen käme , hätten wir keinen ... Einer ist schon immer das beste , da gibt es keine Konkurrenz und keinen Neid . Aber nun lassen wir Klessentin und Nero und Moltke und versuchen wir ein ander Bild . Wo sind die Mädchen ? « » Ausgeflogen . Und ich habe es unternommen , sie bei dem gütigen Onkel zu entschuldigen . Es waren aufgeschobene Besuche , höchste Zeit . Aber du siehst sie noch . Ich rechne darauf , daß du bleibst und unser Gast bist , so gut wir ' s haben . « » Ah , ah , ah . Kann ich nicht leiden . So gut wir ' s haben . Was heißt das ? Ein Teller Suppe ... « » Sophie sprach von Weißbiersuppe mit Sago ... « » Vorzüglich . Und könnte meine Beschlüsse beinah umstoßen . Aber ich habe noch allerhand zu tun und zu besorgen . Eigentlich Unsinn ; eine Postkarte besorgt es alles viel besser . Aber meine Frau wünscht es . Und was eine Frau wünscht , ist Befehl , sonst ist der Krieg da , worin wir Militärs immer geschlagen werden ; je schneidiger , je größer die Niederlage . Also ich muß fort . Und so gern ich die Mädchen alle drei noch mal gesehen hätte , so paßt es mir auch wieder , daß sie nicht da sind . Ich will nämlich eine nach Adamsdorf mitnehmen , meine Frau hat den Wunsch ausgesprochen , und ist nur noch die Frage , natürlich deine Zustimmung vorausgesetzt , welche ? « » Und du meinst , die Frage beantwortet sich besser unter uns . « » Ja , Albertine . « » Nun , da denke ich mir Therese . Sie war schon vorletzten Sommer mit deiner Frau in Pyrmont und kennt alles und hat sich einigermaßen mit ihr eingelebt . « » Alles richtig . Und doch wäre vielleicht ein Wechsel angezeigt . Laß mich offen zu dir sprechen . Therese ist ein vortreffliches Mädchen und eine Dame . Aber sie hat von der Dame mehr , als meiner Frau lieb ist . Meine Frau , eine Bürgerliche wie du , ist von einfachen Lebensgewohnheiten und Anschauungen , was ich alles nur billigen kann . Und Therese - du wirst verzeihen , daß ich es sage - hat eine ziemlich ausgesprochene Neigung , sich auf das Poggenpuhlsche hin auszuspielen . Ich mag nichts dagegen sagen und nehme persönlich keinen Anstoß daran . Aber meine Frau findet es etwas übertrieben und hat auch seinerzeit Auseinandersetzungen mit ihr darüber gehabt . « » Ich versteh , Eberhard . Und deine Frau