, daß ich die Schule des Lebens vielleicht um ein Weniges besser bestehen mag , als die Schule der Bücher und toten Lehrsätze . Ich bin zur Erkenntnis gekommen und mein Gemüt ist ruhig geworden . Wie ich meine Erlebnisse und Verhältnisse , meine Eigenschaften und Neigungen genau überdacht habe , so glaube ich , es ist keine Vermessenheit , den Vorschlag des Freiherrn von Schrankenheim anzunehmen . Bin ich von außen gleichwohl noch recht jung , von innen bin ich hochbetagt . Von einem alten Mann ein guter Rat wohl den Waldleuten willkommen sein . Salzburg . Am Tage des heiligen Antoni von Padua 1814 . Es ist richtig , ich gehe in den Wald . Ich bin ausgerüstet und mit allem fertig . Der Freiherr hat mir in allem seinen Beistand zugesagt . Sein Sohn Hermann hat mich wieder mit einer freundlichen Verbeugung begrüßt . Der junge Herr ist ein wenig blaß ; er wird viel lernen . Seine Schwester .... ( Hier waren in der Urschrift zwei Zeilen so vielfach durchstrichen , daß sie vollständig unlesbar geworden sind . ) Meiner Muhme soll es wohl gehen . Ich habe ihr nicht das Leid antun mögen , das sie bei meinem Aussehen und Vorhaben empfunden hätte ; habe sie nicht mehr besucht . Nun bläst das Posthorn . Lebe wohl , du schöne Stadt . Schon drei Tage auf der Reise . Das ist doch ein freundlicheres Wandern , wie jenes auf den Wintersteppen . Vorgestern hat grünes Hügelland mit malerischen Gebirgsgegenden gewechselt . Gestern sind wir in ein breites Tal gekommen . Heute geht es fort Berg auf und ab , durch Wälder und Schluchten und an Felswänden hin . Jetzt wird die Straße allweg schmaler und holperiger ; zuweilen müssen wir aus dem Wagen steigen und niedergebrochene Steinblöcke beseitigen , daß wir weiter fahren können . Gemsen und Rehe sehen wir mehr , als Menschen . Die heutige Nachtherberge habe ich schuldig bleiben müssen . Die Geldnote , die ich bei mir habe , können die Leute dieser Gegend nicht wechseln . Ich hätte dem Wirt ein Pfand gelassen , aber er hat gemeint , wenn es sei , wie ich sage , daß ich in die Wälder der Winkelwässer gehe und alldorten verbleibe , so würde sich wohl einmal eine Gelegenheit bieten , ihm den geringen Betrag zuzuschicken . Es käme zuzeiten ein Bote aus jenen Waldungen gegangen , der dies gerne besorge . - Die Geldnoten muß ich dem Herrn zurückschicken und um kleine Münzen bitten . An diesem vierten Tage bin ich ausgesetzt worden . Die Postkutsche ist ihren Weg weiter gerollt ; ich habe noch eine Weile das helle Horn klingen gehört im Walde , darauf ist alles still gewesen und ich sitze da bei meinem Bündel , mitten in der Wildnis . Durch die Waldschlucht rauscht ein Bach heraus , der die Winkel heißen soll , und dem entlang ein Fußsteig geht . Er geht über Gestein und Wurzeln , ist mit dürren Fichtennadeln vergangener Jahre besät und sieht aus wie von wilden Tieren getreten . Diesen Weg muß ich wandeln . Dort , durch die Wipfel sehe ich eine weiße Tafel blinken , das ist ein Schneefeld . - Und da drin sollen noch Menschen wohnen ? - - - So weit hatte ich in den Schriften gelesen , da läutete es auf dem Turme zum Zeichen der zwölften Stunde . Gleich darauf klopfte es ans Fenster : Die Wirtin schicke mir einen Regenschirm , wenn ich zum Essen gehen wolle . - Es strömte der Regen und in grauen Strähnen rieselte es vom Dache . Nach Tische las ich weiter . Im Winkel So will ich alles aufschreiben . Für wen , das weiß ich nicht ; etwan für den lieben Gott , wie vormaleinst das Brieflein , als mein Vater gestorben . All das Seltsame und Bewegende , das ich erlebe , müßt ' mir das Herz zersprengen dürft ' ich es nicht ausplaudern . Ich erzähle es dem Blatt Papier . Vielleicht findet sich dereinst ein Mensch , dem ich ' s mag vertrauen , und sollt ' er mich auch nur zum halben Teil erkennen . Ihr stillen weißen Blätter wollt jetzund meine Freunde sein und teilnehmen an den Tagen , die mir nun kommen mögen . Ich trag ' heute noch ein dunkles Haar , und ihr seid grau zumal ; etwan überlebt ihr mich weit und seid mein zukünftig Geschlecht . Ein Blättchen Papier kann älter werden , Wie das frischeste Maiblatt auf Gottes Erden , Wie das flinkeste Gemslein am Felsenwall , Wie das lockige Kind im lieblichen Tal Ein Blättchen Papier weiß und mild Ist oft das treueste einzige Bild , Das der Mensch zurückläßt künftigen Zeiten , Da über seinen Staub die Urenkel schreiten . Das Gebein ist zerstreut , der Grabstein verwittert , Das Haus zerfallen , die Werke zersplittert ; Wer weist in der ewigen , großen Natur , In der wir gewaltet , unsere Spur ? Neue Menschen ringen mit neuem Geschick , Keiner denkt an die alten zurück . Da ist ein Blatt mit seinen bleichen Tintenstrichen oft das einzige Zeichen , Von dem Wesen , das einst gelebt und gelitten , Gelacht , geweint , genossen , gestritten ; Und der Gedanke , dem Herzen entsprossen In Schmerz oder Lust und tollen Possen , Sinkt hier nieder , und der Ewigkeit Kuß Verhärtet ihn zu einem ehernen Guß . O , möge er geläutert in fernen Zeiten Wieder in die Herzen der Menschen gleiten ! Meine Ankunft hier ist an einem Samstag gewesen . Als ich am Winkelbach hereingestolpert bin , ist mir schon hie und da so ein Waldteufel begegnet , wie sie braun und bärtig , voll Moos und Harz in ihren Lodenkitteln hier herumgehen . Sie sind wie heimlose dürrästige Baumstrünke , die nach einem frischen Erdboden suchen , auf dem sie wieder wachsen und gedeihen mögen . Da sind sie gerne vor