sich anklagend gegen den Sohn erheben , der seines Vaters Geld gestohlen hatte ? Ein scheuer Blick streifte die Umgebung , selbst nach Fußspuren suchte Roberts böses Gewissen , und geängstigt ging er im Dunkeln zu Bett , aber ohne die Augen schließen zu können . Vielleicht , wenn er einschlief , kam ja der Vater , suchte zufällig in dem eisernen Kasten irgendein Papier und entdeckte alles . Er durfte nicht ruhen , seine eigene Sicherheit gebot ihm zu wachen . Die Eltern kamen ziemlich spät nach Hause , und Robert fühlte hinter den gesenkten Wimpern einen schwachen Lichtschein , der sein Auge traf . Meister Kroll schützte das Licht mit der Rechten , als er sich über den regungslosen Jungen herabbeugte . Robert hörte einen unterdrückten schmerzlichen Seufzer . » Mutter « , sagte der Alte , » es ist doch eigentümlich . Nun habe ich seit acht Tagen kein Wort mehr mit dem Jungen gesprochen , aber das rührt ihn nicht . Robert ist verstockt , er fühlt für seine Eltern keine Liebe . « Der Lichtschein erlosch , und der Junge biß in das Kissen , um nicht laut zu weinen . Oh , wäre er erst weit fort von hier , damit diese schrecklichen Qualen aufhörten . Er hatte sich die Sache so leicht gedacht , so herrlich und beglückend , jetzt dagegen fühlte er es wie eine Zentnerlast auf dem Gewissen . Was die Mutter antwortete , das hörte er nicht . Halb von wirren Träumen geschreckt , halb unruhig wachend , verbrachte er die Nacht . Jetzt endlich war ja der letzte Morgen angebrochen , und es dauerte nur noch Stunden , bis die Erlösung schlug . Er zog seinen besten Anzug an , steckte Kleinigkeiten , die ihm besonders lieb waren , in die Tasche und nahm ein Buch , scheinbar um zu lesen , in Wirklichkeit aber , um gedankenlos über die Blätter hinweg ins Leere zu sehen . Wenn ihn doch der Vater nur einmal angeredet , nur eine , wenn auch noch so geringfügige Bemerkung gemacht hätte , dann war es eine Art von Abschied , eine halbe Versöhnung , aber es geschah nichts . Stunde um Stunde verstrich ; es schlug eins , zwei , man trank Kaffee , und der Alte las die Zeitung wie gewöhnlich , die Mutter saß im Sonntagsstaat strickend am Fenster , und die Uhr hinter dem Ofen tickte eintönig . Drei - vier - fünf - jetzt mußte der Entschluß gefaßt werden . » Darf ich ein bißchen fortgehen ? « fragte halblaut der Junge . Meister Kroll blickte auf . » Du fragst , als hättest du während der Woche deine Pflicht getan und dich wie ein gutes Kind betragen « , antwortete er langsam und nachdrücklich . » Glaubst du wirklich , ein Vergnügen verdient zu haben ? « Robert schwieg . Er fühlte den alten Trotz mit neuer Gewalt erwachen . Warum mußte der Vater jeden Augenblick benutzen , um Moral zu predigen , warum konnte es in seiner Gegenwart keine Freude , keine Freiheit geben ? Es drückte wie ein Alp , das ernste , grübelnde Wesen des Alten , der von den Wünschen und den Neigungen eines Jungen nichts mehr zu wissen schien , ja , der das alles vielleicht nie im Leben gekannt hatte . Ein Pause verging , dann erhob sich Meister Kroll vom Stuhl . » Deine Tante Christine erkundigte sich gestern , warum wir dich nicht mitgebracht hätten « , sagte er , » doch als ich ihr die Gründe auseinandersetzte , stimmte sie mir vollkommen bei . Sie schickt dir aber , damit du an ihrem Geburtstag nicht vergessen seist , diesen Taler , den ich in deine Sparbüchse stecken werde . Natürlich gehst du hin und bedankst dich . « Er suchte in der Tasche den Schlüssel zum Schrank und schloß auf . Jetzt zeigte sich der eiserne Kasten . Robert stand wie gelähmt . Es brauste in seinen Ohren , seine Hände sanken schlaff herab , und alles Blut war aus seinen Wangen gewichen . Jetzt stand die Entdeckung unmittelbar bevor , jetzt sah der Vater die leere Sparbüchse und vielleicht sogar auch den Raub , der an seinem Geld begangen worden war - - Noch eine Minute , dann hatte er den Kasten geöffnet - - Roberts Knie zitterten . Er war halb bewußtlos . Da wandte sich der Alte um . » Es ist einerlei « , sagte er , den Schrank wieder schließend , » ich habe meinen Schlüssel in dem andern Rock stecken lassen . Der Taler gehört dir , du weißt es jetzt . Und nun geh meinetwegen , aber um zehn Uhr bist du zu Hause , das laß dir gesagt sein . « Er vertiefte sich wieder in die Zeitung und bemerkte daher nicht , daß Robert wie ein Betrunkener aus dem Zimmer wankte . Alles drehte sich vor seinen Augen , wohin er blickte , sah er den offenen Geldkasten , wie gepeitscht entfloh er dem elterlichen Hause . Die Gefahr war ihm so nahe gewesen , so furchtbar nahe , daß er sich fast betäubt fühlte . Also das sollte der Abschied sein ? - Aber daran durfte er jetzt nicht denken . Nur fort , fort . Der Boden brannte ihm unter den Füßen . Er ging dem Seiler entgegen und traf ihn gerade , als er mit einem ziemlich großen Bündel unter dem Arm aus dem Haus trat . In der Hand hielt er einen derben Knotenstock . » Aha « , sagte Georg gutgelaunt , » da bist du ja . Weshalb läufst du denn bis hierher an das Ende von Krähwinkel ? Wir müssen ja auf diese Weise an eurem Hause wieder vorüber . « Robert trieb zur Eile . » Das macht nichts « , antwortete er . » Aber weshalb siehst du so reisefertig aus ? Was soll das schwere Bündel ? « » Darum