Dienerinnen waren , und sprach : » Ihr sollet zur Herzogin kommen , und zwar gleich « - sie lachten erst ob seiner Kutte , folgten ihm aber zum Saal , und war keiner , der sie von der Schwelle zurückhielt . Und wie die Mägdlein an des Refektoriums Eingang sichtbar wurden , entstand ein Gemurmel und ein Kopfwenden im Saal , als sollte jetzo ein Tanzen und Springen anheben , wie es diese Wände noch nicht erschaut . Herr Cralo , der Abt , aber wandte sich an die Herzogin und sprach : » Frau Base ? ! « - und sprach ' s mit so duldender Wehmut , daß sie aus ihren Gedanken auffuhr . Und sie sah auf einmal ihren Kämmerer und sich selber in der Mönchskutte mit andern Augen an denn zuvor , und schaute die Reihen trinkender Männer , dem entferntesten verdeckte der Kapuze vorstehender Rand das Antlitz , daß es aussah , als werde der Wein in leeren Gewandes Abgrund geschüttet , und die Musik klang ihr gellend in die Ohren , als würde hier ein Mummenschanz gefeiert , der schon allzulang ' gedauert ... Da sprach sie : » Es ist Zeit schlafen zu gehen ! « und ging mit ihrem Gefolg nach dem Schulhaus hinüber , wo ihr Nachtlager sein sollte . » Wißt Ihr auch , was des Tanzens Lohn gewesen wär ' ? « frug Sindolt einen der Mönche , der ob dieser Wendung der Dinge höchlich betrübt schien . Der schaute ihn starr an . Da machte ihm Sindolt eine unverkennbare Gebärde , die hieß : » Geißelung « ! Fußnoten A1 Unter dieser Allegorie hatte der Afrikaner Martianus Capella im 5. Jahrhundert eine Enzyklopädie der sieben freien Künste gegeben , die im Mittelalter als Schulbuch viel benutzt ward ; Notker Labeo übersetzte sie ins Deutsche . Eine Alba mit Darstellungen daraus hatte Hadwig nach Kapitel 90 der » Casus S. Galli « dem Ekkehard geschenkt . A2 » Äneis « 1 , 132 ff. Worte Neptuns . A3 Flavius Julianus Apostata , Kaiser 361-363 , vergleicht in seinem » Misopogon « den Gesang der Alemannen dem Rufe rauh krächzender Vögel . Fünftes Kapitel . Ekkehards Auszug . Frühmorgens darauf saß die Herzogin samt ihren Leuten im Sattel , heimzureiten , und der Abt hatte keine Einwendung erhoben , da sie sich jegliche Abschiedsfeierlichkeit verbat . Darum lag das Kloster in stiller Ruhe , als drüben schon die Rosse wieherten , nur Herr Cralo kam pflichtschuldig herüber . Er wußte , was die Sitte gebot . Zwei Brüder begleiteten ihn . Der eine trug einen schmucken Becher von Kristall , mit silbergetriebenem Fuß und Aufsatz geschmückt , und saß manches gute Stücklein Onyx und Smaragd in der silbernen Umfassung ; der andere trug ein Krüglein mit Wein . Und der Abt schöpfte ein weniges in den Becher , wünschte seiner erlauchten Base einen gesegneten Tag und bat , mit ihm des Abschieds Minne zu trinken und den Becher zu freundlichem Angedenken zu behalten84 . Für den Fall , daß das Geschenk nicht genügend befunden werden sollte , hatte er noch ein seltsam Schaustück im Rückhalt , das war silbern zwar , doch unansehnlicher Gestalt und täuschend einem schlichten Brote gleichgeformt , innen aber gefüllt mit güldenen Byzantinern bis zum Rande85 ; - vorerst ließ der Abt nichts davon vermerken und trug ' s sorglich verborgen in der Kutte . Frau Hadwig nahm den dargebotenen Becher , tat , als wenn sie daran nippte , gab ihn aber wieder zurück und sprach : » Erlaubet , teurer Vetter , was soll der Frau das Trinkgefäß ? Ich heische ein anderweit Gastgeschenk . Habet Ihr nicht gestern von Quellen der Weisheit gesprochen ? « » Ihr sollet mir aus des Klosters Bücherei einen Virgilius verehren ! « » Immer zu Scherz geneigt « , sagte Herr Cralo , der eine gewichtigere Forderung erwartet hatte , » was soll Euch der Virgilius , so Ihr der Sprache nicht kundig seid ? « » Es versteht sich , daß Ihr mir den Lehrer dazu gebet « , sprach die Herzogin ernst . Da schüttelte der Abt bedenklich das Haupt : » Seit wann werden die Jünger des heiligen Gall als Gastgeschenke vergeben ? « Sie aber sprach : » Ihr werdet mich verstanden haben . Der blonde Pörtner wird mein Lehrer sein , und heut am dritten Tage längstens wird der Virgilius und er sich bei mir einstellen ! Gedenket , daß des Klosters Streit um die Güter im Rheintal und die Bestätigung seiner Freiheiten in Schwaben in meiner Hand ruhet , und daß ich nicht abgeneigt , auch auf dem Twieler Felsen den Jüngern Sankt Benedikts ein Klösterlein herzurichten ... Lebet wohl , Herr Vetter ! « Da winkte Herr Cralo betrübt dem dienenden Bruder : » Traget den Kelch in die Schatzkammer zurück . « Frau Hadwig reichte ihm anmutig die Rechte , die Rosse stampften , Herr Spazzo schwang den Hut - in leichtem Trab ritt der Zug aus des Klosters Bann heimwärts . Von des Wächters Turmstube ward ein mächtiger Strauß in die Abreitenden geworfen , dran allein an Sonnenblumen die Hälfte eines Dutzends prangte , der Astern nicht zu gedenken , aber niemand fing ihn auf , und der Rosse Huf brauste drüber hin ... Im trockenen Graben vor dem Tor hatten sich die Schüler der äußeren Klosterschule versteckt . » Langes Leben der Frau Herzogin in Schwaben ! Heil ihr ! ... und sie soll die Felchen bald schicken ! Heil ! « klang ihr Ruf gellend in der Scheidenden Ohr . » Wem für ein ungezogen Benehmen drei Feiertage und die besten Seefische bewilligt sind , der hat gut schreien « , sprach Herr Spazzo . Langsam ging der Abt ins Kloster zurück ; er ließ Ekkehard , den Pörtner , zu sich rufen und sprach zu ihm : » Es ist eine Fügung über Euch ergangen . Ihr sollet der Herzogin Hadwig einen Virgilius überbringen