unsern Häupten sehen , und doch wüßten wir Mädchen im stillen das Umgekehrte zu sagen , das auch gölte , wie es gerade hier der Fall ist . Die Schöne findet Verehrer , auch Freier , und endlich wohl gar einen Mann ; dann gelangt sie zum Wahren , das nicht immer höchst erfreulich sein mag , und wenn sie klug ist , widmet sie sich dem Nützlichen , sorgt für Haus und Kinder und verharrt dabei . So habe ich ' s wenigstens oft gefunden . Wir Mädchen haben Zeit zu beobachten , und da finden wir meist , was wir nicht suchten . « Ein Bote vom Oheim traf ein mit der Nachricht , daß sämtliche Gesellschaft auf ein nahes Jagdhaus zu Tische geladen sei , man könne hin reiten und fahren . Hersilie erwählte zu reiten . Felix bat inständig , man möge ihm auch ein Pferd geben . Man kam überein , Juliette sollte mit Wilhelm fahren und Felix als Page seinen ersten Ausritt der Dame seines jungen Herzens zu verdanken haben . Indessen fuhr Juliette mit dem neuen Freunde durch eine Reihe von Anlagen , welche sämtlich auf Nutzen und Genuß hindeuteten , ja die unzähligen Fruchtbäume machten zweifelhaft , ob das Obst alles verzehrt werden könne . » Sie sind durch ein so wunderliches Vorzimmer in unsere Gesellschaft getreten und fanden manches wirklich Seltsame und Sonderbare , so daß ich vermuten darf , Sie wünschen einen Zusammenhang von allem diesem zu wissen . Alles beruht auf Geist und Sinn meines trefflichen Oheims . Die kräftigen Mannsjahre dieses Edlen fielen in die Zeit der Beccaria und Filangieri ; die Maximen einer allgemeinen Menschlichkeit wirkten damals nach allen Seiten . Dies Allgemeine jedoch bildete sich der strebende Geist , der strenge Charakter nach Gesinnungen aus , die sich ganz aufs Praktische bezogen . Er verhehlte uns nicht , wie er jenen liberalen Wahlspruch : Den Meisten das Beste ! nach seiner Art verwandelt und Vielen das Erwünschte zugedacht . Die Meisten lassen sich nicht finden noch kennen , was das Beste sei , noch weniger ausmitteln . Viele jedoch sind immer um uns her ; was sie wünschen , erfahren wir , was sie wünschen sollten , überlegen wir , und so läßt sich denn immer Bedeutendes tun und schaffen . In diesem Sinne « , fuhr sie fort , » ist alles , was Sie hier sehen , gepflanzt , gebaut , eingerichtet , und zwar um eines ganz nahen , leicht faßlichen Zweckes willen ; alles dies geschah dem großen , nahen Gebirg zuliebe . Der treffliche Mann , Kraft und Vermögen zusammenhaltend , sagte zu sich selbst : Keinem Kinde da droben soll es an einer Kirsche , an einem Apfel fehlen , wornach sie mit Recht so lüstern sind ; der Hausfrau soll es nicht an Kohl noch an Rüben oder sonst einem Gemüse im Topf ermangeln , damit dem unseligen Kartoffelgenuß nur einigermaßen das Gleichgewicht gehalten werde . In diesem Sinne , auf diese Weise sucht er zu leisten , wozu ihm sein Besitztum Gelegenheit gibt , und so haben sich seit manchen Jahren Träger und Trägerinnen gebildet , welche das Obst in die tiefsten Schluchten des Felsgebirges verkäuflich hintragen . « » Ich habe selbst davon genossen wie ein Kind « , versetzte Wilhelm ; » da , wo ich dergleichen nicht anzutreffen hoffte , zwischen Tannen und Felsen , überraschte mich weniger ein reiner Frommsinn als ein erquicklich frisches Obst . Die Gaben des Geistes sind überall zu Hause , die Geschenke der Natur über den Erdboden sparsam ausgeteilt . « » Ferner hat unser würdiger Landherr von entfernten Orten manches Notwendige dem Gebirge näher gebracht ; in diesen Gebäuden am Fuße hin finden Sie Salz aufgespeichert und Gewürze vorrätig . Für Tabak und Branntwein läßt er andere sorgen ; dies seien keine Bedürfnisse , sagt er , sondern Gelüste , und da würden sich schon Unterhändler genug finden . « Angelangt am bestimmten Orte , einem geräumigen Försterhause im Walde , fand sich die Gesellschaft zusammen und bereits eine kleine Tafel gedeckt . » Setzen wir uns « , sagte Hersilie ; » hier steht zwar der Stuhl des Oheims , aber gewiß wird er nicht kommen , wie gewöhnlich . Es ist mir gewissermaßen lieb , daß unser neuer Gast , wie ich höre , nicht lange bei uns verweilen wird : denn es müßte ihm verdrießlich sein , unser Personal kennen zu lernen , es ist das ewig in Romanen und Schauspielen wiederholte : ein wunderlicher Oheim , eine sanfte und eine muntere Nichte , eine kluge Tante , Hausgenossen nach bekannter Art ; und käme nun gar der Vetter wieder , so lernte er einen phantastischen Reisenden kennen , der vielleicht einen noch sonderbarern Gesellen mitbrächte , und so wäre das leidige Stück erfunden und in Wirklichkeit gesetzt . « » Die Eigenheiten des Oheims haben wir zu ehren « , versetzte Juliette ; » sie sind niemanden zur Last , gereichen vielmehr jedermann zur Bequemlichkeit . Eine bestimmte Tafelstunde ist ihm nun einmal verdrießlich , selten , daß er sie einhält , wie er denn versichert : eine der schönsten Erfindungen neuerer Zeit sei das Speisen nach der Karte . « Unter manchen andern Gesprächen kamen sie auf die Neigung des werten Mannes , überall Inschriften zu belieben . » Meine Schwester « , sagte Hersilie , » weiß sie sämtlich auszulegen , mit dem Kustode versteht sie ' s um die Wette ; ich aber finde , daß man sie alle umkehren kann und daß sie alsdann ebenso wahr sind , und vielleicht noch mehr . « - » Ich leugne nicht « , versetzte Wilhelm , » es sind Sprüche darunter , die sich in sich selbst zu vernichten scheinen ; so sah ich z.B. sehr auffallend angeschrieben : Besitz und Gemeingut ; heben sich diese beiden Begriffe nicht auf ? « Hersilie fiel ein : » Dergleichen Inschriften , scheint es