gesagt , daß ich hierbleiben kann « , rief Pavel , und die Kleine erwiderte bestürzt : » Was fällt dir ein ? Ich darf so etwas nicht sagen . « Nun begann es dicht vor der Tür zu schellen , sie wurde geöffnet , die Pförtnerin ließ sich blicken , sprach nicht , setzte aber die Glocke , die sie in der Hand hielt , immer heftiger in Bewegung . Zugleich erschien eiligen Schrittes Schwester Philippine und rief Pavel zu : » Die Sprechstunde ist aus , höchste Zeit , empfiehl dich , vorwärts , vorwärts ! « Er gab keine Antwort und gehorchte auch nicht . Die Klosterdienerin wiederholte ihre Mahnung ; Pavel aber , den Kopf gesenkt , mit den Fingern einer Hand die der andern pressend und zerrend , blieb auf seinem Sessel sitzen . Die Pförtnerin rief eine zweite Laienschwester herbei , gab auch ihr Befehl , den zudringlichen Burschen fortzuschaffen , und winkte Milada , das Zimmer zu verlassen . Die Kleine zögerte . Da kam die Nonne auf sie zu und ergriff sie beim Arme : » Sie gehen hinauf in die Klasse « , sprach sie , mit äußerstem Bemühen , das Beben ihrer Stimme zu verbergen und den schüchternen Widerstand des Kindes mit Sanftmut zu besiegen . Doch funkelte Unwillen aus ihren dunklen Augen , und die leisen Worte , die sie dem Klosterzögling zuflüsterte , schienen , nach dem Eindruck , den sie hervorbrachten , zu schließen , nicht eben gütige zu sein . Die Kleine lauschte ihnen mit gespannter , angstvoller Aufmerksamkeit , rief plötzlich : » Leb wohl , Pavel ! leb wohl ! « und eilte hinweg . Da sprang er auf , stieß die Laienschwestern , die ihn festhalten wollten , zur Seite und stürmte Milada in die Halle nach . » Bleib ! « schrie er- » hast du vergessen , was wir tun wollen , was geschehen muß ? Bleib da und sag ' s den Klosterfrauen ! « Er wurde immer ungebärdiger und bedrohte die Dienerinnen , die sich anschickten , ihn mit Gewalt fortzuschaffen . Die friedliche Klosterhalle stand in Gefahr , der Schauplatz eines kleinen Handgemenges zu werden , als die aus dem Garten hereinführende Tür geöffnet wurde und einem langen Zuge von Nonnen Einlaß gewährte , an dessen Spitze die Oberin zwischen den zwei nächsten Würdenträgerinnen schritt . Ein mildes Lächeln auf dem schönen Gesichte , die großen klaren Augen mit dem Ausdruck leisen Staunens auf die erregte Pförtnerin gerichtet , kam sie bis zum Eingange des Sprechzimmers und blieb vor demselben stehen . Die Pförtnerin war plötzlich wie versteinert , die Laienschwestern knixten bis zur Hälfte ihrer natürlichen Größe zusammen , Milada neigte sich in tiefer Verbeugung , lehnte das Köpfchen auf die Schulter , errötete und erbleichte . » Was gibt es denn ? was geschieht hier ? « fragte die Oberin , und so wohl dem Auge der Anblick ihrer edlen Züge , so wohl tat dem Ohr der reine Metallklang ihrer Stimme : » Warum ist unsere kleine Maria noch nicht in die Klasse zurückgekehrt ? « Die Pförtnerin gab eine etwas verworrene Erklärung dessen , was sich eben zugetragen ; sie schonte dabei Pavels nicht , und die hohe Vorgesetzte hörte ihr zu , mit nicht mehr Ungeduld , als ein Engel hätte verraten dürfen , und ließ mit der Teilnahme eines solchen ihren Blick auf dem verklagten Übeltäter ruhen . » Mit den Klosterfrauen willst du sprechen ? « sagte sie zu ihm ; » so sprich , mein Kind , da sind die Klosterfrauen . « Pavel erbebte vor Entzücken und Hoffnungsfreudigkeit bei diesen gütigen Worten ; aber zu tun , wie sie ihn geheißen , vermochte er nicht . Zagend blinzelte er zu der Ehrwürdigen empor , die vor ihm stand , so licht und hehr in ihren dunklen Gewändern . Ihm war , als hätte er in das Antlitz der Heiligen Jungfrau geschaut ... und als sein Blick im Niedergleiten ihre Hände streifte , da meinte er zwischen den schlanken , über dem Gürtel gefalteten Fingern den Schlüssel zum Himmel blinken zu sehen ... Wie gepackt und niedergeworfen von einer gewaltigen Faust lag er mit einemmal auf seinen Knien , und seine Lippen murmelten leise und inbrünstig : » Erlösen ! Erlösen ! « Im nächsten Augenblick kniete seine Schwester neben ihm und begann auch zu rufen , nur lauter , nur kühner als er : » Erlösen ! ... Erlösen ! ... Ehrwürdige Mutter , erlösen Sie ihn ! « Die Angeflehte machte eine Bewegung der Abwehr . Sie reichte Milada beide Hände , zog sie in die Höhe und sprach : » Ich weiß nicht , was ihr wollt , und so bittet man nicht . Auch du , Bursche , steh auf und sage vernünftig , was du zu sagen hast . « Pavel erhob sich sogleich ; seine Wangen glühten braunrot , Schweißtropfen perlten an den Wurzeln seiner Haare ; er wollte sprechen , brachte aber nur ein heiseres und undeutliches Gemurmel hervor . » Sprich du für ihn , was will er ? « wandte die Oberin sich an Milada . » Er möchte so gern hierbleiben « , erwiderte das Kind bewegt und kleinlaut ; » er möchte ein Knecht sein bei den Kühen oder bei den Pferden . « Die Ehrwürdige lächelte , und ihr Gefolge , die großen und die kleinen Nonnen , die breiten und die schmalen , die freundlichen und die strengen lächelten gleichfalls . » Wie kommt er auf den Gedanken ? hat ihn jemand hergewiesen ? ... Fräulein Ökonomin , ist eine Stelle frei in der Wirtschaft ? « » Keine « , antwortete die Angeredete . Pavel bildete sich ein , zwischen den beiden Frauen sei es hin- und hergeflogen wie ein Blick stillen Einverständnisses , als die Oberin von neuem gefragt : » Vielleicht denke aber der Meier daran , einen der Knechte zu entlassen ? Der