. Dem fliegenden Blumenstaube gleichen alle Worte ; sie sind Geister der Lüfte , fliegen im Winde , hängen in Menschenohren sich , lassen sich tragen , wohin ihre Fuße gehen , lassen sich absetzen , wo sie stehen und sitzen , keimen und wuchern , und wer sie hergetragen , vergißt man . Wer später ihren Wuchs sieht , wundert sich , errät das Geheimnis nicht , weiß nicht , wie lange solche Geschichten wachsen und fort und fort wachsen weit , weit von dem Leben weg , in welchem sie sich zugetragen haben sollen ; er weiß nicht , wie leicht lange Geschichten sprossen können aus einem geflügelten Wort , das in eines Bettlers Ohr sich hängt . So wurde jetzt viel geredet allenthalben von der unglücklichen Familie , denn gar zu oft flogen solche gefährliche Luftgeister , die so gerne hängen bleiben , ums Haus herum . Und je weniger man vorher Ursache gehabt hatte , über sie zu reden , um so mehr redete man jetzt und entschädigte sich gleichsam für das frühere Schweigen , so wie die , welche zu fasten belieben , sich auch durch desto mächtigeres Essen entschädigen , wenn die Fasten zu Ende gegangen . Mehr oder weniger mochten es ihnen alle gönnen . Da sehe man jetzt , sagten die Leute , die hätten immer besser sein wollen als Andere , und wegen fünftausend Pfund täten sie so nötlich . Wenn sie ein solches Vermögen hätten wie jene , sie wollten nicht nebenume luegen , aber da sehe man jetzt , daß sie das Geld noch lieber hätten als andere Leute und daß sie nur die guten Leute machten , wo sie es mit ein paar Birenschnitzen und öppe einer Handvoll Mehl zwegbringen könnten . Nein , die hätte man so weit und breit gerühmt und bsunderbar viel auf ihnen gehalten , aber wegen fünftausend Pfund schämten sie sich doch , so wüst zu tun . Die Weiber absonderlich konnten ihre Freude nicht verbergen . Wegen Christen sei es ihnen leid , sagten sie ; mit dem könnte jede vernünftige Frau nachkommen , und Manche wäre froh , der Ihrige wäre nur halb so gut wie Christen . Wenn man mit ihm zu reden komme , so sei es nicht , daß er die Sache nicht verstehe , so ausbündisch könne nicht Mancher über alles Bescheid gehen wie er . Aber Änni , der Gränne , möchten sie es gönnen , der geschehe es vom Tüfel recht . Die habe gemeint , sie habe die Weisheit mit Kaffeechachelene trunke , habe alle Weiber verachtet , mit keinem Gemeinschaft haben , weit und breit die Beste sein wollen , habe die armen Leute auf begehrisch gemacht , daß man ihnen nicht genug habe geben können . Ja sie seien imstande gewesen , ihnen das Brot wieder zu Füßen zu werden und zu sagen : Sie sollen es dem Hund geben , wenn er es möge , sie wüßten einen Ort , wo man für arme Leute Brot hätte , das sie essen könnten . Die hätte gemeint , sie hätte kein Fleckli nirgends und es solle kein Mensch etwas über sie sagen und der liebe Gott könnte seine Beine nicht stille halten im Himmel vor Freude , daß einmal so eine in den Himmel käme , und jetzt könne man sehen , wie die eigentlich seien , wo besser sein wollen wie alle Andern . Sie hätten schon lange gesagt , wenn der nicht etwas auf die Nase werde , so wüsse man nicht , ob man noch an eine Gerechtigkeit glauben solle oder nicht . Aber wohl , jetzt sei es gekommen ; an der Hälfte hätten sie mehr als ds Halbe zviel , und es könnte sie jetzt bald noch dauern . Aber wunder nähme sie es , ob Änni jetzt Die Milch hinuntergelassen und ob es jetzt mit Leuten wie sie sich abgeben möchte . Aber jetzt möchten sie auch nicht . Seien sie ehemals nicht gut genug gewesen , so wußten sie jetzt auch nicht , warum so eine jetzt ihnen gut genug sein sollte . So räsonierten die Weiber ; die Männer machten es etwas kürzer , und Änneli fand vor ihnen mehr Gnade als Christen . Da müßte man doch blind sein , wenn man nicht wüßte , wer den Wagen in den Hag gefahren und jetzt nichts mit ihm anzufangen wüßte . Es sei bei einem so großen Hofe nichts verderblicher , als wenn man immer um eine Arbeit hintendrein sei . Das sei gerade , wie wenn man an einem Morgen nicht auf möge und am Abend nie nieder könne . Drüben aber gehe es so , und daran sei Christen schuld . In der Haushaltung , welche Änneli regiere , da habe alles seine Zeit , und man habe nie gehört , daß die Diensten nicht zu rechter Zeit essen könnten . Und was Änneli unter seinen Händen habe , das suche es zu guter Losung zu bringen , während Christen nichts aus den Händen lassen könne und im Handel ein rechter Fösel sei , jeder Schulbub möge ihn . Sie wollten mit Änneli wohl nachkommen , es sei eine manierliche Frau , und wenn eine einen solchen Mann hätte , so nehme es sie nicht wunder , wenn sie zuweilen auch ein Wort dazu sagen wolle . Es wäre wohl gut und käme Manchem wohl , es würde keine schlimmeren Weiber geben als Änneli . Dann sagten wohl die Weiber : Es gebe keine wüstern Hüng als das Mannenvolk ; es brauche eine nur wüst zu tun , so gefiele sie allen wohl . Es gelüstete sie , den Männern es zu zeigen , wie einem sei bei so einem Änni ; es nehme sie wunder , ob sie nicht bald aus einem andern Loche pfiffen . Aber es sei ein wüst Volk , und alles sei ihnen recht , außer was ihre eigene Frau täte ; die könnte es ihnen in