gingen eine kleine Weile schweigend neben einander . Oefter sah Adam Hedwig von der Seite an , fragend , bittend , doch zugleich auch merkwürdig amüsirt - und dadurch ganz tüchtig ironisch gestimmt . » Fräulein Hedwig - haben Sie kein Wort für mich - ? « » Mein Herr - ! « » Hedwig - ! « Das klang bestimmt , dringend , entrüstet , aber auch flehend , ein ehrliches Betrübtsein verrathend . » Ich verstehe Sie nicht - « Adam fuhr auf . Er stampfte mit dem rechten Fuße indignirt auf den Boden und gab sich sehr ungesammelt . Mit nervöser Hast knöpfte er an seinen Handschuhen herum . » Sie wollen mich nicht verstehen , mein Fräulein ! Heiliger Nepomuk ! Giebt es denn heute auf Gottes Erdboden keinen Menschen mehr , dem man zwanglos , dem man unmittelbar begegnen darf - dem man so gegenübertreten kann , wie es Einem gerade ums Herz ist - wie man gerade Stimmung hat ? - Ist denn heute das kleinste Bißchen Unmittelbarkeit verpönt ? Soll man Nichts - gar Nichts improvisiren dürfen ? - Soll man immer wieder erst die chinesische Mauer der dummen , urdummen conventionellen Redensarten zwischen sich und seinen Nächsten schieben - soll man auf Niemanden mehr stracks losgehen ? Fräulein Hedwig - « » Mein Name ist Irmer - « Adam lachte aufgeräumt . » Bon ! Irmer ! Sehr liebenswürdig , mein gnädiges ... Fräulein ... Irmer ... « » Mein Herr ! « » Lassen Sie doch endlich einmal einen anderen Ton zwischen uns aufkommen ! « bat Adam , einen neckisch-vorwurfsvollen Accent in der Stimme . » Aufrichtig , ich ertrage das nicht länger ! Sie kennen mich noch nicht . Sie wissen noch nicht , daß ich ein sonderbares Gemisch von ... von Naivetät und ... und Raffinement bin . Vielleicht coquettire ich auch schon zu sehr mit dem Bewußtsein , daß ich coquettire - vielleicht bin ich in natura ... meerschendeehls - pardon ! - also sehr oft viel ehrlicher und wahrer , als ich mir einbilde . Ich interessire mich nun einmal für Sie . Sehr sogar ! Sehr ! Vielleicht bin ich auch schon ehrlich verliebt in Sie - weiß der Teufel ! - liebe Sie womöglich schon hagebüchen leidenschaftlich - - aber , Hedwig - ein Geständniß - verzeihen Sie ! - aber ich kann nicht anders - ich muß es Ihnen doch zum Besten geben - also : ich bin so grenzenlos egoistisch , daß ich vollständig zufrieden bin , wenn ich durch ein tieferes Interesse , durch eine heftigere Neigung für ein weibliches Wesen , vielleicht sogar durch eine stürmische Leidenschaft , an mir selbst eine Steigerung meines Ichs erfahre - auf Erwiderung meiner Gefühle rechne ich eigentlich gar nicht - ich bedarf ihrer gar nicht - - ich will nur Gelegenheit und Möglichkeit haben , mich auch nach dieser Richtung hin auszuströmen , so wie ich mich auch in jeder anderen Beziehung , als fanatisch auf Unabhängigkeit und Selbständigkeit Versessener , vollkommen zwanglos , ungehemmt , rücksichtslos ausleben will ... Verstehen Sie mich , Fräulein Hedwig - ? « » Ich denke ! Aber was soll das mir - ? Warum sagen Sie das mir - ? Darin verstehe ich Sie allerdings nicht - « » Warum ich Ihnen das sage , Hedwig ? Nun , ich denke : das ist doch einfach genug . Ich gestand Ihnen schon : Sie interessiren mich . Aber Sie sprechen nicht allein zu meinem Blute ... nicht allein - offen heraus : zu meiner ... meiner Sinnlichkeit . Ich bin , wie gesagt , ganz offen , Fräulein Irmer . Ich weiß absolut nicht , warum man das nicht sein dürfte . Wenn zwei Menschen , die sich bis dato fremd waren , zusammentreffen , so sollten sie immer sogleich Wesensfragen stellen . Und um so eher , wenn sie merken , daß sie nicht ganz alltägliche Waare sind . Ich liebe die Ueberraschungen über Alles . Und da ich Sie leider nicht damit überraschen kann , daß ich Ihnen irgend ein außergewöhnliches Geschenk machte , Ihnen z.B. einen ausgestopften Hummer verehrte , oder etwas Aehnliches , so lassen Sie mich Sie doch damit überraschen , daß ich Ihnen allerlei curiose Geständnisse mache , welche das Fundament meiner Persönlichkeit angehen ... daß ich Ihnen allerlei Intimes aus meinem Seelenleben erzähle ... Ich muß allerdings bemerken , daß ich jenem Motive der Wesensfragen gegenüber zumeist leider auch nur Theoretiker bin - in Wirklichkeit bin ich schon viel zu gleichgültig und zu verschlossen und zu selbstgenügsam , um sotane Wesensfragen noch zu stellen ... Manchmal fahre ich wohl den Ersten Besten unverhofft damit an und verblüffe ihn . Mein Gott ! Warum soll man zuweilen seinem Nächsten nicht ein Fläschchen Salmiakgeist unter die Nase halten ? Aber Ihnen gegenüber , Fräulein Hedwig , hatte und habe ich jetzt noch das Gefühl , daß ich Ihnen mit Fug und Recht sogleich in der ersten Zeit unserer - Sie gestatten mir den Ausdruck ! - also unserer Bekanntschaft Dies und Das erzählen darf , was Wesenhaftes meiner Natur ausmacht . Ich sagte Ihnen schon : ich bin ein monströser Egoist . Aber ich glaube beinahe , daß ich doch so intensiv für Sie aufflammen könnte - vielleicht schon aufgeflammt bin - daß ich mich selber vergäße und mir in Folge dessen mit Grazie und Würde einbildete , daß ich mich ganz von Ihnen hätte auffress - pardon ! das fährt Einem immer so ' raus ! - Na ja ! Und so weiter - Sie wissen schon .... Dabei - hm ! also dabei würde es mir , vermuthe ich wenigstens , schließe ich wenigstens aus erlebten , praktisch erfahr ' nen Analogie ' n , immer noch sehr gleichgültig sein , ob Sie mein Feuer , meine Leidenschaft erwiderten , oder nicht . Ich glaube in Ihnen einen in manchen Punkten wesensverwandten Menschen gefunden zu haben . Lassen Sie