konnte mich in die Kreise einführen , in denen sich mein Feind bewegte und die mir sonst verschlossen oder doch schwer zugänglich gewesen wären . Wir kamen nach Neapel . Der Graf war noch da , der verhätschelte Liebling der Frauen und der Schrecken der Väter und Ehemänner . Dem Maler gelang es ohne Mühe , mich einzuführen . Ich besuchte jede Gesellschaft , um mit dem Grafen zusammentreffen , was bisher der Zufall noch immer verhindert hatte . Endlich traf ich ihn in einer großen Soirée bei dem russischen Gesandten . Ich sah ihn in dem ganzen Glanze seiner wirklich herrlichen Schönheit und mit dem Zauber seiner chevaleresken Anmuth in einer Gruppe von Herren und Damen . Ich trat an der Hand des Malers mitten in diese Gruppe hinein . Herr Graf , sagte der Maler . Der Doctor Berger aus Fichtenau wünscht Ihre Bekanntschaft zu machen ; erlauben Sie , daß ich Ihnen denselben vorstelle . Bei dem Worte Fichtenau wurde der Graf bleich und verlor die Fassung so , daß es allen Herumstehenden auffiel . Ich will Sie nicht lange aufhalten , Herr Graf , sagte ich vortretend . Ich wünsche nur von Ihnen den augenblicklichen Aufenthaltsort der jungen Dame zu wissen , die Sie vor drei Jahren aus ihrem väterlichen Hause entführten und zuletzt in Rom an einen französischen Schwindler verkuppelten . Ich sprach diese Worte ruhig , langsam , jede Silbe abwägend . Meine Stimme beherrschte den ganzen Salon , denn es war nach meinen ersten Worten so still geworden , daß man eine Nadel hätte fallen hören . Der Graf war noch bleicher geworden , aber er faßte sich alsbald wieder und sagte : Und was giebt Ihnen das Recht zu dieser Frage , für die Sie in der That die Zeit und den Ort äußerst schicklich gewählt haben ? Ich hatte das Unglück , der Verlobte der jungen Dame zu sein . Und wenn ich Ihnen die erwünschte Auskunft verweigere ? So erkläre ich Sie vor diesen Damen und Herren für das , was Sie vom Wirbel bis zur Sohle sind : ein gemeiner Schurke . Bei diesen Worten schleuderte ich ihm meinen Handschuh in ' s Gesicht und verließ , nachdem ich mich in kurzen Worten bei den Versammelten für die von mir provocirte Scene entschuldigt , vom Maler begleitet , die Gesellschaft . Eine Beleidigung der Art konnte nach der Anschauung der Welt , in welcher der Graf lebte , nur mit Blut gesühnt werden , um so mehr als ich , um dem Aristokraten jede Ausflucht zu versperren , in meiner Officiers-Uniform in der Gesellschaft erschienen war und der sehr geachtete Name des Malers mich vor dem Verdacht , ein bloßer Abenteurer zu sein , schützte . Ueberdies hatte sich der Graf durch die Gunst , in welcher er bei der Damenwelt stand , in der Männerwelt so verhaßt gemacht , daß ihm Jeder die von mir widerfahrene schmachvolle Behandlung gönnte und er durch die Weigerung , sich mit mir zu schlagen , um den letzten Rest seines Ansehens gekommen sein würde . Er hatte unter dem Achselzucken seiner wenigen Freunde und dem offenen Hohnlächeln seiner zahlreichen Feinde gleich nach mir die Gesellschaft verlassen , und schon eine Stunde darauf erhielt ich von ihm eine Herausforderung auf den Morgen des folgenden Tages . Das war Alles , was ich gewollt hatte ; ich vernahm die Nachricht mit einer Art von Jubel ; die wenigen Stunden bis zu dem Augenblicke , wo ich den Räuber Eleonorens , den Mörder meines Erdenglücks vor der Mündung meiner Pistole haben würde , erschienen mir eine Ewigkeit . Ich konnte es in dem engen Zimmer unseres Hotels nicht aushalten ; ich mußte das Rachefieber , das in mir brannte , in der balsamischen Nachtluft kühlen . Mein Freund bat mich , von diesem Vorsatze abzustehen , da ich mich , wie er mit ironischem Lächeln sagte , unter diesen Umständen bei einer nächtlichen Promenade leicht auf den Tod erkälten könnte . Als ich heftig und aufgeregt , wie ich war , auf meinem Wunsche bestand , begleitete er mich zwar , aber nicht , ohne sich und mich vorher mit Dolchen bewaffnet zu haben . Ich sollte bald erfahren , wie viel gründlicher der Maler den Charakter meines Feindes und die Art des Volkes , in welchem wir uns befanden , studirt hatte ; denn wir waren kaum ein paar hundert Schritte von unserm Hotel entfernt und wollten eben durch eine Seitengasse auf die Toledostraße biegen , als wir uns von vier Männern , die plötzlich aus dem Schatten der Häuser heraustraten , mit einer unglaublichen Wuth angegriffen sahen . Glücklicherweise war der Maler ein riesenstarker Mann und auch mir fehlte es weder an Kraft noch an Geistesgegenwart . Die Mörder schienen auf einen so energischen Widerstand nicht vorbereitet . Nach wenigen Augenblicken ergriffen sie die Flucht . Ich wollte ihnen nachsetzen . Laß sie laufen , sagte der Maler , indem er seinen blutigen Dolch abwischte ; ich fürchte , ich habe den Einen von ihnen etwas zu tief geritzt . Aber der Kerl ließ es sich auch gar zu angelegen sein , die paar Zechinen des Grafen redlich zu verdienen . Mir war die Lust , noch weiter zu promeniren , vergangen . Wir kehrten auf dem nächsten Wege in unser Hotel zurück und erwarteten voll Ungeduld die bezeichnete Stunde . Der Maler suchte mir zu beweisen , daß ich mich mit einem Menschen , der zum Meuchelmord seine Zuflucht nehme , nicht schlagen könne , sondern ihn niederschießen müsse , wie einen tollen Hund ; ich erwiderte ihm , daß ich durchaus die letztere Absicht habe und das Duell für mich nichts weiter sei als eine leere Form . Wir erzürnten uns beinahe bei diesem Disput . Ganz unnöthiger Weise . Der Morgen kam , wir waren noch vor der Zeit auf dem Platze ; aber kein Gegner ließ sich sehen . Endlich , nach einer Stunde , erschien der Secundant des