Er zog den Ehemannsvexierzug : » Schweig ! « Sie tats immer sogleich , wiewohl mit dem Entschluß , etwas später erst recht anzufangen . Man schritt zur Abendtafel , wie man dastand , Walt im Schanzlooper , obgleich in der Heuernte , weil er sein Nanking-Röckchen schonte . Goldinens Freudenwein war mit vielen Tränen über die Trennung des Morgens gewässert . Der Notar war unendlich entzückt über die Entzückung des Vaters , welcher allmählich , da er sie ein wenig verdauet hatte , nun milder wurde und anfing , mit Tranchiermesser und Gabel der noch fliegenden gebratenen Taube der Erbschaft entgegenzugehen und dem Sohne zum erstenmal in seinem Leben zu sagen : » Du bist mein Glück . « So lange verharrte Vult auf dem Baume . Als aber die Mutter nun erst die ausführlichen Berichte Schomakers über den Flötenspieler um ihr warmes Herz versammlen wollte , stieg er , um nichts zu hören , weil ihm der Tadel bitterer war als das Lob süß , vom Baume herunter , schon beglückt genug durch den Bruder , dessen Unschuld und Dichtkunst ihn so liebend-eng umstrickten , daß er gern die Nacht im Abendrot ersäuft hätte , um nur den Tag zu haben und den Poeten an der Brust . Nr. 12. Unechte Wendeltreppe Reiterstück Früh am betaueten blauen Morgen stand der Notar schon unter der Haustüre reit- und reisefertig . Er hatte statt des Schanzloopers den guten gelben Sommer-und Frühlings-Rock von Nanking am Leibe , weil er als Universalerbe mehr aufwenden konnte , einen runden weißen braungeflammten Hut auf dem Kopf , die Reitgerte in der Hand und Kindestränen in den Augen . Der Schulz rief halt , sprang zurück und sogleich wieder her mit Kaiser Maximilians Notariatsordnung , die er ihm in die Tasche steckte . Drüben vor dem Wirtshause stand der knappe flinke Student Vult im grünen Reisehut und der Wirt , welcher der Familien-Antichrist und ein Linker war . Das Dorf wußte alles und paßte . Es war des Universalerben erster Ritt in seinem Leben . Veronika - die ihm den ganzen Morgen Lebensregeln für Eröffnung und Erfüllung des Testaments vorgezeichnet hatte - zerrete den Schimmel am langen Zügel aus dem Stall . Walt sollte hinauf . Über den Ritt und Gaul wurde von der Welt schon viel gesprochen - mehr als ein Elterleiner versuchte davon ein leidliches Reiterstück zu geben , lieferte aber freilich mehr die rohen Farbhölzer auf die Leinwand als deren feinsten Absud - auch ist das mein erstes Tierstück von Belang , das ich in die Gänge dieses Werks aufhänge und festmache - - : ich werde demnach einige Mühe daran wenden und die größte Wahrheit und Pracht . In der Apokalypsis stand so lang ein alter verschimmelter Schimmel , bis ihn der Fleischer bestieg und aus ihr in die Zeit herüberritt . Der poetische Lenz liegt weit hinter dem Gaul , wo er eignes Fleisch statt des fremden trug und mit eignen Haaren den Sattel auspolsterte ; er hat das Leben und den Menschen dieses reitende Folterpferd der wunden Natur - zu lange getragen . Der aus zitternden Fühlfaden gesponnene Notar , der den Tag vorher im Stalle um dessen Keilschrift der Zeit , um die Stigmen von Sporen , Sattel und Stangengebiß , herumging , hätte für Geld keinen Finger in die Narben legen können , geschweige am Tage darauf die Knuten-Schneide oder den Sporendolch . Hätte doch der Himmel dem Konföderations-Tiere des Menschen nur irgendeinen Schmerzenslaut beschert , damit der Mensch , dem das Herz nur in den Ohren sitzt , sich seiner erbarmte . Jeder Tierwärter ist der Plagegeist seines Tiers ; indes er gegen ein anderes , z.B. der Jäger gegen das Pferd , der Fuhrmann gegen den Jagdhund , der Offizier gegen Leute außer dem Soldatenstande , ein wahres weichwolliges Lamm ist . Dieser Schimmel betrat am Morgen die Bühne . Der Notar hatte den Tag vorher den Gaul an eine seiner Gehirnwände festgebunden und - wie die rechte Seite des Konvents und des Rheins - sich immer die linke vorgestellt , um daran aufzusteigen ; - in alle Stellungen hatt ' er in seinen vier Gehirnkammern das Schulroß gedreht , geschwind es links bestiegen und so sich selber völlig zugeritten für den Gaul . Dieser wurde gebracht und gewandt . Gottwalts Auge blieb fest an den linken Steigbügel gepicht - aber sein Ich wurd ' ihm unter den Händen zu groß für sein Ich - seine Tränen zu dunkel für sein Auge - er besteige , merkt ' er , mehr einen Thron als einen Sattel - die linke Roßseite hielt er noch fest ; nur kam jetzt die neue Aufgabe , wie er die eigne linke so damit verknüpfen könnte , daß beide die Gesichter vorwärts kehrten . - Wozu die teuflische Qual ! Er probierte , wie ein preußischer Kavallerist , rechts aufzuspringen . Pfiffen Leute wie Vult und der Wirt seine Probe aus , so zeigten sie weiter nichts , als daß sie nie gesehen hatten , wie emsig preußische Kavalleristen auf dem rechten Bügel aufsitzen lernen , um gesattelt zu sein , falls einmal der linke entzweigeschossen wird . Auf dem Sattel hatte nun Walt als Selbst-Quartiermeister das seinige zu tun , alles zu setzen - sich gerade und sattelfest - , auszubreiten - die Finger in die Zügel , die Rockschöße über den Pferderücken - , einzuschichten - die Stiefel in die Steigeisen - ; und anzufangen - den Abschied und Ausritt . An letztern wollte der gesetzte Schimmel nicht gerne gehen . Walts delikates Rückwärtsschnalzen mit der Gerte war dem Gaule so viel , als wichse man ihn mit einem Pferde-Haar . Ein paar mütterliche Handschläge auf den Nacken nahm er für Streicheln . Endlich kehrte der Gerichtsmann eine Heugabel um und gab ihm mit dem Stiel auf den Hinterbacken einen schwachen Ritterschlag , um damit seinen Sohn als Reiter aus dem Dorfe in die Welt zu schicken , sowohl in die gelehrte als schöne . Das war dem