, die er überall versuchte , als Jeronimo ins Gefängnis geworfen wurde wegen Karbonarismus , ein Recht über des jüngern Bruders Leib und Leben zu haben sich überredete , sondern bald wurde es Ziel und Plan bei ihm , einen Menschen , dem nicht zu helfen war , gänzlich zu unterdrücken und das Vermögen an sich zu ziehen , welches Jeronimo noch besaß und möglicherweise auf irgendeine seiner flüchtigen Neigungen vererben konnte . Von einer neuen Torheit , die Jeronimo beging , wußte Luigi erst kaum , wie er sie behandeln sollte . Er hatte ihm von Wally geschrieben , von ihrer Jugend und Schönheit . Jeronimo bat ihn , nichts von ihren Reizen zu übergehen . Luigi fährt in seinen Entzückungen fort , und Jeronimo schwört ihm in einem Briefe , daß Wally nur für ihn bestimmt wäre . » Lächerlicher Einfall ! « sagte Luigi , als er am Tage seiner Hochzeit diesen Brief empfing . Aber Jeronimo hörte in seinen Grillen nicht auf . Er drohte , noch in Haft befindlich , die er sich durch eine unbesonnene Tötung zugezogen hatte , mit dem Äußersten . Die Idee schien fix bei ihm geworden zu sein . Es ist nicht unmöglich , daß man in ein Bild sich verlieben kann . Arme Wally ! Mußte deine glatte , stille , liebliche Seele , dein nüchternes , von allem Exzentrischen abseites Leben in solche Strudel gerissen werden ? Luigi wußte , daß sein Bruder nach Paris kommen würde . Er hatte ein Mittel gegen ihn und scheute sich nicht , da er sahe , welchen Eindruck Wally auf Jeronimo machte , es in Anwendung zu bringen . Was war ihm Wally ? Welche Genüsse gewährte sie ihm ? Und doch war er nicht so niedrig , sie an seinen Bruder gleichsam verkaufen zu wollen ; er war mehr bös als gemein , mehr europäisch schlecht als italienisch ordinär . Er wollte Jeronimos Neigung im Schach erhalten und davon Gewinste ziehen . Sein Geiz sahe mit Schrecken , wie des Bruders Vermögen in den durstigen Sand der Pariser Vergnügungen und Ausschweifungen verrinnen würde . Er sahe schon tausend Arme geöffnet , tausend Zärtlichkeiten als Falle gelegt , er zitterte vor dem weiten Meere , dessen Abgrund bald Jeronimos Erbe verschlingen mußte . Er wollte es retten . Er wollte es absorbieren , erst , wie er glaubte , um es zu bewahren , dann , um es nie wieder herauszugeben . Wally mußte zu diesem Zwecke dienen . Ihre Koketterie mußte Jeronimo fesseln und unglücklich machen . Luigi arbeitete planmäßig , um das Hirn des Bruders zu verrücken . Er brachte Grüße , Zärtlichkeiten , Locken und zwang den Glücklichen , von Wally sich immer wieder enttäuschen zu lassen . Jeronimo war schwach , ein Kind , eine tote Hand seines Vermögens . Luigi eignete sich alles zu . Wer kann zweifeln , daß Wally imstande war , durch ihre unzähligen kleinen Charakterlosigkeiten einen Mann zu vernichten ? Sie tat es , ohne darum zu wissen . Sie wurde unbewußt das Werkzeug einer nichtswürdigen Intrigue . 8 Jeronimo hatte früher eine glänzende Wohnung besessen , jetzt mußte er sich einschränken . Er trat in Paris mit all dem Glanze auf , der der Wiederschein seines Vermögens war ; jetzt hatte ihn eine unglückliche Leidenschaft so gebeugt , daß er nicht einmal das Schmerzliche seiner gegenwärtigen Lage empfand . Er dämmerte in seiner Idee hin . Er gab alles seinem Bruder , seitdem er keine Bedürfnisse mehr kannte . Sein ganzes Vermögen wurde Luigi verschrieben . Zuweilen , am frühsten Morgen , wenn noch keine Seele auf der Straße war , besuchte ihn dieser und stieg die vier Treppen hinauf , über denen Jeronimo wohnte . Denn er wollte nicht , daß sein Bruder irgendeinen Groll gegen ihn faßte . Er gab sich immer das Ansehen , als sorgte er väterlich für den Verlassenen , als bewahre er ihm seine Glücksgüter , die in seiner trüben Seelenstimmung ihm doch eine Last sein würden . So hatte er auch eines Morgens bedächtig an die Tür der kleinen Kammer gepocht , welche Jeronimo bewohnte . Er trat hinein und fand seinen Bruder lang ausgestreckt auf einem schlechten Bett , dessen er sich als eines Sofa bediente . An den kahlen Wänden hingen einige schlechtgemalte Heiligenbilder . Auf den Kissen rings lagen die zerstreuten Bestandteile einer ganz mangelhaften Toilette ; auf dem Tische einige Bücher , die mit Staub bedeckt waren und deshalb ahnen ließen , daß Jeronimo noch aus sich selbst Trost und Unterhaltung schöpfen konnte . Als Luigi eintrat , sprang sein verlassener Bruder auf , grüßte mit einer mechanischen Höflichkeit , für welche er selbst keinen Grund wußte , räumte schnell einen Stuhl ab und schob ihn zurück , um seinem Besuche Platz zu machen . » Ist sie wohl ? « war seine erste Frage . Luigi bejahte sie mit dem Lächeln eines Mannes , der hier gleichsam sagen wollte : Es hängt alles von dir ab ! oder : Du kannst Vorteil davon ziehen ! Aber Jeronimo war nicht so starken Glaubens . » Sie liebt mich nicht ! « rief er aus , » sie ist grausam und kalt ! Man sieht , daß ein solches Herz nur im Norden geboren werden konnte . « » Was hängst du auch , mein Sohn ! « entgegnete Luigi , » dieser Grille nach ? Warum sich einer Leidenschaft hingeben , welche ohne alle innere Begründung ist und die nur dazu dient , dein ganzes Leben zu verwirren ? « » Sie läßt mich nicht mehr vor ! « » Du zwingst sie dazu ; denn Sie liebt mich von Herzen . Was richtest du an ! Du bist in der glänzendsten Lage , bist reich , jung , hast eine ausgesuchte Bildung ; warum entziehst du dich der Gesellschaft ? Warum diese schlechte Wohnung , die dich um deine Annehmlichkeiten und mich um meinen Kredit bringt ? Warum dieser