! « betheuerte Willhild . Ich darf einen Eid darauf ablegen : » Auch hat noch keine Christenseele erfahren , daß das Herrlein ... nicht mehr bei uns . « » So sey es auch ferner ! « sprach Margarethe lebhaft : » Sein . Tod sey ein Geheimniß für die Welt . « » Der Vater muß jedoch erfahren ... « meinte Willhild . » Er am allerwenigsten ; « versetzte Margarethe herrisch : » Vor der Hand zum mindesten nicht . Du weißt übrigens , was ich Dir auf den Fall des Ablebens unsers Sohnes neulich vertraute ? « » Als ob es gestern gewesen wäre ; « erwiederte Willhild . » Mein Eheherr , fuhr Margarethe fort : kaum von schwerer Krankheit genesen , hat nicht das geringste von Johannes Siechthum erfahren . Noch weniger erfahre er seinen Tod , wenn es mir gelingt , wovon ich Dir jüngst sagte , und Du mir Deinen Beistand nicht entziehen willst . « » Gewiß nicht ! ehrsame Frau ! « gelobte Willhild . » Auch meinen Mann , den einfältigen Kumpan , will ich schon unterweisen . Er kömmt ohnedieß nie hieher gen Frankfurt . « » Aber der Pfarrherr , den des Knaben Leiche bestattete ... ? « fragte Margarethe . - » I nun ! « meinte Willhild , nach einigem Besinnen : » Wenn Ihr nicht schelten wollt , möchte ich Euch wohl gestehen , daß ich , Euren frühern Reden eingedenk , dem Leutpriester von Wiesbaden vorgelogen habe , der Knabe sey mein eigner Sohn gewesen . « » Gut ! « rief Margarethe und ein Strahl der freude flog über ihr Angesicht : » diese Lüge soll dir herrlich belohnt werden , wenn die Hauptsache erst in Richtigkeit ist . « » Freilich ; « versetzte Willhild etwas ängstlich : » ich sehe nur nicht ab , wie ihr das alles in ' s Werk richten wollt . « » Meine Sorge ! « sprach die edle Frau : » Wenn nur der Zufall seinen Segen gibt . Es pochte an der Thüre , leise und verstohlen . Margarethe fragte auffahrend , wer ihre Einsamkeit störe . Zu dem Schlüsselloch stahl sich aber eine zarte Stimme in ' s Gemach , die versicherte , insgeheim und auf der Stelle mit der gestrengen Frau sprechen zu müssen . Margarethe winkte der Bäuerin in das Seitengemach , und öffnete die Thüre , durch welche Ben Davids Tochter herein schlich . Wie verschieden war aber ihr Aussehen , ihre Kleidung von der Tracht und dem Benehmen des gestrigen Tages . Statt des seidnen Gewandes , mit köstlichen Blumen besät , mit Fransen geschmückt , und von einem silbernen Reif , der Gürtelstelle war , zusammengehalten , hieng heute ein ärmlich unsauber Kleid um ihren schöngeformten Körper , dessen Reize in der groben Hülle ihr Grab fanden . Die von wollenen Streifen umwickelten Füße schlurften in schweren Holzschuhen einher , und das blühende Gesicht war unkanntlich gemacht durch die tief anliegende Kopfbinde und den groben kurzen Schleier , der Haar , Wange und Hals neidisch und unbildlich versteckte . In solcher Vermummung mußte , wenn es - wiewohl selten - die Nothwendigkeit erheischte , die musterhaft gebildete Jungfrau ihr Haus verlassen , wie ein Weib der niedersten Volksclasse . Diese abscheuliche Larve mußte ihren Wohlstand vor dem Blicke des Neiders , ihre Schönheit vor den Begierden des Wollüstigen sicher stellen und verbergen . « Die Hausfrau war unangenehm durch die Erscheinung überrascht , und fragte hastig und unwirsch nach des Mädchens Begehr ; aber ihr Gesicht wurde freundlicher , ihr Wort sanfter , da sie Ben Davids Botschaft vernahm . Sinnend rieb sie sich die Stirne , und sprach nach kurzem Besinnen : » Dein Vater mag noch diesen Abend kommen , in ehrbarer Tracht . Meine Mägde werde ich aus dem Hause senden , und eine vertraute Frau zur Thürhüterin bestellen . Um die siebente Stunde erwarte ich ihn , wenn die Glocke Achte schlägt , kommt mein Eheherr nach Hause , und darf ihn um Alles in der Welt nicht mehr finden . Geh jetzt von dannen . « Margarethe wunderte sich nicht wenig , als die Dirne nicht von der Stelle wich , sondern eines Schauens nach einer Schilderei starrte , die über dem Putztische der Altbürgerin hing . Und da das Mädchen auch auf eine wiederholte Mahnung nicht von dannen ging , so wandte sich Margarethe mit einem ungeduldigen : Verdammter jüdischer Eigennutz ! von ihr ab , suchte nach einigen Hohlpfennigen in ihrem Wetscher1 , und drückte dieselben , mit der Weisung , das Trinkgeld zu nehmen , und endlich zu scheiden , in Esthers widerstrebende Hand . Ben Davids Tochter kam zu sich , und wies erröthend die Gabe von sich . - » Bist du so stolz , schmutzige Jüdin , « sprach Margarethe dadurch gereizt ; » daß Dir dieser Lohn zu gering erscheint , für welchen Andere Deines gleichen einen falschen Eid leisten würden . « » Ob mit diesem Gelde ein falscher Schwur sich bezahlen läßt , weiß ich nicht ; « antwortete Esther mit leichtem Unwillen : » aber Ihr könntet meinen Gang , ohne mir durch schnödes Almosen weh zu thun , besser vergelten , sonder Geld und Gabe . « » Wie das ? « fragte Margarethe stolz . » Mit einem freundlichen Wort ; « erwiederte Ben Davids Tochter : » Sagt mir doch , gnädige Frau , ... wer ist der Reiter dort auf dem Bilde , der die Schlange todt sticht unter seines Pferdes Hufen ? « » Der Reiter hat nichts mit Dir und Deinem Volke gemein , « versetzte Diether ' s Gattin nicht ohne Hochmuth . » Er ist ein Heiliger unsrer Kirche , ein Streiter für den Glauben , der allein selig macht , und man nennt ihn den frommen Ritter Georg . « » Der Ritter Georg ? « fragte Esther schlau und ihre Bewegung verbergend