, Gottlob , sein Brot zu erwerben . Von wo aus hat er Ihnen geschrieben ? fragte der Pfarrer , indem er nahe zu dem alten Manne hintrat , eine Hand auf seine Schulter legte und ihm scharf in die Augen sah . Ich habe den Ort vergessen , erwiederte Lorenz zögernd . Aber Ihr Sohn ist in Schlesien ? fuhr der Pfarrer fort zu fragen . Der Brief hat keinen gar weiten Weg gemacht ? Ja , in Schlesien ist er , stotterte der Alte . Hm ! sagte der Pfarrer , indem er seine Hand von der Schulter des alten Sünders zurücknahm , der sich dadurch sehr erleichtert zu fühlen schien . Der Geistliche ging einige Male im Zimmer auf und ab , und blies den Rauch aus seiner Pfeife gedankenvoll vor sich hin . Wenn Sie mir also nicht helfen wollen , Herr Pfarrer , fing nach einem kurzen Schweigen der alte Lorenz wieder an , so will ich Sie Gottes Schutz befehlen und mich wieder auf den Rückweg nach meiner armen Hütte begeben . Ich hatte die Absicht , sagte der Pfarrer , indem er dem Alten wieder vertraulich näher trat , noch mit Ihnen über andere Gegenstände zu sprechen und Ihnen einen Weg zu zeigen , auf dem Sie vielleicht Geld erhalten könnten , ohne es zu leihen ; denn Sie wissen , geliehenes Geld macht nur eine halbe Freude , das Wiedergeben fällt gar zu schwer . Man muß sich vor der Zeit darüber nicht grämen , lächelte der Alte . Doch lassen Sie hören ; wenn man gar nicht für die Erstattung zu sorgen braucht , so ist es freilich am Besten . Setzen wir uns , sagte der Pfarrer , und lassen Sie uns offenherzig sprechen . Sie sehen , wir sind allein , und was wir auch sprechen mögen , es kann keine Folgen haben , da kein Zeuge vorhanden ist , um die Aussage , die Sie etwa machen wollten , für Sie bedenklich zu machen . Befremdet und mißtrauisch sah der Alte den Pfarrer an , indem er seiner Einladung folgte . Beide setzten sich , so daß ein kleiner Tisch zwischen ihnen war . Sie hatten , hob der Pfarrer von Neuem und etwas feierlich an , auf dem Schlosse die Schlüssel zum Archiv in Händen , nicht wahr ? Ich hatte viele Schlüssel , sagte der Alte trotzig , so lange ich das Schloß verwaltete , Gott weiß , was sie Alles schlossen , ich habe mich nie darum bekümmert . Sie sind aber doch wohl oft im Archiv gewesen ? fragte der Pfarrer , indem er ihn bedenklich anblickte . Wie kann ich wissen , wo ich im Schlosse gewesen bin , oder nicht , sagte Lorenz nicht ohne Verlegenheit . Es ist wohl viel verlangt , daß ein alter Diener Rechenschaft darüber ablegen soll , wo er vierzig Jahre lang seine Füße hingesetzt hat , oder wo er in einem alten , weitläuftigen Gebäude nicht gewesen ist . Ich begreife nicht , sagte der Pfarrer mit einem mißtrauischen Blicke , wie meine Fragen Sie so unruhig machen können . Und ich begreife noch weniger , antwortete Lorenz mit erzwungener Keckheit , wer Ihnen ein Recht giebt , mir alle diese Fragen vorzulegen . Mich bestimmt , erwiederte der Pfarrer mit Herablassung , vor allem das Mitleid , welches ich mit Ihnen habe , denn mir würde es leid thun , einen alten Mann , den ich so lange gekannt habe , unglücklich werden zu sehen . Was wollen Sie damit sagen ? fragte der Alte mit einiger Bestürzung . Der Pfarrer richtete die Augen scharf auf den vor ihm sitzenden Sünder , und sagte dann langsam und nachdrücklich : Der Graf vermißt aus dem Archive eine ihm wichtige Schrift , sie ist warscheinlich entwendet , Niemand als Sie hat vor dem Grafen die Schlüssel gehabt ; auf wen kann der Verdacht fallen , als auf Sie ? Was gehen mich die Schriften des Grafen an , sagte der Alte ; ich habe sie nie angesehen , ich habe mich nie darum bekümmert , und der Graf hat mir ja die Schlüssel abgenommen , so wie er kam ; warum hat er nicht gleich gesprochen , was will er nun von mir ? Sie waren also niemals im Archiv , um die Schriften zu durchsuchen ? fragte der Geistliche gelassen . Niemals , antwortete Lorenz mit Frechheit , meine Hände haben die alten bestäubten Dinger nicht angerührt . Alter heuchlerischer Schurke ! rief der Pfarrer , indem ihn die Verachtung unwillkührlich hinriß , und zugleich zog er sein Taschenbuch hervor und zeigte dem alten Lorenz seine angefangenen Abschriften . Sie können Ihre Hand nicht ableugnen , rief er ihm drohend hinzu , und sehen Sie , Ihre Handschrift straft Ihre Worte Lügen . Wo ist die Urkunde hingekommen , fuhr er fort , weswegen haben Sie sie abgeschrieben ? Ich weiß es nicht , sagte der Alte zitternd und ernstlich erschrocken . Wahrscheinlich um mich im Schreiben zu üben . Mein Gott , Herr Pfarrer , fuhr er weinend fort , Sie werden doch einen alten Mann nicht unglücklich machen und ihn nicht solcher Dinge beschuldigen wollen , die er nie begangen hat . Ich will Ihr Unglück nicht , sagte der Pfarrer , und eben so wenig der Graf . Es trifft Sie der wahrscheinliche Verdacht , die Urkunde entwendet zu haben ; schaffen Sie sie wieder herbei , und der Graf ist bereit , die Sache zu vergessen und Ihnen noch funfzig Dukaten zu schenken . Was ich nicht habe , kann ich nicht herbeischaffen , sagte Lorenz wieder ruhiger , nachdem der Pfarrer Geld geboten hatte , Sie kränken meinen ehrlichen Namen , Herr Pfarrer , Gott mag Ihnen die Sünde vergeben . Der Geistliche that sich Gewalt an , um gelassen zu bleiben , er sagte aber dennoch mit unwillkürlicher Heftigkeit : Wenn Sie nicht selbst Ihr Unglück wollen , so handeln