Bello ... Bello hat bei dem Sturz ein Bein gebrochen , sagte der Fuhrmann ächzend . Bello ist todt ! jammerte sein Weib . Wenn ihn der Schmied nicht heilt , vielleicht ! sagte Peters und fuhr mühsam fort : Das Schreien und Winseln des Thieres weckte den Schmied , ich lag in Ohnmacht . Bello blieb beim Wagen und winselte . Ich hörte ihn in meinem Zustand , als man mir die Umschläge machte . Ich frug ihn , den Bello , ja den Hund , als ich erwachte , nach dem Schrein . Das Thier verstand mich und heulte und winselte und hörte nicht auf zu bellen . Aber es hatte den Dieb nicht festhalten , mich nicht wecken können . Da lag ich elend , da lag mein treues Thier , zerstreut meine Fracht und ein Räuber umschlich uns , der , ich schwör ' s - uns bestohlen hat ! Sich aussprechen und sein Unglück erzählen können , schien den Fuhrmann etwas zu erleichtern . Nach einer Weile fuhr er , während Dankmar starr brütend zuhörte , fort : Das Dorf Plessen liegt am Fuße des Schlosses Hohenberg . Mit meinem hinkenden Beine schleppte ich mich an alle Thüren und rief den ganzen Ort wach . Es war vier Uhr . Oben auf dem Schlosse erloschen allmälig die Lichter . Einzelne Wagen fuhren herunter . Man hatte ein Fest gefeiert , das nun zu Ende war . Jeden Wagen hielt ich an und fragte nach meinem verlorenen Gute . Die geputzten Gäste lachten mich aus und antworteten , ich sollte sie schlafen lassen . Den Ortsvorstand holt ' ich aus dem Bett . Ich verlangte , daß der Schmied und sein Gesell festgenommen würden , und doch kannt ' ich Beide als ehrliche Leute seit Jahren , und ich schämte mich , sie für Diebe zu halten . Auch ließ ich sie frei und bei meinem Rade . Der Schmied ist blind , sein Sohn taub . Die sind ehrlich . Aber das ganze Dorf bot ich auf und gesucht wurde überall , hinter jedem Strauch , in jedem Graben ; aber der Schrein blieb verloren . Gott weiß es , in welches Teufels Hand er gekommen ! Was sollt ' ich thun ? Das Rad war hergestellt , der Wagen fertig , mein Hund blieb beim Schmied , der ihn heilen will . O Gott ! Was sollt ' ich thun ? Der Ortsvorstand versprach mir auf Ehr ' und Seligkeit , Alles anzustellen , um den Gaunerstreich zu entdecken . Meine Lieferungszeit für die Güter ist auf Tag und Stunde berechnet . Ich mußte fort . Die Thiere zogen den Wagen und mich . Gehen könnt ' ich wenig , ich hinkte . Da bin ich nun , Herr ! Machen Sie mit mir , was Sie wollen . Der Schrein ist gestohlen . Nach einigem Bedenken sah Dankmar nach seiner Taschenuhr . Es war halb Zehn . Wie weit ist ' s bis Hohenberg und Plessen ? fragte er rasch . Wir rechnen vierzehn Meilen . Es sind dreizehn ein halb , sagte Peters . Bin ich mit einem Einspänner morgen Mittag da ? fragte Dankmar weiter . Bis morgen Abend , wenn ' s ein guter Gaul ist und Sie ihm dann und wann einige Ruhe gönnen . Herr Wirth , sagte Dankmar , ich sah in Ihrer Remise einen Einspänner stehen . Pferde haben Sie im Stall . Wollen Sie für mich einspannen lassen ? In zwei , drei Tagen bin ich wieder da . Bruder , fiel Siegbert erschrocken ein , ist dir der Verlust denn wirklich soviel werth , daß es dir an einem Aufruf in den Zeitungen und einer Anzeige an die dortige Behörde nicht genügt ? Ich bitte dich ! erwiderte Dankmar mit großer Bestimmtheit . Mache gegen ein Unternehmen keine Einwendung , das mit meinen künftig wichtigsten Lebensplanen in zu naher Verbindung steht . Es ist ja nicht um diesen Schrein ; es ist nicht um diesen zeitlichen Gewinn ; es ist um etwas Höheres , das in mein und dein ganzes Leben eingreifen soll ... Damit trat er näher und flüsterte dem Bruder halblaut zu : Siegbert , hast du Geld bei dir , so gib ! Oder meinst du , daß der Wirth uns zwanzig Thaler vorschießt ? Du schickst sie ihm morgen wieder . Siegbert schien der Säckelmeister der Brüder zu sein . Er verwaltete das höchst schwierige Amt , zwei jungen Männern , die noch keine sichere Lebensstellung hatten , soviel Hülfsmittel durch weise Ökonomie beisammen zu halten , daß sie immer mit leidlichem Anstand in der Welt bestehen konnten . Er murmelte einige sonderbare Worte , die wie ein keineswegs günstiger Kassenüberschlag klangen . Die Reise nach Angerode hat Geld gekostet , sagte Dankmar ungeduldig ... Und mein Bild ist noch nicht verkauft , fiel Siegbert in jenem murmelnden bedenklichen Tone ein , der auf eine augenblickliche finanzielle Ebbe zu deuten schien . Aber was machen wir uns denn für Sorge ! fuhr Dankmar plötzlich auf . Du hast ja hundert Thaler bei dir . Ich - hundert Thaler ? Was fällt dir ein ? Wozu die Bedenklichkeiten ! Der Rothkopf ist ein Capitalist , der mit unsern Zinsen zufrieden ist . Sahst du denn nicht , daß er uns ein Zwangsdarlehen aufdrängte ? Gieb nur her ! Zwanzig Thaler genügen . Für das Übrige wird unser Schutzgeist sorgen . Siegbert , fast voll Entrüstung , zögerte ... Es ist Unrecht von dir , mich in solche Versuchungen zu führen ! sagte er ; dein abenteuerlicher , mir jetzt noch lächerlicher Schrein ! Ich verstehe dein archivalisches Unglück gar nicht , kann deine finanzielle Ungeduld gar nicht schätzen .... Was weiß ich denn , was hier so Wichtiges auf dem Spiele steht ! Ich will nicht sagen , daß ich - er lenkte dabei freundlicher ein - zu Hause aus unserm Staatsschatze diese zwanzig Thaler nicht wieder ergänzen könnte ... Das