in ihm wach zu werden . Er ging unruhig durch das Haus und suchte ein Brett , das ihm gerecht wäre . Dann stieg er auf den Boden , um Erbsen zu holen . Er wollte dem Chirurgus einen halsbrechenden Empfang bereiten . » Wenn sie mich auch wieder nach Ludwigsburg schicken « , dachte er , » was tut ' s ! « Als er aber mit seinen Vorbereitungen fertig wär , fiel es ihm ein , daß die geistlichen Herren , die heute ihr » Kränzchen « in der Sonne hatten , mit nächstem anrücken würden , und er entsagte seinem Attentat . Vor der Klerisei hatte er einen wohlbegründeten Respekt . Denn , dachte er in seiner rohen Weise , statt des Chirurgen könnt mir auch einer von den Pfarrern abe hageln , und das tät mir schlimmer gedeihen , als wenn ich meinem Vater einen Strick um den Hals gemacht hätt und hätt ihn an den Schild hinausgehenkt . Nicht lange , so erschienen die ersten der erwarteten Ankömmlinge . Von ihren weitschößigen schwarzen Röcken umrauscht , stiegen sie ernsthaft die Treppe empor , und ihre weißen Bäffchen oder Überschlägchen , wie man dieses geistliche Würdezeichen in Süddeutschland heißt , begleiteten ihre Unterredung , indem sie , beim Sprechen von den Halsmuskeln in Bewegung gesetzt , taktmäßig über der Brust auf und nieder klappten . Arglos überschritten die Pastoren die verhängnisvolle Staffel , die , wenn Gedanke und Tat ein Ding wären , ihnen ein Stein des Anstoßes und gewiß auch nicht geringen Ärgernisses geworden sein würde . Dem Chirurgus hatte es sein guter Geist eingegeben , daß er die Nachhut bildete , und so gelangte auch er wohlbehalten unter den Fittichen der geistlichen Macht herauf . Die Herren verfügten sich in ihr besonderes Kabinett . Die übrigen Mitglieder der Gesellschaft ließen nun auch nicht länger auf sich warten ; als die allerletzten kamen , um keine unschickliche Eile zu beweisen , der Pfarrer und , Saul unter den Propheten , der Amtmann des Orts . Mittlerweile fanden die dampfenden Schüsseln ihren Weg aus der Küche ins Kabinett . Die Sonnenwirtin und Magdalene trugen sie . Letztere hatte , als einen schwachen Versuch , sich mit Krankheit zu entschuldigen , ein Tuch um den Kopf gebunden , das ihr aber noch unterwegs von der sorgsamen Mutter abgerissen wurde . » Morgen kannst Kopfweh haben , soviel du willst « , sagte sie , » aber heut darfst nicht wehleidig sein . « Der Sonnenwirt begnügte sich , die Herren zu empfangen , ins Kabinett hinein zu komplimentieren und von Zeit zu Zeit nachzusehen , ob nichts fehle . Der Chirurgus durfte die Flaschen auftragen helfen , was dem Amtmann und dem Pfarrer Anlaß gab , ein wenig zu sticheln . Nachher hatte er die Ehre , einem von den Herren Schnupftabak zu besorgen , und zuletzt , als man nichts mehr von ihm wollte , zog er sich mit einer feinen Wendung zurück . Mit dem Hauptauftritt mußte man natürlich warten , bis die Herren ihre nächste Aufgabe , nämlich die teils gebackenen , teils blau abgesottenen Forellen vom Tische verschwinden zu machen , bereinigt haben würden . Friedrich war mit der Aufwartung im gewöhnlichen Wirtszimmer bei den Fuhrleuten betraut worden , erhielt aber nach einiger Zeit durch Vermittlung seiner Mutter , die ihm doch nicht recht traute , vom Vater den Befehl , in den Stall zu gehen und die Pferde zu füttern . Die unschuldigen Tiere mußten sich dabei manchen Puff gefallen lassen . Als er wieder heraufkam , sah er , was ihm sein Verstand schon gestern abend hätte voraussagen können , seine Schwester als » glückliche Braut « . Der Vater hatte sich inzwischen die Freiheit und die Ehre genommen , sie als solche im Kabinett vorzustellen , das man , um der Sache mehr Öffentlichkeit und Ansehen zu geben , gegen das Wirtszimmer offengelassen hatte . Die Herren wünschten Glück , stießen mit den Gläsern an und machten etliche versteckte skurrile Witze , alles das , wie es bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt . Magdalene knixte mit ängstlichem Lächeln und zwang die Tränen zurück , die freilich sehr nahe waren , aber wie hätte sie vor so gewaltigen Herren wagen können , einen Willen geltend zu machen ? Der Chirurgus stand neben ihr , ganz grün vor Seligkeit . Die Sonnenwirtin freute sich , daß sie den niederdrückenden Einfluß , den die Herrengesellschaft auf das Mädchen üben würde , so sicher voraus berechnet hatte . Der Sonnenwirt schmunzelte und schwamm in Wohlbehagen über die honoratiorenschaftliche Haupt- und Staatsaktion . Friedrich seinerseits ließ im Wirtszimmer seine festliche Bewegung an einer Flasche aus , die , als sie mit lautem Klirren am Boden zerbrach , die allgemeine Stimmung durch Schrecken , Lachen , Zorn und Scheltworte hindurch in das gewöhnliche Geleise zurückbrachte . Die Türe des Kabinetts schloß sich wieder , die Wirtschaft ging ihren Gang , und als die Herren abends ihre Sitzung aufhoben , blieb es ein Geheimnis , was der Gegenstand ihrer Unterhaltung gewesen war , ob die Ewigkeit der Höllenstrafen oder die Aufbesserung der Besoldungen . Nur eines hatte sich entschieden und unabänderlich festgestellt , nämlich , daß Magdalene jetzt das wär , was sie vergangene Nacht um keinen Preis , selbst nicht um den Preis ihres Lebens , hatte werden wollen . Friedrich redete den ganzen Abend kein Wort mit seiner Schwester . Als sie ihn einmal lange schüchtern und bittend ansah , antwortete er mit einem Blick , der ihr deutlich sagte , daß er , wenn er Gelegenheit hätte , seinen tollen Jähzorn tätlich an ihr auslassen würde . Sie vermied es deshalb , allein mit ihm zusammenzutreffen . Da man ihr jetzt keinen Zwang mehr antat und ihr Bräutigam , geduldig auf besseres Wetter wartend , sich beizeiten nach Hause gemacht hatte , so ging sie noch vor dem Abendessen zu Bette . Auch diese Nacht konnte Friedrich die Augen lange nicht schließen .