sei , wenn er nicht sofort die wohlbekannte Stimme des Krämers erkannt hätte . Der saß also drinnen im sogenannten Herrenstüble , dessen Türe eine große Spalte offen ließ , und er hätte es nun nicht gerne gesehen , wenn da nun auf einmal nichts mehr als das Geschwätz einiger Verheirateter von strengen Wintern und ungezogenen Kindern zu erhorchen gewesen wäre . Davon kam seine Freude über Hansens entscheidendes Wort , und darum fuhr er jetzt fast singend fort : » Der Hans trifft halt den Nagel auf den Kopf und weiß immer genau das rechte Gewicht aufzulegen . Ja , das ist einer ! « » Nur schade , daß er kein Krämer worden ist , wenn ihm allenfalls auch dann das rechte Gewicht nicht abhanden gekommen wäre « , bemerkte Jos , der dem Verhaßten seine Freude soviel als möglich verderben wollte . Es entstand über diese Rede ein Gelächter in der Stube , als ob er weit etwas Witzigeres gesagt hätte . Nur Hans blieb ernsthaft und sagte strenge verweisend : » Das ist etwas grob für deinen Vetter ; sei doch nicht gar so kindisch ! « Jos , erschrocken aufblickend , begegnete zuerst dem strengen Gesichte der Stigerin , dann brachte ihn eine unmutige Bewegung Dorotheens und die Verlegenheit seiner Mutter noch ganz aus der Fassung . Das durfte nicht so auf ihm liegen bleiben ; wie er es auch immer wieder abwälzen mochte , es mußte weg . » Vetter hin oder her « , sagte er ohne langes Besinnen . » Was kümmert der Herr Vetter sich selbst um seine Eigenen ? Ich will gar nicht von mir reden ; aber da drunten bei den Schnäpslern sehe ich den Andreas , seinen Töchtermann , sitzen und ins Herrenstüble hinüberblicken wie ein Stiefkind . « » Für den Andreas ist dort eben die passendste Gesellschaft « , bemerkte Hans mit seltener Hast . Hatte es schon viel Redens gegeben , daß Jos auf einmal vom Krämer weg auf den Stighof kommen sollte , so mußte ein solches Gespräch um so eher die allgemeine Aufmerksamkeit erregen . Es war auch wirklich so still , daß sogar der zuunterst in der Stube sitzende Gatte Angelikas die über ihn gefallenen Bemerkungen gehört hatte . Die gedrungene Gestalt richtete sich langsam auf , die buschigen Augenbrauen hoben sich , und sein Auge funkelte , als er mit heiserer Stimme sagte : » Hans , der Stich trifft mich nicht mehr . Lieber unter Schnäpslern frei und selbherr als gebunden wie du am Herrentische . Wozu hätte mein Vater gespart und mir kein warmes Winterkleid kaufen dürfen , wenn ich noch jetzt von euerer Gnade abhängig wär ' ? Laßt mich immer der Lümmel sein , wenn ich nur mein eigener Herr bleibe . Übrigens kann ich ja Stiefvater werden , wenn ich nicht mehr gerne Stiefkind bin . Es gibt noch ganz anständige Leute , die nicht ungern eine Flasche mit mir leeren , wenn ich einmal andere so gnädig bevatern will wie Hans . « » Es wär ' klüger gewesen , wenn du die Angelika mitgenommen hättest « , rief Hans dem Erregten verächtlich zu . Andreas fuhr erschrocken zusammen . Dann aber erwiderte er trotzig : » Gelt , du wähnst , es ärgere mich , daß sie nicht mitgeht ? Nein , Hans , darüber bin ich endlich hinaus . Ihr habt mich an viel gewöhnt . Sie bleibe nur , wo ihr wohl ist . Ich mach ' es auch so . Was hätt ' ich auch sonst noch von meinem Geld als die Freud ' an euerem Neide ? « Das Eintreten des Pfarrers unterbrach den Andreas in seiner immer leidenschaftlicher werdenden Rede . Es wurde stiller in der Stube als in der Schule , und wie Kinder blickten alle zu dem hochwürdigen Gaste auf . Jeder wünschte und fürchtete , daß er sich an seinen Tisch setze . Die Ehre wäre eine große gewesen , wenn man nur etwas mit ihm zu reden gewußt hätte . Der ehrwürdige Greis richtete an manchen ein freundliches Wort , das aber oft nur mit einem leisen Kopfnicken errötend beantwortet wurde . Jetzt war Jos , der eine Zeitlang wie auf Nägeln saß , wieder ganz der Mann . Der Pfarrer setzte sich auch bald neben ihn und begann ein Gespräch über die ihm im Winter geliehenen Bücher , bis er von seiner Häuserin zu einem Schwerkranken geholt wurde . Von diesem begannen nun auch die zurückbleibenden Bauern zu reden , während sie die langen Zipfelkappen wieder aufsetzten . Nur am Tische neben dem Kanapee blieb alles still . Dem Jos aber machte man andere , viel freundlichere Augen als während des von ihm angezündeten Streites , der nun ganz vergessen war . Hans kam unmöglich aus seinem Erstaunen darüber , daß ein Mensch , nicht einmal ganz in seinem Alter , der nur seinen , Lehrer hatte und noch dazu ein armer Teufel war , so sicher und glatt mit dem hochstudiertesten Mann weit und breit zu reden verstand . » Ja , gelt , Mutter ! « nickte er der Stigerin zu , die gar nicht zu wissen schien , was für ein Gesicht sie zu dem Vorgange machen müsse . Jos schien sich darum auch gar nicht zu kümmern . Er hatte genug an dem glücklichen Lächeln seiner Mutter , und Dorotheens strahlendes Auge sagte ihm , daß auch sie den Mutigen schätze , der vor dem Pfarrer und einer Stube voll neidischer und besitzstolzer Aufpasser so herzhaft zu reden und sogar seine Meinung über Bücher zu sagen wagte . Der Krämer , der jetzt langsam in die Gaststube herauskam , schien mit einem Blick in den Augen aller gelesen zu haben . Er stieß mit Hansen an und wünschte ihm kalt lächelnd Glück zu dem neuen Knechte , der wenigstens schwätzen könne wie ein Briefträger . Der Handel sei freilich etwas schnell gegangen , doch werde man ihn hoffentlich nie einen