Flur herein und schien , ihrem ganzen Hantieren nach , gewillt , einen Schmaus für sich selber vorzubereiten . Sie wählte behaglich in ihrer Kiepe , bis sie die Gegenstände , die sie suchte , gefunden hatte . Was zuerst aus der Tiefe heraufstieg , war eine blaue Spitztüte , dann kamen zwei Eier , die sie prüfend gegen das Licht hielt , zuletzt ein altes bedrucktes Sacktuch , in das aber etwas Wichtigeres eingeschlagen war . Wenigstens hielt sie das Paket mit beiden Händen ans Ohr und schüttelte . Der Ton , den es gab , beruhigte sie . Sie legte nun alles auf den Tisch , eines neben das andere , und holte vom Schapp her einen alten Fayencetopf mit abgebrochenem Henkel , dazu einen Quirl und einen Blechlöffel . Jetzt war alles beisammen . Sie tat aus der blauen Tüte einen Löffel Zucker in den Topf , schlug die beiden Eier hinein , wickelte aus dem Sacktuch eine Rumflasche heraus , liebäugelte mit ihr , goß ein und quirlte . Nur etwas fehlte noch : das siedende Wasser . Aber auch dafür war gesorgt . Sie trat in den Flur , kroch abermals in das Ofenloch und kam mit einem rußigen Teekessel zurück , dessen Inhalt zischend und sprudelnd in dem großen Fayencetopf verschwand . Hiermit waren die Vorbereitungen als geschlossen anzusehen . Das eigentliche Fest konnte beginnen . Sie machte den Tisch wieder klar , baute sich einen großen , braunen Napfkuchen auf und sah , während sie den Kopf in beide Arme stützte , mit sinnlicher Zufriedenheit auf das hergerichtete Mahl . Auch jetzt noch war sie beflissen , nichts zu übereilen . War es nun , daß sie in der Hinausschiebung des Genusses eine Steigerung sah , oder hatte sie so ihre eigenen Hoppenmariekeschen Vorstellungen davon , wie nun einmal ein erster Weihnachtstag gefeiert werden müsse , gleichviel , sie begnügte sich vorläufig damit , den aufsteigenden Dampf von der Seite her einzusaugen , und zog dabei den Tischkasten weit auf , in dem , durch eine Scheidewand getrennt , links das Gesangbuch , rechts die Karten lagen . Sie nahm das Gesangbuch , schlug das Christlied auf : » Vom Himmel hoch , da komm ich her « , las in rezitativischer Weise , die sie selber für Gesang halten mochte , die drei ersten , dann die letzte Strophe , klappte wieder zu und tat einen ersten tüchtigen Zug . Gleich darauf ging sie zu einem allerenergischsten Angriff auf den Napfkuchen über , der nun innerhalb zehn Minuten von der Tischfläche verschwunden war . Sie strich die Krümel in ihre linke Handfläche zusammen und schüttete alles sorgfältig in den Mund . Jetzt , wo der Fayencetopf keinen Nebenbuhler mehr hatte , war sie erst in der Lage , ihm zu zeigen , was er ihr war . Sie legte streichelnd und patschelnd ihre Hände um ihn herum , untersuchte mit den Knöcheln alle Stellen , die einen kleinen Sprung hatten , bog sich über ihn und nippte , schlürfte und tat dann wieder volle Züge . Nachdem sie so den ganzen Kursus des Behagens durchschmarutzt hatte , zog sie den Schuhkasten zum zweiten Male auf , nahm jetzt aber , statt des Gesangbuches , das Kartenspiel heraus . Es waren deutsche Karten : Schippen , Herzen , Eichel ; sie lagen in Form einer Mulde fest aufeinander , was jedoch für Hoppenmariekens Hände keine Schwierigkeiten bot . Als sie wohl eine halbe Stunde lang aufgelegt , gemischt und wieder aufgelegt hatte , ohne daß die Karten kommen wollten , wie sie sollten , stieg ihr das Blut zu Kopf . Der Schippenbube wich ihr nicht von der Seite . Das mißfiel ihr ; sie wußte ganz genau , wer der Schippenbube war . Was ? Da lag er wieder neben ihr . Sie stand unruhig auf , nahm die Lampe , leuchtete hinter den Ofen , sah zwei- , dreimal in den Alkoven hinein und setzte sich dann wieder . Aber die Beklemmung wollte nicht weichen . Sie schnürte deshalb das großgeblumte Kattunmieder auf , das sie trug , nestelte , zerrte , zupfte und fühlte nach einem Täschchen , das sie an einem Lederstreifen auf der Brust trug . Es war da . Sie nahm es ab , zählte seinen Inhalt und fand alles , wie es sein mußte . Dies gab ihr ihre Ruhe wieder . Sie wollte es noch einmal versuchen und begann abermals die Karten zu legen . Diesmal traf es ; der Schippenbube lag weitab . Ein häßliches Lachen zog über ihr Gesicht ; dann tat sie den letzten Zug , schob einen großen Holzriegel vor die Türe und löschte das Licht . Als eine Stunde später der Mond ins Fenster schien , schien er auch auf das verwitterte Antlitz der Zwergin , das jetzt , wo sich das schwarze Kopftuch verschoben und die weißen Haarsträhnen bloßgelegt hatte , noch häßlicher war als zuvor . Der Mond zog vorüber ; das Bild gefiel ihm nicht . Hoppenmarieken selbst aber träumte , daß Schippenbube sie am Halse gepackt habe und an dem Lederriemen zerre , um ihr die Tasche abzureißen . Sie rang mit ihm ; der Angstschweiß trat ihr auf die Stirn ; dabei aber rief sie : » Wart , ich sag ' s : Diebe ! Diebe ! « Durch das öde Haus hin klangen diese Rufe . Die Vögel stiegen langsam von ihren Sprossen und starrten durch ihre Gitter auf das Bett , von wo die Rufe kamen . Neuntes Kapitel Schulze Kniehase Dem Kruge gegenüber lag der Schulzenhof . Er bestand aus einem Ziegeldachhaus , an das sich nach rückwärts zwei lange , schmale Stallgebäude anlehnten , die durch eine Scheune miteinander verbunden waren . Ein hinter dieser Scheune gelegenes , mit Obstbäumen und Himbeersträuchern besetztes Ackerstück streckte wieder zwei schmale Blumenstreifen bis dicht an die Dorfstraße vor , so daß in Sommerszeit , wenn man vom Kirchhügel aus auf das Schulzengehöft herniedersah