« sagte Amrei , » morgen bring ' ich mein Bündel ; aber jetzt ' möcht ich mein Bündel mitnehmen . Gebet mir da ein Fläschchen Wein und das Fleisch will ich einwickeln und es der Marann ' und meinem Dami bringen . « Man willfahrte Amrei , aber der alte Rodelbauer sagte ihr jetzt leise : » Gieb mir meinen Sechsbätzner wieder . Ich hab ' gemeint , du willst ihn schenken . « » Ich will ihn als Drangeld von Euch behalten , « erwiderte Amrei schlau , » und Ihr werdet sehen , ich will ihn euch schon wett machen . « Der Rodelbauer lachte halb ärgerlich in sich hinein und Amrei ging mit Geld , Wein und Fleisch davon zu der schwarzen Marann ' . Das Haus war verschlossen , und es war ein großer Abstand , zwischen dem lauten musikschallenden Lärmen und Schmausen im Hochzeithause und der stillen Oede hier . Amrei wußte , wo sie die Marann ' erwarten konnte auf ihrem Heimwege ; sie ging fast immer nach dem Steinbruch und saß dort eine Zeitlang hinter der Hecke und hörte zu wie Spitzhammer und Meisel arbeiteten . Das war ihr wie eine Melodie , die aus den Zeiten klang , wo Johannes einst auch hier gearbeitet hatte und da saß sie oft lange und hörte es picken . Amrei traf hier richtig die Marann ' und noch eine halbe Stunde vor Feierabend rief sie auch den Dami aus dem Steinbruch und hier draußen bei den Felsen wurde ein Hochzeitmahl gehalten , fröhlicher als drin bei der rauschenden Musik . Besonders Dami jauchzte laut und die Marann ' that auch heiter , nur trank sie keinen Tropfen Wein , sie wollte nicht eher einen Tropfen Wein über die Lippen bringen , als bis zur Hochzeit des Johannes . Als Amrei nun unter Heiterkeit erzählte , daß sie einen Dienst bei dem jungen Rodelbauer bekommen habe und morgen antrete , da erhob sich die schwarze Marann ' in wildem Zorn und einen Stein aufhebend und ihn an die Brust drückend sagte sie : » Es wäre tausendmal besser , ich hätte dich da drinnen , so einen Stein , als ein lebendig Herz . Warum kann ich nicht allein sein ? Warum habe ich mich wieder verführen lassen , Jemand gern zu haben ? Aber jetzt ist ' s vorbei , auf ewig ! Wie ich den Stein da hinunterschleudere , so schleudere ich fort alle Anhänglichkeit an irgend einen Menschen . Du falsches treuloses Kind ! Kaum kann es die Flügel heben , fort fliegt ' s. Aber es ist gut so , ich bin allein und mein Johannes soll auch allein bleiben , wenn er kommt , und es ist Nichts was ich gewollt hab ' . « Und fort rannte sie dem Dorfe zu . » Es ist doch eine Hexe , « sagte Dami hinter ihr drein , » ich will den Wein nicht mehr trinken , wer weiß ob sie ihn nicht verhext hat . « » Trink ' du ihn nur , sie ist eine strenge Eigenbrätlerin und hat ein schweres Kreuz auf sich ; ich will sie schon wieder gut machen . « So tröstete Amrei . 7. Die barmherzige Schwester . Das war nun ein volles Leben im Hause des Rodelbauern . Barfüßele , so hieß man nun fortan Amrei , war zu allem anstellig und wußte sich gleich bei Allen beliebt zu machen : sie wußte der jungen Bäuerin , die fremd in ' s Dorf und in ' s Haus gekommen war , zu sagen , was hier der Brauch sei , lehrte sie die Eigenschaften ihrer nächsten Angehörigen kennen und sich danach richten , und dem alten Rodelbauer , der den ganzen Tag trotzte und sich nicht zufrieden geben konnte , weil er sich so frühe zur Ruhe gesetzt , wußte sie allerlei Gefälligkeiten zu erweisen und ihm zu erzählen , wie gar gut die Söhnerin sei , und es nur nicht so von sich zu geben wisse ; und als nach kaum einem Jahre das erste Kind kam , zeigte sich Amrei darüber so glücklich und in allen Erfordernissen so geschickt , daß Jedes im Hause ihres Lobes voll war ; aber nach Art dieser Leute so voll , daß man sie bei dem kleinsten Ungeschick eher dafür auszankte , als daß man sie je in der That lobte . Aber Amrei wartete auch nicht darauf ; und namentlich dem Großvater wußte sie das erste Enkelchen immer so gut zuzutragen und zur geschickten Zeit wieder zu entziehen , daß man seine Freude daran haben mußte . Beim ersten Zahne des Enkels , den sie dem Rodelbauer zeigen konnte , sagte dieser : » Ich schenke dir einen Sechsbätzner , weil du mir die Freude machst . Aber weißt du ? den , den du mir gestohlen hast an der Hochzeit ; jetzt darfst du ihn ehrlich behalten . « Dabei war aber die schwarze Marann ' nicht vergessen . Es war allerdings ein schwer Stück Arbeit , mit ihr wieder in ' s Geleise zu kommen . Die Marann ' wollte vom Barfüßele nichts mehr wissen , und ihre neue Herrschaft wollte es nicht dulden , daß sie zu ihr hinginge , besonders nicht mit dem Kinde , da man noch immer fürchtete , daß ihm durch die Hexe ein Leid geschehe . Es bedurfte großer Kunst und Ausdauer , um diese Feindseligkeit zu besiegen ; aber es gelang dennoch . Ja , Barfüßele wußte es dahin zu bringen , daß der Rodelbauer die schwarze Marann ' mehrmals besuchte . Das wurde als ein wahres Wunder im ganzen Dorf berichtet . Aber die Besuche wurden bald wieder eingestellt , denn die schwarze Marann ' sagte einmal : » Ich bin jetzt bald siebzig Jahre und ohne die Freundschaft eines Großbauern ausgekommen ; es ist mir nicht der Mühe werth , das noch zu ändern . « Auch Dami war natürlich oft bei seiner