. » Je , du bist da ? Grüß dich Gott ! « » Grüß dich auch Gott « , antwortete kurz die Angesprochene . Helene faßte die Dirne an der Rechten , um Hand in Hand mit ihr dahinzuschlendern , aber da Sepherl mit unwilliger Gebärde sich losriß , fragte sie : » Na , was is ' s denn ? Was hast denn ? « » Du warst nit allein ! « » Wer sollt denn bei mir gwest sein ? « » Für blind müßts mich nit nehmen und Verstecken is vor klein Kindern gut . Ich hab ' n ganz gut gsehn , ' n Bauerssohn vom Sternsteinhof . « » Und wann er ' s war ? Kann ich ihm ' n Ort verwehren ? « » Davon is kein Red , aber heut is nit ' s erste Mal , daß d ' hertriffst . Er sucht dich da , und du laßt dich finden . Solltst dich wohl schämen ! « » Ich wüßt nit warum . Denkst du von mir Schlechts ? « » Ich will just nix Schlechts von dir denken , aber Rechts kann ich doch auch nit , wo du zu noch ein haltst nebn ' m Muckerl . « » Du sollst dich hüten , z ' sagn , daß ich ' s mit ein andern halt . Wo hast denn ' n Beweis ? Übrigens , schätz ich , bist du weder zu mein Richter noch zu sein Wachter bstellt ! « » Trutzig tun steht dem gar wohl an , den man af üblen Wegn betrifft . « » Auf üblen Wegn ? ! « schrie Helene . » Ja , af üblen Wegn « , ereiferte sich Sepherl , » ich sag , af üblen Wegn , weil s ' seitab von Ehrlichkeit und Ehrbarkeit führn . Von zwein muß doch allweil einer der Betrogene sein , nit ? Und wer ' s da wär , is für mich gar kein Frag ! Was willst denn mit dem reichen Bauerssohn ? Vielleicht dein Gspaß habn , weil ' s doch zu kein Ernst führen kann ? ' s selbe steht schon einm Weibsleut übel gnug an und is nit ehrlich gegn den , der ' s ernst meint ; denn ehrlicherweis kann man nur einm anghörn fürs Leben , oder verlangst du s ' leicht paarweis für Zeit und Weil ? ! « » Purr ! Hast du ein Maul ! Kann mich aber von dir nit beleidigen . Ich weiß ja , gegn eine , die bei mehr Mannleuten Anwert findt , da redt der Neid aus euch , bei denen sich der eine einzige fürs Leben ewig nit einstelln will ! Überhaupt versteh ich nit , wie du da so aufbegehrn magst ! Dir kann ja recht sein , wenn ich mich mitm Muckerl entzwei , vielleicht wirst du dann eins mit ihm . « » Laß dir sagen « , schrie zornrot Sepherl , » laß dir sagen , du bist ' n gar nit wert , du grauslichs Ding du ! Und daß d ' es weißt , mit dir geh ich auch gar nimmer . « Sie lief etliche Schritte voraus . » Geh zun Teuxel , wann d ' willst ! Wer bist denn du , daß ich mir a Gnad aus deiner Freundschaft machen müßt ? ! « Schweigend rannten die beiden auf der Straße dahin , eine voran , die andere hinterher . Helene biß sich auf die Lippen . Nach einer Weile rief sie : » Du , Sepherl ! « » Was gibt ' s ? « fragte die Angerufene , ohne stehenzubleiben oder den Kopf zu wenden . » Du wirst doch von dem Heutigen nix weiter verlauten lassen ? Gelt nein ? « » Wenn ich nit darnach gfragt werd , nit ! « lautete die trockene Antwort . Sepherl wurde aber gar bald darnach gefragt , die Entfremdung zwischen ihr und Helenen fiel zuerst der alten Matzner Resl auf , und diese machte das in Erfahrung Gebrachte der Kleebinderin zu wissen , welche den Muckerl davon in Kenntnis setzte und am Schlusse einer sehr eindringlichen Rede fragte , ob er nach allem , was er sich schon habe gefallen lassen , sich auch das noch gefallen lassen wolle . Muckerl erklärte mit aller Entschiedenheit , die ihm zu Gebote stand , daß er das nicht gesonnen sei und die Dirne rechtschaffen zur Rede stellen werde . Er machte sich auch denselben Abend noch auf den Weg nach dem toten Walde ; doch als er des Gehölzes ansichtig wurde , stand er von dem Gedanken ab , es zu betreten . Scheute er ein Zusammentreffen mit dem Burschen , oder fürchtete er , bei einer Überraschung vielleicht mehr zu sehen , als ihm lieb sein möchte ? Darüber gab er sich keine Rechenschaft , meinte nur , daß er es eigentlich ja doch nur mit der Dirne allein zu tun habe , und setzte sich unweit des Tanns auf einen Geröllhaufen , um die Heimkehrende zu erwarten ; als er sie endlich herankommen sah , erhob er sich und ging ihr entgegen . Als er vor ihr stehenblieb , tat sie noch einen Schritt auf ihn zu und stand so hart an ihm , daß er hätte aufblicken müssen , um ihr in die Augen zu sehen , aber er hob den Kopf nicht und sagte leise : » Ich hätt mit dir z ' reden . « » So red ! « » Ich weiß , wo du herkommst . « » Das is kein Kunst , es weiß jeder , woher der Weg führt . « » Ich mein , von wem du herkommst , mit wem du warst , weiß ich . « » Nun ? « » Mitm Sternsteinhofer-Bubn treibst d ' dich da herum . « » Was weiter ? « » Das brauch ich mir nit gfallen