und , benebst den Pflastersteinen des Hofplatzes , samt allen entbehrlichen Hausmobilien , nach und nach in Geld umgesetzt . Derweilen biß auch der Wappenlöwe in das Gras , darauf bröckelte der Bewurf von den Wänden , und dann wich die Giebelmauer gefährlich aus ihrer lotrechten Stellung , ohne daß eine Reparatur versucht werden konnte , weil die rohen Handwerksleute nur , wenn sie Geld sehen , Hand und Fuß regen . Viertes Kapitel Die blonde Lisbeth In dem nach und nach sotanerweise herabgekommenen sogenannten Schlosse Schnick-Schnack-Schnurr mußte sich der alte Baron mit seiner Tochter Emerentia , die seit dem Eintritte in die stehenden Jahre so sehr an Fülle zunahm , wie die Mittel abnahmen , kümmerlich und einsam behelfen . Die Jagd hatte natürlich aufgehört , weil die Waldgründe verschwunden waren , in denen dieses Vergnügen sich betreiben läßt , und an Spiel war auch nicht mehr zu denken ; man hätte um Rechenpfennige die Stiche machen müssen . Allmählich waren daher auch die Freunde seltener geworden , zuletzt blieben sie ganz aus , waren auch wohl zum Teil gestorben . Vater und Tochter hätten sich am Ende den Kaffee und die spärlichen Mahlzeiten selbst bereiten müssen , denn auch die Bedienten und Mägde schlichen sich allgemach aus Mangel der Bezahlung weg , wäre diesem dürftigen und zusammensinkenden Haushalte nicht eine Stütze in der blonden Lisbeth erwachsen , welche , sobald sie die Hände zu Dienstleistungen zu regen imstande war , dem alten Baron und dem Fräulein wie die geringste Magd aufwartete , kochte , wusch , säuberte , dabei aber immer hold und freundlich aussah , und wenn sie das Schwerste verrichtet hatte , so tat , als habe sie nichts getan . Die blonde Lisbeth war ein Findelkind . Ein altes Weib hatte einst vor Jahren eine große Schachtel , mit kleinen Löchern versehen , auf das Schloß gebracht , sie einem Bedienten übergeben , und ihm gesagt , darin sei ein Geschenk für den Herrn , welches ein guter Freund schicke . Indem nun der Bediente die Schachtel zu dem gnädigen Herrn hineintrug , fing das Geschenk darin an , sich zu regen , und ein feines Geschrei zu erheben . Der Mensch hätte es bald vor Schreck zu Boden fallen lassen , besann sich indessen doch , und setzte die Schachtel vorsichtig auf einen Tisch in des gnädigen Herrn Zimmer . Der alte Baron öffnete den Deckel , und ein kleines Mägdlein von höchstens sechs Wochen streckte ihm aus den Lümpchen , womit der arme Wurm kümmerlich bekleidet war , wie hülfeflehend die Ärmchen entgegen , indem die kleine Kehle sich wacker in den ersten Lauten übte , welche die Menschheit von sich gibt . Übrigens lag das Kindlein weich in Baumwolle gebettet . Sonst aber fanden sich durchaus keine Amulette , Kleinodien , Kreuze , versiegelte Papiere , welche auf den Ursprung des kleinen Wesens hindeuteten , und ohne welche ein wohlkonditionierter Romanenfindling sich eigentlich gar nicht sehen lassen darf . Kein Mal unter der linken Brust , kein eingebranntes , oder eingeätztes Zeichen am rechten Arme , von welchem sich dermaleinst im Schlafe das Gewand verschieben konnte , daß jemand , der zufällig die Schlafende sieht , Soupçon bekommt , und weiter nachfragt , wie ? oder wann ? und so fort - kurz nichts , gar nichts , so daß mir selbst um die Wiedererkennung bange wird . Nur ein graues Blatt Papier lag in der Schachtel , mit der Nachricht beschrieben , daß das kleine Mädchen christlich getauft sei und Elisabeth heiße . Die Worte waren kaum leserlich ; der Schreiber hatte offenbar seine Hand verstellt . Ringsumher in den Ecken des Blattes wimmelte es von Buchstaben , Krähen-und Krackelfüßen , die aber trotz aller Bemühungen , sie zusammenzustellen , sich denselben ebensowenig fügten , als die Charaktere , welche auf dem Papiergelde sich zerstreut vorzufinden pflegen . Dieses Blatt war um einen Zylinder geschlungen , welcher zwei optische Gläser einfaßte . Der alte Baron nahm den Zylinder , blickte durch das Okularglas , richtete das Perspektiv gegen das Freie , um sich die Erläuterung des Fundes aus der Luft zu holen , aber soviel er auch richtete und durchblickte , er bekam nichts , als blaue Luft und verworren-schwimmende Gegenstände zu sehen . Über diesen vergeblichen Anstrengungen , die Krackelfüße zusammenzustellen , und durch das optische Glas die Wahrheit zu entdecken , war wohl eine halbe Stunde vergangen , während welcher der Baron noch gar nicht dazu gekommen war , sich nach dem Geber der vor ihm liegenden Gottesgabe zu erkundigen . Auch der Bediente , der mit aufgesperrtem Munde bald das Kind , bald die Anstrengungen seines Gebieters betrachtete , hatte bisher verabsäumt von dem alten Weibe zu reden . Endlich verfiel der alte Baron auf die unter den obwaltenden Umständen so natürliche Frage , der Bediente gab die Auskunft , die er erteilen konnte , wurde der Spitzbübin nachgesandt , rannte einen halben Tag lang in allen Richtungen umher , kam aber unverrichteter Sache zurück , denn er hatte weder das alte Weib gesehen , noch jemand getroffen , der sie gesehen hätte . Inzwischen waren die Frauen , die alte Baronesse , welche damals noch lebte , und Fräulein Emerentia , in das Zimmer getreten , und der alte Baron , der mit seiner eigenen Verwunderung noch zu schaffen hatte , mußte jetzt dem Sturme von Ausrufungen und Fragen Rede stehn , welcher über die Lippen der Gemahlin und Tochter strich . Eine Dienerin war gefolgt und sorgte , während die Herrschaften über die Exegese des Ereignisses verhandelten , für die notdürftige Fütterung und Stillung des noch immer schreienden Kindes . Als dieses still , lächelnd und schlummernd wieder in seiner Schachtel lag , setzte sich die Familie um den Tisch , worauf letztere stand , zu einer Beratung nieder , was mit dem Findlinge zu beginnen sei . Der Haus-und Schloßherr , dessen Torheiten nur von seiner unverwüstlichen Gutmütigkeit übertroffen wurden , war sofort der Meinung