Ehrenkreise seiner Zeit , seines Volkes , ohne große Begebenheiten , bloß durch sich selbst heraus gerissen worden ; mit Schrecken dachte er , daß eine Revolution gerade notwendig solche Menschen an ihrer Spitze tragen müsse , und mancher jugendliche Umwälzungsplan , den er mit dem gärenden Moste der Zeit getränkt hatte , verschwand vor seinen Augen in dem einen bedeutenden Augenblicke ; nur der Ruchlose fängt eine neue Welt an in sich , das Gute war ewig ; das Bestehende soll gut gedeutet werden , sagt ein tiefer Denker1 , dem folgt Deutschland in seiner Entwickelung . Es wurde ihm so wohl , indem er rasch fortreitend dieser ruhig fortschreitenden Bildung des geliebten Vaterlandes gedachte ; er sah schon bis zur Hütte herunter alles in behaglicher , selbständiger Freiheit , daß schon das schöne Verhältnis im unbedeutendsten Baue , das Wohlgefällige im ärmlichsten Anzuge es dartaten , ein höheres Leben habe sich bis zu allen äußersten Punkten verbreitet ; es dringe die Blütezeit hervor , auf welche die Dichter schon lange vergebens hoffen . Wurde ihm aber recht wohl und freudig , so schwebte ihm jedesmal unwillkürlich seine Frau vor , die jetzt in höchster Blüte ihrer Schönheit alles erstaunte und bezwang ; er pflegte sich dann ein lautes Glückauf zu rufen . Diesmal spornte er mit lustigem Eifer sein Pferd , sah mehr nach den Wipfeln der Bäume , die über ihm rauschten und taumelten , als nach dem Wege , der unter ihm hallte . Er glaubte noch auf dem rechten Fußpfade zu sein , und an der Furt , die er gut kannte , als er seinen Hengst heftig in den Fluß spornte , vor dem er scheute . Kaum war er drin , so merkte er , daß dies eine andre sehr tiefe heftig strudelnde Stelle sei , sein Pferd wollte er nicht verlassen und konnte es auch nicht , das Wasser hatte ihm die Bügel angedrückt ; es schwamm schlecht und versank immer tiefer . Endlich zeigte sich am Ufer ein neugieriges schwach wieherndes Pferd ; gleich war sein Hengst von neuer Kraft durchdrungen , arbeitete sich empor und ohne Unterlaß ans Land , von wo sich das grasende Pferd im plumpen Umschwenken ungeschickt in des Waldes Dickicht flüchtete . Diese Lebensrettung durch die Zuneigung der beiden Pferde , so zufällig sie sein mochte , hatte einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht ; es tat ihm so leid dieses Ungeschick des grasenden Pferdes , dessen dumme Flucht es eines guten Futters beraubte , das er ihm im Schlosse zudachte ; er wollte es dahin treiben , aber es war ihm nicht beizukommen , also drehte er sein Pferd nicht ohne Widerstand nach seinem Schlosse um , jagte immer schneller je näher , und als er endlich die Waldhörner seines Jägers hörte und das Tüchlein seiner Frau ihm winkte , da ging es in vollem Laufe in den Torweg und im Schwunge vom Pferde , mit klirrendem Sporne die Treppen hinauf zu Dolores . - » Du lebst und er ist tot ? « rief sie ihm entgegen , » sehnlich habe ich dich erwartet ! « - » Wir leben beide « , antwortete der Graf lächelnd ; » wie du vom Tode eines Menschen redest , und weinst doch über einen Nietnagel . Er ist tot und nicht tot , wie du es nennen willst , im bessern Sinne ist er es schon lange ; - deine Ehre habe ich in der Tasche , sieh da , sie ist ganz naß geworden , aber nicht verlöscht und nicht zerrieben . « - Der Gräfin war es eigentlich nicht ganz recht , daß ihr Beleidiger nicht umgekommen : wir werden die Gründe nachher erfahren ; doch verbarg sie das unter Liebkosungen ; sie erzählte dem Grafen so viel Schönes , wie sie den Tag bei einer Einsiedlerin zugebracht habe . » Wo wohnt die ? « fragte der Graf neugierig . Die Gräfin zeigte weithin nach einer Ecke des Waldes , und erzählte dann , wie ihre Kammerjungfer Rosalie sie dahin geführt ; sie habe ein artig Hüttchen gefunden mit Rasen ganz bedeckt , mit zwei kleinen Fenstern und einer Türe versehen , vor welchem ein verbranntes Mädchen von auffallend nach einer Seite zusammengezogenen Zügen und listigen Blicken einige Töpfe ausgewaschen , die ihr zugerufen : » Woher du glänzende Schönheit im weißen Kleide mit dem schmutzigen Saume ? « - » Das Mädchen ist wohl toll ? « fragte der Graf . - » Keinesweges « , antwortete Dolores , » sie ist ungemein gescheit , aber sie ist zu gescheit , zu witzig für Bauersleute ; sie hat über Vater und Mutter und Bruder und Bräutigam so viel Spott ergossen , der aber wahr ist , bis sie endlich von ihren Eltern nach dem Stadttollhause gebracht worden . Dort kam sie unter städtische Leute und redete allen so zu Dank , daß sie mit dem Zeugnisse eines völlig gesunden Verstandes zurückging ; aber gleich wie sie wieder zu ihrem Vater kam , redete sie so böse Worte darüber , daß er seinen einen Strumpf verkehrt angezogen , daß weder er noch irgend einer im Dorfe sie aufnehmen wollte . Sie ging trotzig aus dem Dorfe , wie sie sagte , weil die Dummheit sich immer so breit setze , daß für die Klugheit kein Platz übrig sei . Ihr Bräutigam , der vergebens getrachtet hatte , sie bei seinen Verwandten unterzubringen , ward traurig über dieses Ereignis und bot ihr sein Haus an , sie sollte drin schon jetzt als seine Frau schalten und walten . Sie aber fragte ihn kalt : Da soll ich wohl kochen und backen und brauen für alle ; Sommers auf dem Felde arbeiten , Winters spinnen , mit Schmerzen Kinder gebären und die kleinen schmutzigen Tiere säugen und waschen und wickeln ? Ich bin Euch recht gut , aber daraus wird nichts ; ich will eine Jungfer bleiben und mir mit Botenlaufen meinen Unterhalt verdienen ,