, was in dem Manne vorging , was er litt und schweigend leiden mußte . Ihm war nicht einmal der karge Trost vergönnt , seine Befürchtungen oder Erwartungen mit einem gleichfühlenden Wesen zu besprechen . Den Doktor hatte das neuerliche Unglück unsrer Waffen außer Rand und Band gebracht . Im Anfang tobte er , dann erklärte er sich für schwer krank , legte sich zu Bett und stand nur einmal im Tage auf , um den Arm des Grafen nachzusehen . Was die Gräfin betrifft , so entfaltete sie in ihren Bemühungen , jede ernste Erörterung zu vermeiden , eine unnachahmliche Meisterschaft . Ja , mein Gott , c ' est la guerre ! ' war ihre stehende Antwort auf jede Besorgnis , jede Klage , die in ihrer Gegenwart laut wurde . Und sogleich brachte sie eine angenehme Nichtigkeit , eine erfreuliche Lappalie aufs Tapet . Sie kam mir vor wie eine höchst alberne Fee , die , in der Absicht , alles Elend auf Erden zu verdecken , mit einem Vorrat rosenfarbiger Schleier einhergeschwebt käme . Diese Frau - ich fing an , sie zu hassen . Ihre beiden Söhne standen vor dem Feind , jeder Tag konnte ihr die Nachricht bringen : Du hast keine Kinder , uns allen aber die : Ihr habt kein Vaterland mehr ! - und sie glitt dahin voll Anmut , in spiegelheller Heiterkeit und erzählte charmante Anekdoten von charmanten Dingen und charmanten Leuten . Eine Woche ungefähr befand sie sich auf dem Schlosse , da kamen eines Abends durch die Post Nachrichten für den Grafen und für die Gräfin . Trostlos lauteten die Mitteilungen an den Grafen . Die Franzosen waren in Wien . - Gescheitert waren alle Hoffnungen des Erzherzogs , vor dem Feinde die Kaiserstadt zu erreichen , gescheitert alle auf ihren Entsatz gerichteten Entwürfe . Wien hatte kapituliert , die Franzosen waren in Wien ! ... Zum zweitenmal im Verlauf von vier Jahren schrieb Napoleon der Welt Gesetze vor aus dem Hauptquartier Schönbrunn . Dies also das letzte Ergebnis ! ... Und der Preis , um den es errungen worden ? Der Tod von Tausenden , von denen jeder einzelne ein Held gewesen war , Regimenter aufgerieben , Bataillone gefangen ... Knirschend warf der Graf die unheilverkündenden Blätter auf den Tisch : Welchen Trost wissen Sie dafür ? rief er seiner Schwiegermutter zu . Sie atmete etwas rascher als gewöhnlich und fuhr leicht mit den Fingern über ihre Stirn , auf der sich ein paar Fältchen gebildet hatten . Nur nicht verzweifeln , nur nicht den Kopf verlieren . Ich habe einen Brief , der einen weniger düstern Ton anschlägt . Höre den an , es wird dir wohltun . Lesen Sie , Liebe . Das Schreiben , das mir die Gräfin mit diesen Worten reichte , war von ihrem älteren Sohne verfaßt und von dem jüngeren mitunterzeichnet . Kraus die Züge , kühne Wendungen , ein komischer Stil , im ganzen - der frischeste Soldatenbrief , den je ein wackerer Bursch in seines Herzens ungelöschtem Durst nach Siegesglück geschrieben . Oben am Rande stand : 19. Mai , irgendwo am Ufer vom Rußbach , und die ersten Worte des Textes lauteten : Mama , es geht uns gut ! Graf Albert gab zu , daß es ein Elend gewesen sei bei Thann und Landshut , bei Abensberg und Regensburg und ein verfluchtes Reiten heimwärts über Böhmen , erst zu schnell und dann viel zu langsam . Indessen - das ist vorüber und wird wiedergutgemacht werden , so denkt die Armee ... Wenn die Mama sich nur einen Begriff davon machen könnte , wie ihren Söhnen jetzt zumute ist ! Sie brächte ebensowenig wie die beiden heute Nacht ein Auge zu . Morgen in aller Früh geht ' s in die Lobau ! - der Satz löste sich förmlich aus dem Briefe wie ein Jubelschrei - , die Franzosen machen sich breit auf der Insel , scheinen sogar über den großen Donauarm eine Brücke zu schlagen . Man muß schauen , was sie denn wollen , und ein Teil der Avantgarde unter Klenau und ein paar von unsern Regimentern brechen morgen dahin auf . Da wollen wir uns andre Sporen verdienen als die , die wir in dem verwünschten Bayern unsern Pferden in die Flanken setzten . Hoch lebe Österreich ! Die Gräfin nickte beistimmend , bemühte sich zu lächeln , und ihr Gesicht erhielt etwas Verzerrtes , Maskenhaftes , ein grünlicher Schatten bildete sich um ihren Mund . Nein ! Sie war nicht angetan , Schmerz und Sorge zu ertragen , und wenn sie immer und um jeden Preis nach Gelassenheit rang , so geschah ' s aus Notwehr , und sie rang dabei um ihr Leben . Sie griff nach dem Briefe in meiner Hand . Frau Gräfin ! rief ich , da ist noch eine Nachschrift ... Sie erzitterte : Nun - lesen Sie ... Ich las : Was sagst Du zur Rettung Stephans ? Sind das brave Kerle , seine drei Husaren , die ihn zurückgetragen haben ! Diese gute Nachricht am Schluß , so unbestimmt sie war , verlieh der Gräfin wunderbare Erquickung . Eine gute Nachricht , ein günstiges Omen ! Jetzt befand sie sich wieder in ihrem Element , und der Name Stephans , den sie , seitdem das Gerücht von seinem Tode zu uns gedrungen , nicht mehr ausgesprochen hatte , kam an dem Abend immer von neuem über ihre Lippen . Am nächsten Tage , es war der 24. Mai , hatte Ankas Unterrichtsstunde eben begonnen , da hörten wir plötzlich Pferdegetrappel im Hofe und sahen einen Reiter hereintraben , vor dem Schlosse absteigen , die Zügel eines müdegejagten , schweißtriefenden Postgaules dem ersten Diener , der herbeilief , zuwerfen und mühsam , mit ganz steifen Beinen , ins Tor treten . Anka hatte in dem Angekommenen sogleich den Reitknecht ihres Onkels Albert erkannt . Der brachte große Neuigkeiten . Sie ließen nicht lange auf sich warten ... So