, und schöne Sträußer von Leuchtkugeln stiegen jungfräulich in die Lüfte , und auf den Nachen sang man Lieder , und im Vorbeifahren warf man sich Kränze zu und Trauben ; da wir nach Hause kamen , so war ' s spät , aber der Mond leuchtete hell ; ich sah zum Fenster hinaus und hörte noch jenseits das Toben und Jauchzen der Heimkehrenden , und diesseits , nach der Seite , wo sie tot am Ufer gelegen hatte , war alles still , ich dacht , da ist keiner mehr , der nach ihr frägt , und ich ging hin , nicht ohne Grausen , nein , mir war bang , wie ich von weitem die Nebel über den Weidenbüschen wogen sah , da wär ich bald wieder umgekehrt , es war mir , als sei sie es selbst , die da schwebte und wogte und sich ausdehnte ; ich ging hin , aber ich betete unterwegs , daß mich Gott doch schützen möge ; - schützen ? - Vor was ? Vor einem Geist , dessen Herz voll liebendem Willen gewesen war gegen mich im Leben ; und nun er des irdischen Leibs entledigt ist , soll ich ihn fürchtend fliehen ? - Ach , sie hat vielleicht einen bessren Teil ihres geistigen Vermögens auf mich vererbt seit ihrem Tod . Vererben doch die Voreltern auf ihre Nachkommen , warum nicht die Freunde ? - Ich weiß nicht , wie weh mir ist ! - Sie , die freundlich Klare , hat meinen Geist vielleicht beschenkt . Wie ich von ihrem Grab zurückkam , da fand ich Leute , die nach ihrer Kuh suchten , die sich verlaufen hatte , ich ging mit ihnen ; sie ahndeten gleich , daß ich von dort her kam , sie wußten viel von der Günderode zu erzählen , die oft freundlich bei ihnen eingesprochen und ihnen Almosen gegeben hatte ; sie sagten , sooft sie dort vorbeigehen , beten sie ein Vaterunser ; ich hab auch dort gebetet zu und um ihre Seele , und hab mich vom Mondlicht reinwaschen lassen , und hab es ihr laut gesagt , daß ich mich nach ihr sehne , nach jenen Stunden , in denen wir Gefühl und Gedanken harmlos gegeneinander austauschten . Sie erzählte mir wenig von ihren sonstigen Angelegenheiten , ich wußte nicht , in welchen Verbindungen sie noch außer mir war ; sie hatte mir zwar von Daub in Heidelberg gesprochen und auch von Creuzer , aber ich wußte von keinem , ob er ihr lieber sei als der andre ; einmal hatte ich von andern davon gehört , ich glaubte es nicht , einmal kam sie mir freudig entgegen und sagte : » Gestern hab ich einen Chirurg gesprochen , der hat mir gesagt , daß es sehr leicht ist , sich umzubringen « , sie öffnete hastig ihr Kleid und zeigte mir unter der schönen Brust den Fleck ; ihre Augen funkelten freudig ; ich starrte sie an , es ward mir zum erstenmal unheimlich , ich fragte : » Nun ! - Und was soll ich denn tun , wenn Du tot bist ? « - » O « , sagte sie , » dann ist Dir nichts mehr an mir gelegen , bis dahin sind wir nicht mehr so eng verbunden , ich werd mich erst mit Dir entzweien . « - Ich wendete mich nach dem Fenster , um meine Tränen , mein vor Zorn klopfendes Herz zu verbergen , sie hatte sich nach dem andern Fenster gewendet und schwieg ; - ich sah sie von der Seite an , ihr Auge war gen Himmel gewendet , aber der Strahl war gebrochen , als ob sich sein ganzes Feuer nach innen gewendet habe ; - nachdem ich sie eine Weile beobachtet hatte , konnt ich mich nicht mehr fassen , - ich brach in lautes Schreien aus , ich fiel ihr um den Hals und riß sie nieder auf den Sitz und setzte mich auf ihre Knie und weinte viel Tränen und küßte sie zum erstenmal an ihren Mund und riß ihr das Kleid auf und küßte sie an die Stelle , wo sie gelernt hatte das Herz treffen ; und ich bat mit schmerzlichen Tränen , daß sie sich meiner erbarme , fiel ihr wieder um den Hals und küßte ihre Hände , die waren kalt und zitterten , ihre Lippen zuckten , sie war ganz kalt , starr und totenblaß und konnte die Stimme nicht erheben ; sie sagte leise : » Bettine , brich mir das Herz nicht « ; - ach , da wollte ich mich aufreißen und wollte ihr nicht wehtun ; ich lächelte , weinte und schluchzte laut , ihr schien immer banger zu werden , sie legte sich aufs Sofa ; da wollt ich scherzen und wollte ihr beweisen , daß ich alles für Scherz nehme ; da sprachen wir von ihrem Testament ; sie vermachte einem jeden etwas ; mir vermachte sie einen kleinen Apoll unter einer Glasglocke , dem sie einen Lorbeerkranz umgehängt hatte ; ich schrieb alles auf ; im Nachhausegehen machte ich mir Vorwürfe , daß ich so aufgeregt gewesen war ; ich fühlte , daß es doch nur Scherz gewesen war oder auch Phantasie , die in ein Reich gehört , welches nicht in der Wirklichkeit seine Wahrheit behauptet ; ich fühlte , daß ich Unrecht gehabt hatte und nicht sie , die ja oft auf diese Weise mit mir gesprochen hatte . Am andern Tag führte ich ihr einen jungen französischen Husarenoffizier zu mit hoher Bärenmütze ; es war der Wilhelm von Türkheim , der schönste aller Jünglinge , das wahre Kind voll Anmut und Scherz ; er war unvermutet angekommen ; ich sagte : » Da hab ich Dir einen Liebhaber gebracht , der soll Dir das Leben wieder lieb machen . « Er vertrieb uns allen die Melancholie ; wir scherzten und machten Verse , und da der schöne Wilhelm die