. Ich trat in die Laube , in der ich Niemand sah , und war im Begriff , mich auf die Rasenbank zu werfen , als ein Korb mit vielen Knäueln von Goldfaden , und einigen Spindeln von Purpurwolle , der auf dem Tische stand , mir in die Augen fiel . Dieser Anblick , die Einsamkeit der Scene ließ mich vermuthen , daß die Gebieterin des Hauses diesen Platz gewählt habe , und schon wollte ich mich entfernen , als ein zweiter Blick auf den Korb mich festhielt . Eine dunkle wehmüthige Erinnerung , süße halbverwischte Bilder , die immer lebhafter wurden , wachten in meiner Seele auf . Ich konnte die Augen nicht von dem Korbe wenden , es war mir , ich hätte ihn schon irgendwo gesehen , er war mir nicht fremd , und an sein Bild kettete sich eine Reihe von seltsamen Gedanken und Empfindungen , bis auf einmal die Gewißheit - es war derselbe Korb , den ich vor mehr als zwölf Jahren selbst geflochten , und Larissen am Geburtstage voll Blumen gebracht hatte - hell und erschütternd vor mir stand . In der heftigsten Bewegung ergriff ich den Korb , besah ihn einmal , und war im Begriff , ihn an meine Lippen zu drücken , als ein kleines Geräusch mich aufmerksam machte . Ich sah mich um . Eine schlanke weibliche Gestalt , in lange fließende Gewänder gekleidet , das Haupt mit einem Schleier bedeckt , trat in den Eingang der Laube , und schien vor Erstaunen gefesselt stehen zu bleiben . Auf einmal drang eine Stimme , die mein Innerstes aufregte , in mein Ohr : » Ist ' s möglich , sehe ich den Sohn des Hegesippus wieder ? Bist du ' s , Agathokles ? « Die Gestalt näherte sich , und schlug den Schleier zurück . O Götter , allmächtige Götter ! Es war Larissa ! Wir flogen einander in die Arme , wir vermochten nicht zu sprechen , wir fühlten nur das Glück , uns nach acht hoffnungslosen Jahren wieder zu sehen . Auf einmal richtete sich Larissa in meinen Armen auf , ich sah ihr Gesicht mit einer tödtlichen Blässe überzogen , sie trat einen Schritt zurück , und sagte mit gebrochener Stimme : » Ich bin die Frau des Demetrius ! « Ich erstarrte - mehr über ihren Anblick , als den verhängnißvollen Inhalt ihrer Worte . » Meine Larissa ! « hob ich von Neuem an , und wollte mich ihr nähern . Nein ! nein ! rief sie , und machte mit der Hand eine Bewegung , als wollte sie mich entfernen . In dem Augenblicke wurde sie noch bleicher , ihre Kniee zitterten , sie wankte , ich umfaßte sie , und sie glitt aus meinen Armen auf die Rasenbank . » Ach Agathokles ! « rief sie schmerzhaft , » warum haben wir uns jetzt gefunden ? « Ich sah , daß sie einer Ohnmacht nahe war , ich strebte ihr zu helfen , ich wollte ihre Frauen rufen ; » Laß , « rief sie , mit kaum hörbarer Stimme ! » Laß uns allein . « Hier brach ihr Blick und Stimme , und sie sank ganz bewußtlos an meine Brust . O ihr Götter , welch ein Augenblick ! Nach so vielen Leiden , so langer Entbehrung schien sie im Augenblicke des Wiedersehens an meiner Brust zu vergehen ! Was ich gethan , um sie wieder zu erwecken , weiß ich selbst nicht mehr , kaum daß ich es damals wußte . Endlich schlug sie die Augen auf , sie sah mich an . - O Phocion ! Was ist die Liebe , wenn sie nicht aus diesen Blicken sprach ! Und doch - Ich schloß sie fest an meine Brust , ich sagte ihr Alles , was mir mein Herz eingab . Sie hörte mich stumm aber ohne Widerstreben an , ihr Auge hing unverwandt an den meinigen . Endlich brach sie in Thränen aus . » Du hast mich nicht vergessen , meine Larissa ! du liebst mich noch , « rief ich entzückt . Ihr Blick wurde auf einmal finster , sie hob ihren Kopf von meiner Schulter auf , sie zog sich zurück , drückte mich mit dem Arm weg , und sagte mit dumpfer Stimme : » Nein , ich darf nicht - ich bin verheirathet . « Das Gewicht dieser Worte fiel auf mein Herz ! Ich sah unser Unglück , den Abgrund , an dem wir standen . Aber Tiridates Hoffnungen strahlten durch die dunkle Nacht meiner Seele , ich näherte mich ihr wieder : Sollte denn keine Hoffnung zur Vereinigung seyn , keine Möglichkeit ? sagte ich mit neuem Muthe . » Keine , keine , « rief sie gewaltsam , und ihre Thränen verdoppelten sich . Ich drang heftig in sie , sich zu erklären . Sie schluchzte , daß ihre Brust bebte . Nach einer Weile erhob sie sich . » Agathokles , « sagte sie mit himmlischer Güte , » verlaß mich , dringe jetzt nicht in mich , ich bin unfähig , mit dir zu sprechen . Wenn du mich liebst , Freund meiner Jugend ! so gönne mir Ruhe . Geh ' , ich werde mich zu fassen suchen . Sende mir in einer Weile meine Sclavinnen , daß sie mich zurückbegleiten . Ich fühle es , ich bin nicht im Stande , das Haus zu erreichen . « Ich wollte sprechen , ich wollte sie unterstützen . Mit gerungenen Händen und einem Blicke , der mehr sagte , als ihr bang geschlossener Mund , drang sie auf meine Entfernung . Ich verließ sie , und fand mich nach einiger Zeit in meinem Zimmer wieder . Erst lange darnach vermochte ich den Begebenheiten , die mir wie ein Traum vorkamen , nachzudenken . Wenig tröstlich war , was Vernunft und Ueberlegung mir sagten ; dennoch schien es mir weder möglich noch nöthig , jede Hoffnung