keine Ahnung von den Dingen , die ihrer warten . Zwar beunruhigt sie der Gedanke an die französische Republik und die Flucht Louis Philipps , des bösen Blutes wegen , das so ein Beispiel diesseits des Rheins hervorbringen könnte . Doch sind sie eben so sehr davon überzeugt , daß die Republik keinen Bestand haben könne , wie davon , daß dies böse Beispiel in unserm lieben Deutschland keine Nachahmer finden werde . Ich erwähne diese Stimmung in den » höheren Regionen « übrigens nur beiläufig , als schlagenden Beleg für die Wahrheit , daß Gott den mit Blindheit schlägt , den er verderben will . Denn im Uebrigen ist unsere Sache nach allen Anzeigen so weit gediehen , daß wir theils nicht mehr Rücksicht auf » Stimmungen « zu nehmen brauchen , theils auch nicht mehr können . Auch die Nachrichten aus den Provinzen lauten günstig . Man spricht sogar von einer Lossagung der Rheinlande von Preußen und einer Anschließung an die französische Republik . Schlesien ist noch ruhig , aber hält seine Blicke fest auf den Rhein gerichtet . Vorzugsweise aber regt sich ' s in Posen . Es wird dort bedeutend gearbeitet . Was mich tief niedergeschlagen hat , ist die Bemerkung , daß alle Briefe , die ich erhalten , von Berlin nichts erwarten . Nun , ich hoffe , Berlin wird sich Achtung zu erzwingen wissen . - Aus Wien habe ich ebenfalls Nachrichten vom Präsidenten der Achtzehner und vom Pater Angelikus . Beide lauten günstig und übereinstimmend dahin , daß Alles auf ' s Beste vorbereitet ist und der Hauptschlag wahrscheinlich schon erfolgt ist , wenn wir dieses lesen . Ein Gemurmel des Beifalls lief über die Lippen der Anwesenden bei dieser Nachricht . - Diese Briefe habe ich vor einer halben Stunde von einer Freundin erhalten ; und nun rathet einmal , wer sie mir gebracht hat ? - - Unsere Präsidentin . Diesmal hatte es nicht bei einem bloßen Gemurmel sein Bewenden . Die Gesellschaft brach in einen Schrei des freudigsten Erstaunens aus und bestürmte den lächelnden Gilbert mit Vorwürfen , daß er Alicen nicht mitgebracht . Nur Ralph verharrte düster und in sich gekehrt auf seinem Platze . - Es war unmöglich - fuhr Gilbert fort - Alice war zu angegriffen von der schnellen Reise , auch war ich nicht gewiß , ob die Versammlung vollzählig sein würde . Auf Morgen denn . - Nun kommt die Reihe an Euch , Rapport abzustatten . Wo ist der Lieutenant ? - Er ist heute nicht hier gewesen - lautete die Antwort . - Ha , - das ist fatal . Was kann die Ursache davon sein ? - sagte Gilbert nicht ohne Unruhe - Ihr hättet nach ihm schicken sollen . Holm ! - Hier - antwortete eine Stimme am Ende des Tisches . - Gut - sagte Gilbert , eine Schreibtafel hervorlangend . - Was hast Du von den Künstlern zu berichten ? - Wir sind jetzt auf 85 angewachsen , lauter sichere Leute , meistens Bildhauer und Maler . Mit den Musikern will ' s nicht recht gehen . Die Kerls sind unzuverlässig und feige . Schade , sie sind der Zahl nach am stärksten . Aber wir mußten vorsichtig sein . Mit der Bewaffnung will ' s auch nicht recht vorwärts . Wir haben einige zwanzig Büchsen , aber keine Munition . Hier ist mein Beglaubigungsmandat für den Fall , daß Beschlüsse gefaßt werden sollten . - Wo ist Euer Versammlungslokal ? - - Unser Versammlungslokal ? - fragte der junge Maler erstaunt . - Nun , allerdings . Was wunderst Du Dich darüber ? Oder haltet Ihr keine Versammlungen ? - Freilich halten wir Versammlungen . Allein - Ralph , der bei der ersten Frage Gilbert schon mit aufmerksamem Auge betrachtet , sagte jetzt , einen festen Blick auf ihn richtend : Die einzelnen Versammlungslokale werden nicht angegeben ; wir haben das so ausgemacht , damit , wenn ja ein Verräther unter uns sein sollte , wenigstens nur wir , die Vertreter der verschiedenen Corps , nicht die ganzen Corps compromittirt werden können . Wir müssen sicher gehen , das werdet Ihr einsehen . Gilbert antwortete kein Wort , doch wer , wie Ralph , ihn mit mißtrauischem Auge betrachtete , würde bemerkt haben , daß ihm diese Einrichtung nicht angenehm war . - Außerdem - fuhr Ralph in demselben düstern Tone fort - ist ausgemacht , daß Niemand Etwas unter uns aufschreibe von Dingen , die die Gesellschaft betreffen , und deshalb nehme ich mir die Freiheit , dieses Blatt zu zerreißen . - Er ergriff mit diesen Worten die Schreibtafel Gilberts und war im Begriff , sie in den Kamin zu werfen , in dem noch einige Kohlen brannten , als Gilbert mit einer Hast , die von Ralph nicht unbemerkt blieb , ihm in den Arm fiel und ihn so an seinem Vorhaben hinderte . - Was soll das bedeuten , Bursche ? - rief er aus , indem er krampfhaft die Faust ballte . - Hast Du Lust , hier den Diktator zu spielen ? Es herrschte während dieser Scene ein peinliches Stillschweigen in der Gesellschaft , bis endlich der alte Steiger , von seinem ihm durch das Alter gewährten Vorrecht Gebrauch machend , sich in ' s Mittel legte . - Das fehlte noch , daß die Beiden einander in die Haare geriethen . Seid gescheut , Gilbert , und nehmt ' s Euch nicht zu Herzen . Und Du , Freund Grobian , machst mir keine dummen Streiche , hörst Du ? - Ein vielsagender Blick , den Ralph vom alten Steiger erhielt , schien endlich auf ihn zu wirken . Er reichte demselben die Hand und verließ , ohne ein Wort weiter zu sagen , das Gemach . Gilbert fühlte sich durch Raph ' s Entfernung offenbar erleichtert und wandte sich jetzt an Steiger mit dem Ersuchen , seinen Rapport abzustatten . - Nun bei uns - sagte dieser - steht