wie ein Feuermeer auf das Pfarrhaus ; doch zum Glück zündete er nicht und beschädigte Niemanden . Aber am folgenden Morgen sah man , wie der Blitz das ganze Dach zerschmettert hatte , und der alte Herr Pfarrer war vom Schrecken so hart befallen worden , daß er nach wenigen Tagen starb . Da schimpften die Goldenthaler auf die Regierung , und sagten : » Die Regierung ist an dem ganzen Unglück Schuld . Denn hätte sie nicht verboten , beim Hochgewitter mit der Glocke zu läuten , so wäre das nicht geschehen . Sonst hat man doch das Wetter , wenn es kam , wegläuten können ; jetzt ist das verboten . Die großen Herren haben keine Religion mehr im Leibe . Nun haben wir das Unglück . « - So sprachen die Goldenthaler . Oswald aber sagte : » Wie denket ihr doch in euerm Herzen so thöricht , und sprechet mit euerm Munde so lästerlich . Die Regierung hat den Blitz nicht auf das Dach des Pfarrhauses gezogen , sondern der metallene Knopf mit der eisernen Wetterfahne hat es gethan . Denn es hat Gott in die Natur des Blitzes gelegt , immer dem Wasser oder den Metallen auf der Erde nachzugehen , besonders den metallenen Spitzen . Das hat Gott gethan , auf daß der Mensch erkenne , wie er sich vor der Gewalt des Blitzt verwahren könne . Denn sobald der Blitz Metalle findet , an denen er bis in den Erdboden dringen kann , ist er unschädlich . « So sprach Oswald , und führte die Bauern auf das Dach des Pfarrhauses . Da sahen sie Alle in dem vergoldeten Knopf kleine eingeschmolzene Löcher , und sahen , wie der Blitz den aufrechtstehenden Nägeln der Hohl- und Eckziegel am Dache nachgelaufen war , bis unter das Dach zu einem Eisendraht , an welchem man vor der Hausthür zu klingeln pflegte , wenn man zum Herrn Pfarrer wollte . Weil nun der Blitz solch einen eisernen Weg zur Stunde gefunden , war das übrige Haus von ihm verschont worden , und ein kalter Schlag geblieben , wie die Bauern sagten . Er wäre aber , hätte er jenes leitende Eisenzeug nicht gefunden , wohl leicht ein gar heißer Schlag geworden . Oswald sprach ferner : » Weil die Kirchthürme hohe Spitzen tragen und viel Eisenwerk im Innern , geschieht es oft , daß der Blitz sie trifft . Und weil daher schon mancher arme Mensch beim Gewitterläuten erschlagen worden ist , hat die hohe Obrigkeit das unnütze und abergläubige Läuten verboten . « So sprach Oswald ; und weil er merkte , daß sich seit der Zeit viele Leute vor dem Blitzstrahl mehr als vorher fürchteten , that es ihm leid . Und er sprach : » Angst und Schrecken beim Gewitter sind ein Unglück ; das Gewitter selbst ist ein Segen des barmherzigen Gottes für die Länder , deren Lüfte er reinigen und deren Boden er befruchten will . Darum legt euern Kummer ab . Gehet hin , befestiget auf dem Giebel eures Hauses eine eiserne Spitze , eines Schuhes hoch ; knüpfet daran einen eisernen Draht , nicht dicker als die Spule einer großen Schreibfeder , der muß über das Dach herab bis zur Erde gehen in eine feuchte Stelle . So habet ihr dem Blitz einen Weg gemacht , auf dem er unschädlich zur Erde fährt , wenn der Draht ein einziges Stück ist von oben bis unten , und ihr ihn sauber haltet von allem Rost und Schmutz . Ein Blitzableiter ist ein Furchtableiter , und bewahrt zugleich Haus und Dorf gegen ein mögliches Unglück und Feuersbrunst durch den Strahl . « Also redete der Schulmeister , und setzte auf sein eigenes Haus eine Eisenspitze mit dem daran herabhängenden Draht ( denn Elsbeth fürchtete sich stark bei Gewittern ) . Der Müller hatte dergleichen schon längst in der Stadt gesehen und that es auch . Viele Bauern folgten dem Beispiel nach , denn es kostete nicht viel und half doch zur Beruhigung . Andere aber nahmen in ihrer Dummheit daran großes Hinderniß und sagten : » Heißt das nicht , unserm Herrgott nach den Augen stechen und ihm Gesetze vorschreiben ? Kann er nicht mit seinen Blitzen treffen , wen er will ? Werden die vielen Wetterstangen nicht die fruchtbringenden Gewitter verhindern und schlechte Witterung machen ? « Da antwortete der Schulmeister und sprach : » Ihr Thoren , die Wetter Gottes gehen über tausend Spitzen der Bäume des Waldes , wie über kahle Ebenen ; und seine Blitze befruchten den Erdboden , sie mögen in den Wipfel der Eiche oder in Eisenstäbe , oder in See ' n , Flüsse und Meere fallen . Aber der Herr gab uns Einsicht , auf daß wir uns bewahren sollen vor dem Schaden , den die herrlichste Sache am unrechten Ort stiftet . Das Feuer ist mit Licht und Wärme wohl ein herrliches Ding , aber nicht wenn das Haus brennt . Darum gab uns Gott das Wasser zum Löschen des Feuers . Brauchet ihr nun das Wasser zum Löschen des Feuers , warum traget ihr Bedenken , das Eisen zum Löschen des Blitzes zu gebrauchen ? Es ist kein Uebel in der Welt , Gott hat uns dagegen ein Mittel gegeben . Aber der Mensch soll es erkennen und mit Dank empfangen . Wer nun in blinder Verstocktheit das Mittel verschmäht , ist ein Verächter von Gottes theuersten Gaben , und leidet gerechte Strafe , es sei , daß sein Haus verbrenne von der Flamme des Feuers , oder daß sein Haupt vom Blitzstrahl getroffen werde . « Viele glaubten an diese verständige Reden . Andere aber , die Blöden und Hochmüthigen , verachteten solche Worte in ihrem Herzen , und wollten nicht zugeben , daß es der Schulmeister besser verstehe , als sie ; denn sie schämten sich dumm zu sein , und wollten ihrer Unverständigkeit das Ansehen der Klugheit verleihen . Die Stelle des verstorbenen Herrn Pfarrers blieb nicht lange