auslachen . Man lernt doch nie aus , auch nicht in dem Herzen seiner besten Freundin . « Eine Pause trat ein , für beide peinlich , besonders für die Dobschütz , die das alles so ganz wider Wunsch und Willen heraufbeschworen hatte . Ja , Verlegenheit auf beiden Seiten , soviel war gewiß , und diese Verlegenheit wieder aus dem Wege zu räumen , das war nur möglich , wenn das Gespräch , wie es begonnen , mit allem Freimut fortgesetzt wurde . » Gönnst du mir noch ein Wort ? « Die Gräfin nickte . » Nun denn , Christine , ich war in vielen Häusern und habe manches gesehen , was ich lieber nicht gesehen hätte . Die Herrensitze lassen oft viel zu wünschen übrig . Aber wenn ich je umgekehrt ein zuverlässiges Haus gefunden habe , so ist es das euere . Du bist ein Engel , wie alle schönen Frauen , wenn sie nicht bloß schön , sondern auch gut sind , ein Fall , der freilich selten eintritt , und ich persönlich wenigstens habe nichts Besseres kennengelernt als dich . Aber gleich nach dir kommt dein Mann . Er ist in dem , um das sich ' s hier handelt , ein Muster , und wenn ich einem Fremden zeigen sollte , was ein deutsches Haus und deutsche Sitte sei , so nähm ich ihn beim Schopf und brächt ihn einfach hierher nach Holkenäs . « Der Gräfin Antlitz verklärte sich . » Ja , Christine , du bist alles in allem doch eine sehr bevorzugte Frau . Holk ist aufrichtig und zuverlässig , und wenn drüben in Kopenhagen auch jede dritte Frau die Frau Potiphar in Person wäre , du wärest seiner doch sicher . Und schließlich , Christine , wenn dir trotz alledem immer noch ein Zweifel käme ... « » Was dann ? « » Dann müßtest du den Zweifel nicht aufkommen lassen und dir ' s klug und liebevoll einreden , es sei anders . Ein schöner Glaube beglückt und bessert und stellt wieder her , und ein schlimmer Argwohn verdirbt alles . « » Ach , meine liebe Julie , das sagst du so hin , weil du , soviel du von unserem Haus und Leben kennst , doch nicht recht weißt ( und du sagtest eben selbst so was ) , wie ' s in meinem Herzen eigentlich aussieht . Du weißt alles und doch auch wieder nicht . Ich glaube , wie Ehen sind , das wissen immer nur die Eheleute selbst , und mitunter wissen ' s auch die nicht . Wer draußen steht , der sieht jeden Mißmut und hört jeden Streit ; denn , sonderbar zu sagen , von ihren Fehden und Streitigkeiten verbergen die Eheleute meistens nicht viel vor der Welt , ja , mitunter ist es fast , als sollten es andere hören und als würde das Heftigste gerade für andere gesprochen . Aber das gibt doch ein falsches Bild , denn eine Ehe , wenn nur noch etwas Liebe da ist , hat doch auch immer noch eine andere Seite . Sieh , Julie , wenn ich Holk in irgendeiner Sache sprechen will und such ihn in seinem Zimmer auf und sehe , daß er rechnet oder schreibt , so nehme ich ein Buch und setze mich ihm gegenüber und sage : Laß dich nicht stören , Holk , ich warte . Und dann , während ich lese oder auch nur so tue , seh ich oft über das Buch fort und freue mich über sein gutes , liebes Gesicht und möchte auf ihn zufliegen und ihm sagen : Bester Holk . Sieh , Julie , das kommt auch vor ; aber niemand sieht es und niemand hört es . « » Ach , Christine , daß ich das aus deinem Munde höre , das freut mich mehr , als ich dir sagen kann . Ich habe mich manchmal um euch und euer Glück geängstigt . Aber wenn es so ist ... « » Es ist so , Julie , ganz so , mitunter mir selbst zum Trotz . Aber gerade weil es so ist , deshalb hast du doch unrecht mit deinem Rate , daß man immer das Beste glauben und mitunter sogar die Augen schließen müsse . Das geht nicht so , wenn man wen liebt . Und dann , liebe Julie , hast du doch auch unrecht , oder wenigstens ein halbes , mit dem , was du über Holk sagst . Er ist gut und treu , der beste Mann von der Welt , das ist richtig , aber doch auch schwach und eitel , und Kopenhagen ist nicht der Ort , einen schwachen Charakter fest zu machen . Sieh , Julie , du machst seinen Advokaten und tust es mit aller Überzeugung , aber du sprichst doch auch von Möglichkeiten , und die gerade lasten mir jetzt auf der Seele ... « Die Dobschütz wollte weiter beruhigen , aber Philipp kam und übergab einen Brief , den ein Bote von Arnewiek her eben überbracht hatte . Die Gräfin nahm an , daß er von ihrem Bruder sei , als sie aber die Aufschrift überflog , sah sie , daß er von Schwarzkoppen kam . Und nun las sie : » Gnädigste Frau . Ich habe mich seit vorgestern eingehender mit der zwischen uns verhandelten Frage beschäftigt und bin die Reihe der Erziehungsinstitute durchgegangen , die für Axel in Betracht kommen können . Einige der besten sind zu streng , nicht bloß in der Disziplin , sondern wohl auch kirchlich , und so möchte ich denn annehmen , daß das Bunzlauer Pädagogium den zu stellenden Anforderungen am meisten entspricht . Ich kenne den Vorstand und würde mir die Erlaubnis , in dieser Angelegenheit ein paar einführende Worte an denselben schreiben zu dürfen , zur Ehre schätzen . Außerdem ist Gnadenfrei verhältnismäßig nah , so daß die Geschwister sich öfter sehen , auch die Sommerferienreise gemeinschaftlich machen können