ich keinen Augenblick . Das Guth ist verpachtet . Mögen sie zerstören , was ich angelegt habe . Was kümmert ' s mich ! Meine Hoffnungen sind auch zerstört . Hin will ich noch einmal , Deine Zimmer will ich noch sehen . Das eine ist recht hübsch . Es ist gerade so , wie Du mir auf unserer Reise ein Zimmer beschriebest . Sie sollen es zuschließen . Niemand soll es bewohnen bis .... Nein ! nein ! nichts mehr ! es ist alles vergeblich ! Schreib mir noch einmal , dann will ich reisen . Dritter Brief Julie an Wilhelmine Vormals schien mir meines Oliviers Schmerz der tiefste , jetzt scheint mir der Deinige noch tiefer . O meine Wilhelmine ! was sprichst Du von zerstörten Hoffnungen ? - Glaubst Du , diese Hoffnungen würden jemals erfüllt worden seyn ? - Glaubst Du , die Natur würde sich nicht rächen ? - Hat sie zwey Weiber geschaffen sich alles zu werden , und ihre unwandelbaren Gesetze zu verspotten ? - Gewiß ! Du würdest noch früher als ich , Dich elend gefühlt haben . Denn siehe , Dir kann ich es wohl vertrauen ; ich habe niemals etwas von dem Erdenleben gehofft . Wie soll ich es Dir beschreiben ? - Mir ist , als schweben nur Schattengestalten mir vorüber , als sey nichts wirklich von dem was mich umgiebt . Töne , Farben , ja die gröberen Sinne des Geschmacks , des Geruchs , scheinen mir auf etwas Vollkommneres zu deuten . Wenn ich eine Rose , eine Hyacinthe rieche , erwachen Ahnungen in mir , für die ich keinen Nahmen habe . Sehe ich schöne Gestalten , höre ich harmonisch verbundene Töne ; dann verklären sich diese Ahnungen zur Gewißheit , und mir ist , als sollte ich plötzlich der Erde entfliehn . Was mich dann noch hält , was mir dann hier noch wirklich erscheint , ist : ein stiller , heiliger Sinn , der sich stets zu dem Vollkommnen neiget ; aber darum die Schattenfreude nicht störet . O mögte ich ihn haben diesen Sinn ! mögte ich ihn erhalten , wenn er mir einst zu Theil wird ! leider ! jetzt bin ich noch weit davon entfernt . Wie könnte sonst Andrer Schmerz so schrecklich auf mich wirken ? - Ist mir die Freude ein Schatten , warum ist er es nicht auch ? warum reißt er mich hin zu Irrthümern ? warum will ich dem Schicksale vorgreifen ? - Doch was schwatze ich ! beste Wilhelmine ! versuche keinen Sinn da hinein zu bringen . Es ist keiner darin . Gewiß keiner . Vierter Brief Wilhelmine an Julie Wer bedarf des Lichts , wo es Tag ist ? - Ich habe mir keine Mühe gegeben , Sinn in Deine Worte zu bringen . Für mich sind sie nicht dunkel . Auch begreife ich sehr wohl , daß Dir die Freude wie ein Schatten ; aber nicht der Schmerz so erscheint . Wollte der Himmel ! ich begriffe eben so leicht , wie man sich berufen glauben kann , der ganzen Welt Schmerzen zu lindern , und gegen seine eigenen die unmenschlichste Gleichgültigkeit zu behaupten . Mag die Natur es verantworten , wenn sie ein Geschöpf dem Andern zum Opfer bestimmt . Aber das Opferthier darf sich wehren , es darf dem Verderben entfliehn . Auch in ihm regt sich der Trieb des Lebens , mahnet es zum Genuß und zur Erhaltung des Wohlseyns . Wer verspottet nun die Gesetze der Natur ? wer wird dafür büßen ? - - Zwey Weiber können sich nicht alles seyn ? - Schlimm genug ? schlimm genug , daß die Geschöpfe welche den Weibern dieses sogenannte Alles seyn sollen , dieses Alles so elend repräsentiren . Im ausschließenden Besitze dessen , was den Geist erheben , ihn zur Selbstüberwindung , zur Tugend entflammen kann , glauben sie sich zu den ausschweifendsten Leidenschaften berechtigt . Nenne mir ein Laster , was sie nicht an uns abscheulich , und an sich erträglich fänden ? Nenne mir eine Tugend , die sie nicht von uns foderten , um sie nach Wohlgefallen zu zerstören . Und die Natur sollte mich strafen ; wenn ich mich nicht vor einem dieser Sultane niederwürfe , überglücklich , daß er mir die Gnade erzeigte , seinen Fuß auf meinen Nacken zu setzen ? - Nein ! nein ! noch haben wir unsre fünf Sinne ! und was die Natur auch versuchen mag sie zu empören , sie sind der Fesseln gewohnt , und ohnehin , unter allen Umständen , zu einer ewigen Sclaverey verdammt . Ich habe nichts zu gewinnen ; aber ein unschätzbares Guth zu verlieren . Meine Freyheit . Welch ein großes , seelenerhebendes Wort ! Wo gäbe es ein Glück ohne sie ! wo gäbe es einen Schmerz , den sie nicht linderte . Wenn mich alles verläßt , dann wird mein Herz mir die Welt . Fünfter Brief Reinhold an Olivier Warum verwechseltest Du mich immer mit Dir selbst ? Lachen sollte ich ? Was gäbe es da zu lachen ? - Es sey denn , daß Du etwas lächerliches ahnetest . Wäre das ; so müßte ich Dich bedauern , müßte glauben : Du sähest schon jetzt die Zeit im Geiste , wo Dir das Höchste , was dem Menschen gegeben ist , wie ein Kinderspiel erscheinen wird . Möge der Himmel Dich vor dieser thörichten Weisheit bewahren . Einen Freund hättest Du dann weniger . Sechster Brief Olivier an Reinhold Warum nun gleich so kurz und so bitter ? Wahrlich Du irrst ! Ach wenn ich ein Spiel ahne ; so ist es ein sehr ernsthaftes Spiel , und wobey ich leider der verlierende Theil seyn werde . - Mein Glück hat mich berauscht , die Vergangenheit und die Zukunft habe ich vergessen . Nur so ist es möglich glücklich zu seyn . - Aber der Rausch ist verschwunden , und dafür die Zweifelsucht mit allen Quaalen erwacht