Gang in das Volk hinaus tun wolle , an die freie Luft , und sehen , wie es sich atme . Allein wolle er den Gang tun , nur von seinen Gedanken begleitet . Im letzten Augenblicke jedoch besann er sich anders und erlaubte dem Knaben , mitzugehen . Arnold ließ sich das nicht zweimal sagen und schritt ansehnlich an des Vaters Seite aus dem Hause . Die Jahreszeit mit den Erstlingen der Kelter belebte die Straßen . Salander machte mit dem Knaben einen weiten Weg in der Runde um die Stadt ; überall hörte man Tanzmusik , welcher junges Volk beiderlei Geschlechts zustrebte . Man sah auch etwa einen Zug Schützen , die mit ihren Gewehren einer letzten Sonntagsübung nachgingen , oder eine Schar Turner mit Stäben auf der Schulter , den Tambour voran . Dazwischen mannigfaches Volk durcheinanderwimmelnd , fröhlich oder gleichgültig , einzelne mürrisch und über irgend etwas fluchend ; den Hauch und Glanz aber der neuen Zeit , das Wehen des Geistes , den etwas feierlicheren Ernst , den er suchte , konnte er nicht wahrnehmen . Man hörte singen auf den Gassen und in den Schenkhäusern ; es waren die alten Lieder , von denen die Leute , ganz wie ehmals , nur die erste Strophe kannten und etwa die letzte ; wenn einer noch eine mittlere aufbrachte , so lallten die anderen das Lied ohne Worte mit . Auf einer staubigen Straße balgte sich ein Haufe angetrunkener Jünglinge , als ob es keine edlere Verständigung für junge Bürger gäbe , welche über die Gesetze nachzudenken gewohnt sind , über die sie mitzustimmen haben . Alle hundert Schritte bettelte ein Mann mit einer Ziehharmonika oder einem leeren Rockärmel , während der Arm auf dem Rücken lag . Kurz , es war alles , wie es vor altem an einem Herbstsonntag gewesen , und zu gewärtigen , daß später am Tage einige der freiesten Männer nicht mehr auf ihren Füßen würden stehen können . Salander schüttelte leise den Kopf , indem er sich aufmerksam umsah . Nun , sagte er bei sich selber , alle großen Veränderungen müssen einen Übergang haben und sich einleben ! Aber ich hätte geglaubt , schon die Tatsache eines solchen Ereignisses würde Land und Himmel eine andere Physiognomie machen ! Am Ende ist es aber und wird wohl sein die angeborene Bescheidenheit des Volkes , seine schlichte Gewöhnung , welche es nicht leicht die anspruchsvollere Toga umwerfen läßt ! Sie gelangten jetzt vor ein größeres Vergnügungslokal , welches von volkstümlichen Elementen angefüllt schien ; ein kräftiges gleichmäßiges Gemurmel war darin verbreitet , wie es so tönt , wenn der Löwe Volk bei ruhiger Laune ist . Da Salanders Knabe die Frage , ob er nicht Durst habe , unverweilt bejahte , so ging der Vater mit ihm hinein , wo ein großer Saal ganz mit jungen und älteren Männern angefüllt war , worunter wenige Weiber saßen . Mit einiger Mühe fanden Vater und Sohn noch einen unbenutzten kleinen Tisch . Kaum hatten sie sich aber gesetzt und etwas Bier erhalten , so kamen noch zwei Leute , die ohne weiteres den übrigen Platz ei nnahmen und sich ebenfalls Bier geben ließen . Der eine war offenbar ein Süddeutscher , der andere ein Schweizer , und zwar aus dem Münsterburggebiet . Er trug Schnurr- und Kinnbart nach französischem Zuschnitt und den Hut ins Genick zurückgeschoben , um verwogener auszusehen . Sie führten ein lautes Gespräch , ohne sich um jemand zu kümmern , unverzüglich weiter . » Wie gesagt , « meinte der Schweizer mit fast brutalem Tone , » du kennst mich ! Ich bin ein Kerl , der sich nicht foppen läßt ! « » Wer will dich denn foppen ? Ich gewißlich nicht ! « warf der andere bescheiden ein . » Ich sage nicht wer , ich sage es ganz allgemein ! Da sieh den Brief , den mir mein früherer Meister in St. Gallen geschrieben ! Jede Stunde kann ich wieder hin , wenn ich will ! « Er kramte einen Brief hervor und gab ihn dem Kameraden , der ihn las und bekannte , das sei ein schöner Brief , nicht jeder könne dergleichen Zeugnisse aufweisen , ein schmeichelhafter Brief , der Tausend , jawohl ! » Es braucht sich nichts Schmeichelhaftes zu sagen ! Ich brauche keine Speichellecker , ich bin ein freier Mann , unabhängig , stolz , wenn du willst , aber ich verachte die Schmeichelei ! « » Ei , ich schmeichle ja nicht , wo werd ich denn schmeicheln ! Es ist ja die lautere Wahrheit ! « » Das ist ' s ! Aber ich geh nicht hin , ich will mich noch lang nicht binden , und ich weiß , daß er mir nur die Tochter anhängen will . Ich könnte freilich zugreifen , auch meine hiesige Kostfrau hat eine Tochter , die mir überall in den Weg steht ! Aber ich will mich nicht binden ! Ich will noch gar nicht Meister sein , obgleich ich meine Achtundzwanzig auf dem Buckel habe ! Da müßt ich ein Narr sein und mich plagen ! Lieber kujoniere ich die Meister ! « » Ja , ja , du bist halt ein strammer Kerl ! « » Wahrscheinlich ! glaub ' s nur ! « » Ich für mein Teil habe leider Frau und Kind und bin leider auch Meister , das ist nun so , ich bin angebunden und ein armer Teufel ! « » Warum hast du so früh geheiratet ? « » Das hab ich getan , weil ich nicht mehr heim wollte ; da hab ich gedacht , du heiratst hier bei erster Gelegenheit , dann bist du festgemacht ! « » Ha , ich begreif schon , daß du lieber in der Schweiz bist ! Aber alle könnt ihr doch nicht hier hocken , so schön es bei uns ist ! « » Ja , ihr seid eben ganze Leut ! Sapperment , ich hab '