, dann soll ich urtheilen , und nur bis dahin seiner Versichrung trauen , daß er nicht willkührlich mit mir verfährt . - Meine Abreise soll für Albret ein Geheimniß bleiben . Warum ? das weiß ich noch nicht , doch diese geheimnißvollen Wesen , die jetzt über mich gebieten , sollen mir von Allem Rechenschaft geben . Schon morgen reise ich ; darum vergönne mir heute , Dich ungestört zu sehen . Freudig will ich die letzten köstlichen Tropfen der Gegenwart trinken . Ich bin glücklich ; ich habe keinen Sinn für Trennung und für Schmerz . Wir werden uns bald , freudig und liebend wiedersehn . Siebenzehnter Brief Amanda an Eduard Sie erschrecken mich . - Ich hatte mich so sehr an mein Glück gewöhnt , daß ich , wie ein Kind glaubte , es könne nie anders werden . Und nun , schon jetzt ? - Ach ! diese Trennung ist nicht gut ! keine ist es . Kommen Sie bald , damit Ihre Gegenwart mir Alles klärer und heitrer mache . Achtzehnter Brief Amanda an Julien Es ist vorbei ! - Zwei Wesen sind getrennt , die ohne einander nicht leben können . Abgerissen sind die Fäden , die mein Herz an das gesellige Leben banden , und alle Freuden erscheinen mir ohne ihn , wie entseelte Körper . - O ! allmächtiges Gefühl der Liebe , das im Innersten des Herzens wohnt , und mit unbekannter Kraft , Trauer oder Freude über die ganze Welt ausgießet , vergebens müht sich der bildende Verstand , Dir die Erscheinungen nach seinem Gefallen darzustellen , vergebens strebt die meisternde Vernunft , Dich in ihre Formen zu gießen - in hoher Freiheit , waltest Du , unumschränkt nach Deinem Willen . Deine Wahl ist die ewige Harmonie der Natur , der geheime Zusammenklang lebendig fühlender Wesen . Ewig suchst Du darnach , und , wo Du sie findest , aller Schranken und Hindernisse spottend , da ist einzige , ewige Wahrheit . Oft weißt Du in der Tiefe des Unglücks , Dir Deinen Triumpf zu bereiten , nach dem vergebens das glücklichste Leben sich sehnt . Und weh ' dem , dem es gelingt , mit Dir den kalten Bund zu schließen , daß Du folgsam Dich den niedern Bedingungen des Verstandes anschmiegst ; denn bald schweigst Du ihm ganz , und er steht da , ein kaltes , trauriges Monument , des einst in ihm wohnenden Lebens ! - O ! Julie ! ich war glücklich ! glücklich , wie es wol nie eine Sterbliche war , und werden wird ! - Stunden hoher Begeisterung und ruhiger Einfalt , der geistigsten , schönsten Poesie , und bescheidner , nüchterner Lebensfreuden , schlossen sich reizend an einander . Ja ! es gab Momente , wo uns das Herz so groß ward , wo uns Phantasie , Liebe und Naturgenuß , ganz über alle gewöhnliche Verhältnisse hinweg , ins Gebiet der Ideale empor hob , wo wir alles andere verachteten , und zu sterben wünschten , weil nach solchen Augenblicken , kein irdisches Glück mehr unsrer Sehnsucht werth schien . Aber es gab auch Stunden , Tage , wo wir friedlich auf dem sanften Strom des gewöhnlichen Lebens hinabgleiteten , uns in den mannigfaltigen Beziehungen der Menschen , in geselligen Verhältnissen glücklich fühlten , und mit freundlicher Ruhe einander ins Auge blickten . - Das war es eben , was uns so selig machte , daß wir uns allenthalben begegneten , auf den ewigen Höhen der Begeisterung , und in den flüchtigen Wellen des Augenblicks , allenthalben uns einander nahe fühlten . - Und dies alles ist vorbei ! Julie , wenn Du dies je gefühlt hast , wenn Du es nur ahnen kannst , so komm zu mir , und lehre mich , mich selbst ertragen ! - Eine stürmische Sehnsucht ruft mich weg in ferne Gegenden , wo ich ihm zu begegnen hoffe . Wilde Phantasien umschwärmen mich ; es ist der sanfte Ton der Empfindung nicht mehr , der in nahem Bezug , auf die Gegenwart allein , meinen Träumen die fröhlichste Bedeutung lieh . Die Welt ist tod für mich , und in der ganzen Natur , bewegt kein erfreuender Ton mehr mein Herz mit leisem Widerklang . Daß Eduard von mir getrennt , weißt Du , aber warum so schnell , und so geheimnißvoll ? - Das wußte er selbst nicht , und wird es erst aus dem Munde seines Vaters erfahren . Sein Freund Barton , den er so oft verehrte , kam hieher , um Eduard ' s Angelegenheiten in Ordnung zu bringen , und vielleicht auch , wie ich fast vermuthe - mich näher zu beobachten . Es ist ein Mann , der die Welt sehr zu kennen scheint , und den eine gewisse Sicherheit und Schicklichkeit im Betragen , überall willkommen sein läßt . In seinem Gesicht hat sich , um den Mund , noch ein leiser Zug von Gutmüthigkeit erhalten , aber die Augen sprechen viel Klugheit , beinah Schlauheit aus . Er ist in unserm Haus bekannt geworden , und ich sehe ihn öfters , aber noch kann ich kein Vertrauen zu ihm fassen . Und wie sollte ich ? er scheint zu verständig , um mich verstehen zu können . Albret hat sich jetzt , wie immer , auf eine eigenthümliche Weise benommen . Nach unsrer Trennung , bei der auch Eduard trostloser war , als er selbst erwartet hatte , sagte ich ihm alles was ich fühlte . Der Schmerz macht aufrichtig , und das bestürmte Gemüth kannte keine Schranken , keine Rücksichten mehr . - Er hörte mich gelassen an , ohne ein Zeichen von Ueberraschung , mit einem Lächeln , wie man die Träume eines Kindes belächelt . » Amanda , « sagte er , als ich schwieg , » Du kennst Dich selbst , Du kennst die Menschen nicht . Unbedachtsam hälst Du die hinfällige Pflanze , die einen Frühling lebt , für den