einer Menschenstimme verlangt ? - Jetzt nicht mehr . Es war eine Zeit in meiner Jugend , wo eine heiße Schwärmerey mich veranlaßte , Einsiedler zu werden . Dunkle Ahndungen beschäftigten meine jugendliche Fantasie . Ich hoffte volle Nahrung meines Herzens in der Einsamkeit zu finden . Unerschöpflich dünkte mir die Quelle meines innern Lebens . Aber ich merkte bald , daß man eine Fülle von Erfahrungen dahin mitbringen muß , daß ein junges Herz nicht allein seyn kann , ja daß der Mensch erst durch vielfachen Umgang mit seinem Geschlecht eine gewisse Selbstständigkeit erlangt . Ich glaube selbst , erwiederte der Alte , daß es einen gewissen natürlichen Beruf zu jeder Lebensart giebt , und vielleicht , daß die Erfahrungen eines zunehmenden Alters von selbst auf eine Zurückziehung aus der menschlichen Gesellschaft führen . Scheint es doch , als sey dieselbe der Thätigkeit , sowohl zum Gewinnst als zur Erhaltung gewidmet . Eine große Hoffnung , ein gemeinschaftlicher Zweck treibt sie mit Macht ; und Kinder und Alte scheinen nicht dazu zu gehören . Unbehülflichkeit und Unwissenheit schließen die Ersten davon aus , während die letztern jene Hoffnung erfüllt , jenen Zweck erreicht sehen , und nun nicht mehr von ihnen in den Kreise jener Gesellschaft verflochten , in sich selbst zurückkehren , und genug zu thun finden , sich auf eine höhere Gemeinschaft würdig vorzubereiten . Indeß scheinen bey euch noch besondere Ursachen statt gefunden zu haben , euch so gänzlich von den Menschen abzusondern und Verzicht auf alle Bequemlichkeiten der Gesellschaft zu leisten . Mich dünkt , daß die Spannung eures Gemüths doch oft nachlassen und euch dann unbehaglich zu Muthe werden müßte . Ich fühlte das wohl , indeß habe ich es glücklich durch eine strenge Regelmäßigkeit meines Lebens zu vermeiden gewußt . Dabey suche ich mich durch Bewegung gesund zu erhalten , und dann hat es keine Noth . Jeden Tag gehe ich mehrere Stunden herum , und genieße den Tag und die Luft soviel ich kann . Sonst halte ich mich in diesen Hallen auf , und beschäftige mich zu gewissen Stunden mit Korbflechten und Schnitzen . Für meine Waaren tausche ich mir in entlegenen Ortschaften Lebensmittel ein , Bücher hab ich mir mitgebracht , und so vergeht die Zeit , wie ein Augenblick . In jenen Gegenden habe ich einige Bekannte , die um meinen Aufenthalt wissen , und von denen ich erfahre , was in der Welt geschieht . Diese werden mich begraben , wenn ich todt bin und meine Bücher zu sich nehmen . Er führte sie näher an seinen Sitz , der nahe an der Höhlenwand war . Sie sahen mehrere Bücher auf der Erde liegen , auch eine Zither , und an der Wand hing eine völlige Rüstung , die ziemlich kostbar zu seyn schien . Der Tisch bestand aus fünf großen steinernen Platten , die wie ein Kasten zusammengesetzt waren . Auf der obersten lagen eine männliche und weibliche Figur in Lebensgröße eingehauen , die einen Kranz von Lilien und Rosen angefaßt hatten ; an den Seiten stand : Friedrich und Marie von Hohenzollern kehrten auf dieser Stelle in ihr Vaterland zurück . Der Einsiedler fragte seine Gäste nach ihrem Vaterlande , und wie sie in diese Gegenden gekommen wären . Er war sehr freundlich und offen , und verrieth eine große Bekanntschaft mit der Welt . Der Alte sagte : Ich sehe , ihr seyd ein Kriegsmann gewesen , die Rüstung verräth euch . - Die Gefahren und Wechsel des Krieges , der hohe poetische Geist , der ein Kriegsheer begleitet , rissen mich aus meiner jugendlichen Einsamkeit und bestimmten die Schicksale meines Lebens . Vielleicht , daß das lange Getümmel , die unzähligen Begebenheiten , denen ich beywohnte , mir den Sinn für die Einsamkeit noch mehr geöffnet haben : die zahllosen Erinnerungen sind eine unterhaltende Gesellschaft , und dies um so mehr , je veränderter der Blick ist , mit dem wir sie überschauen , und der nun erst ihren wahren Zusammenhang , den Tiefsinn ihrer Folge , und die Bedeutung ihrer Erscheinungen entdeckt . Der eigentliche Sinn für die Geschichten der Menschen entwickelt sich erst spät , und mehr unter den stillen Einflüssen der Erinnerung , als unter den gewaltsameren Eindrücken der Gegenwart . Die nächsten Ereignisse scheinen nur locker verknüpft , aber sie sympathisiren desto wunderbarer mit entfernteren ; und nur dann , wenn man im Stande ist , eine lange Reihe zu übersehn und weder alles buchstäblich zu nehmen , noch auch mit muthwilligen Träumen die eigenliche Ordnung zu verwirren , bemerkt man die geheime Verkettung des Ehemaligen und Künftigen , und lernt die Geschichte aus Hoffnung und Erinnerung zusammensetzen . Indeß nur dem , welchem die ganze Vorzeit gegenwärtig ist , mag es gelingen , die einfache Regel der Geschichte zu entdecken . Wir kommen nur zu unvollständigen und beschwerlichen Formeln , und können froh seyn , nur für uns selbst eine brauchbare Vorschrift zu finden , die uns hinlängliche Aufschlüsse über unser eigenes kurzes Leben verschafft . Ich darf aber wohl sagen , daß jede sorgfältige Betrachtung der Schicksale des Lebens einen tiefen , unerschöpflichen Genuß gewährt , und unter allen Gedanken uns am meisten über die irdischen Übel erhebt . Die Jugend liest die Geschichte nur aus Neugier , wie ein unterhaltendes Mährchen ; dem reiferen Alter wird sie eine himmlische tröstende und erbauende Freundinn , die ihn durch ihre weisen Gespräche sanft zu einer höheren , umfassenderen Laufbahn vorbereitet , und mit der unbekannten Welt ihn in faßlichen Bildern bekannt macht . Die Kirche ist das Wohnhaus der Geschichte , und der stille Hof ihr sinnbildlicher Blumengarten . Von der Geschichte sollten nur alte , gottesfürchtige Leute schreiben , deren Geschichte selbst zu Ende ist , und die nichts mehr zu hoffen haben , als die Verpflanzung in den Garten . Nicht finster und trübe wird ihre Beschreibung seyn ; vielmehr wird ein Strahl aus der Kuppel alles in der richtigsten und schönsten Erleuchtung zeigen , und heiliger