und der Kammerdiener ihnen die Decken von schwarzem Bärenpelz über die Kniee gebreitet hatte , lehnte der Baron sich in die Ecke zurück , wie einer , der zu schlafen beabsichtigt . Sie werden heute keinen unterhaltenden Gesellschafter an mir haben , sprach er zu dem jungen Manne . Freude und Erregung haben mich die Nacht nicht schlafen lassen , und nun ist der Schrecken mir auf die Nerven gefallen , daß ich einen Ansatz von Migraine fühle , den ich mir wegschlafen möchte , um Ihre Schwester heiter und frei umarmen zu können . Kannten Sie das Frauenzimmer , das sich ertränkt hat ? fragte gleichgültig der junge Mann . Ja , versetzte der Baron , und es überlief ihn eiskalt , daß er zusammenschauerte und sein Begleiter ihn , aufmerksam werdend , betrachtete . Dem Baron entging das nicht , und die Achtsamkeit seines Schwagers von dem rechten Pfade abzulenken , sagte er : Mit aller seiner Philosophie kann man sich des Aberglaubens in entscheidenden Momenten doch recht schwer erwehren . Daß solch ein Unglück vor meinen Augen geschah , grade als ich den Wagen besteigen wollte , um an das Ziel meiner Wünsche zu gelangen , hat mir einen äußerst peinlichen Eindruck gemacht , und ich möchte um Alles in der Welt nicht , daß Ihre Schwester Etwas davon erführe . O , bewahre ! Wozu auch ? erwiederte der Bruder ; aber daß Sie sich so Etwas derart zu Herzen nehmen könnten , hätte ich mir nicht gedacht ! Mich läßt dergleichen völlig ruhig . Wer sich das Leben nimmt , thut es zu seinem eigenen Schaden . Er machte dazu ein ganz ernsthaftes Gesicht , lehnte sich ebenfalls zurück , wickelte sich fest in seinen Reitermantel ein und war , da er mit Tagesanbruch ausgeritten , bald eingeschlafen , während der Baron , von Schmerz und Gewissensbissen gefoltert , von Sorgen und Unglücksahnungen gepeinigt , mit Schrecken daran dachte , daß er am Abend seine Braut begrüßen und sie bald als seine Gattin in sein Haus führen sollte , vor dessen Fenster das dahin fließende Wasser ihn ewig an den Untergang Paulinen ' s mahnen mußte . Fünftes Capitel Die ganze gräfliche Familie war bereits im Schlosse beisammen , als der Baron in Berka eintraf . Der Schwiegervater , die neuen Vettern , kamen ihm bis in die Halle entgegen . Bei dem Scheine der Windleuchter , welche die geschäftige Dienerschaft herbeigetragen , hieß man ihn mit aller Feierlichkeit willkommen , und dem Baron war jeder Aufenthalt , war Alles erwünscht , was ihm die Veranlassung zum eignen Handeln ersparte , was die erste Begegnung mit seiner Braut , wenn auch nur für Minuten , hinausschob . Oben in seinen Zimmern , in die man ihn geführt hatte , um ihm Zeit für seine Umkleidung zu geben , warf er sich erschöpft auf das Canapé , und die Herzbeklemmung , die er den ganzen Tag ertragen und überwunden hatte , machte sich in Thränen Luft . Gut geschult , verließ sein Kammerdiener ihn , sobald er die Gemüthsbewegung seines Herrn gewahrte , und es dauerte eine Weile , ehe der Baron demselben schellte , um sich ankleiden zu lassen . Er war sonst äußerst sorgsam für seine Toilette , heute blieb dieselbe gänzlich dem Kammerdiener überlassen . Der Baron beachtete es nicht , in welcher Weise jener ihm die vollen Seitenlocken puderte ; er sprach kein Wort , während der Diener ihm das Haar flocht und die Schleifen des breiten Bandes an dem Haarbeutel befestigte . Er merkte es kaum , als er ihm das kleine , goldene Messer reichte , den Puder von der Stirne fortzubringen , und wäre der Diener nicht selbst stolz gewesen auf die vornehme Erscheinung seines Herrn , so hätten die weißseidenen Strümpfe sich ziehen können , wie sie mochten , und weder die kantenbesetzte weiße Halsbinde , noch das Jabot und die Spitzenmanschetten würden die rechten vollen , vornehmen Falten geworfen haben . Erst als der Baron das Zimmer verlassen wollte , um sich zu seiner Braut zu verfügen , und der Diener ihm den Parfümerie-Kasten hinreichte , damit er für sein Taschentuch den Parfüm nach Wohlgefallen wählen könne , erlaubte sich derselbe die Anfrage , ob der gnädige Herr nicht in den Spiegel sehen wolle , und sein zufriedenes Lächeln schien von diesem Vorschlage Erheiterung für den Baron zu erwarten . Indeß der Blick desselben wendete sich kalt von dem Spiegel ab , nachdem er ihn flüchtig darauf gerichtet hatte , und mit einem Seufzer , den er nicht zu unterdrücken vermochte , verließ er das Zimmer . Er hatte keine Sylbe gesprochen , er hatte es nicht einmal für nöthig gehalten , dem Diener Verschwiegenheit zu befehlen . Er kannte sich und seine Leute . Er wußte , daß sie treue Diener waren , weil er sie immer empfinden ließ , daß er ihr Herr sei . Langsam und schwerer , als es seine Art war , schritt er die Treppe hinab , durch die Vorzimmer , an der theils wartenden , theils beschäftigten Dienerschaft vorbei , bis die Flügelthür des Saales vor ihm geöffnet wurde . Aber das Licht , das helle Licht , welches ihm aus demselben entgegenstrahlte , war ihm unangenehm . Es blendete ihn heute zum ersten Male in seinem Leben und erinnerte ihn damit , wie heiße Thränen er geweint hatte . Indeß es blieb ihm keine Zeit , an sich zu denken . Er hatte seine Braut zu begrüßen , er mußte ihr sagen , was er in diesem Augenblicke leider ganz und gar nicht empfand , daß er glücklich sei , sie wiederzusehen . Wie hold sie ist ! hörte er ausrufen , als Gräfin Angelika ihm mit unverhehlter Freude und Zärtlichkeit entgegenkam . Die schlanke Gestalt sah so leicht aus in dem Kleide von rosenfarbener Seide . Das schöne Haar , nur von einem rosa Bande gehalten , puffte sich hoch über ihrer schmalen Stirne empor und fiel hinter