! - Sie kam meinen Fragen nach Marien zuvor . Man sprach von einer Heyrath welche die Mutter begünstigte ; aber Marie hatte sich standhaft geweigert . Das unbändige Klopfen meines Herzens nahm zu , und ohne weiter Rücksicht auf Sophie zu nehmen , drang ich mit Ungestüm darauf Marien vorgestellt zu werden . Sophie machte mehrere Schwierigkeiten . Ich überwand sie alle , und am folgenden Tage - doch wozu eine Beschreibung , welche die Wirklichkeit nimmermehr erreichen kann ! ich sah sie wieder , und fühlte : daß man nur einmal liebt . Neuntes Kapitel Ihre Schönheit hatte sich bis zum Idealischen , und meine Liebe bis zur Anbetung erhoben . Auch bemerkte ich : daß sie denselben Eindruck auf Andre machte . Die lauteste Gesellschaft verstummte bey ihrem Eintritt , und die sinnlichsten Männer nahten sich ihr mit schüchterner Ehrfurcht . Kaum wagte ich den Gedanken : daß sie die Meinige werden könnte - jede Berührung schien mir Entheiligung - der Seligkeit einer Umarmung wäre ich jetzt noch erlegen . Aber wie ? Wenn ich sie verlöhre ! - bey dieser Vorstellung verschwand jede Bedenklichkeit . Ich flog hin zu ihr , ich umfaßte ihre Knie , ich stammelte unzusammenhängende Worte , ich benezte ihre Hände mit Thränen der Angst , der Reue und des Entzückens . - Sie verstand mich - ich ahnte es , und nun erst wagte ich es sie anzublicken . Doch aufgestanden wäre ich nicht ; hätte sie mich nicht zu sich erhoben . Jetzt lag ich sprachlos in ihren Armen - ihr Mund näherte sich dem meinigen , und bald wußte ich : daß ich das höchste Leben gelebt hatte . Zehntes Kapitel Mein Vermögen und meine Familie dienten mir statt aller übrigen Empfehlung . Die Mutter willigte ein , und ich versank in einen Taumel von namenlosen Entzücken . Tausend Mal mußte Marie mir wiederholen : daß sie mich liebe , daß sie die Meinige werden wolle , daß das Alles kein Traum sey - ach ich zweifelte dennoch daran . Der Tag wo wir verbunden werden sollten , erschien , und mein Zustand gränzte an Wahnsinn . Ich sah sie ankleiden , ich sah den Kranz auf ihre Locken befestigen , man ermahnte mich zu eilen , man wiederholte mir alle Augenblicke : daß man auf mich warte , daß ich noch in meinen gewöhnlichen Kleidern sey . - Ich begriff nur halb was man von mir wollte , und wahrscheinlich würden die Gäste wieder davon gegangen seyn ; wenn man nicht Marie vermocht hätte mich in mein Zimmer zu schicken . Eilftes Kapitel So hatte sich dann der kühnste meiner Träume in Wirklichkeit verwandelt ! - vor den Augen aller Neider durfte ich sie mein nennen - aber dennoch zitterte ich vor ihnen . Ich führte den Engel schnell in mein väterliches Erbe , und ein Paradies blühte um mich auf . - Sophie hatte uns begleitet , und wollte sich nicht mehr von uns trennen . Ihr liebendes Herz war zu groß für die Eifersucht , und ihre enthusiastische Anhänglichkeit für alles jugendliche und Schöne , verbunden mit ihrer Kenntniß der Mahlerey , machte , daß sie Mariens tadellose Gestalt beynahe noch mehr als ich zu schätzen wußte . Täglich zeichnete sie das reizende Weib in andern Stellungen , und alles Feuer der Jugend und der hohen Begeisterung strahlte von ihrem Gesichte , wenn sie der ätherischen Gestalt mit ihrem Pinsel gegenüber saß . Sie behauptete : nie etwas Vollkommneres gesehen zu haben , und forderte mich immer von neuem auf , Marien mit den griechischen Urbildern der Schönheit zu vergleichen . » Ich muß Sie noch Zeichnen lehren ! « - rief sie - » damit Sie wissen : was Sie an ihr haben . « Zwölftes Kapitel Ach , mein Glück war keines Zuwachses , aber wohl einer Abnahme fähig ! - Marie schien nicht ruhig - und , o Gott ! endlich mußte ich es mir gestehen - Marie schien nicht glücklich . - Sie leugnete das ; aber es war nur gar zu sichtbar . Sophie selbst bemerkte es , und forschte mit mir vergebens nach der Ursache . Sie suchte die einsamsten Spaziergänge - und wenn ich sie dann überraschte ; so waren ihre Augen von Weinen entzündet , und aus ihren Zügen sprach die trostloseste Schwermuth . Meine Bauern verehrten sie wie eine wohlthätige Gottheit , und es war zum Gesetz bey ihr geworden jeden Abend einen Gang durch das Dorf zu machen , um den Bedürfnissen dieser guten Leute augenblicklich abzuhelfen . Vormahls kehrte sie mit himmlischer Heiterkeit von diesen Spaziergängen zurück - jetzt ward ihre Schwermuth sichtbar dadurch vermehrt . O Gott ! was sollt ' ich glauben ? - ich ahnete mein Unglück , und dennoch suchte ich mich immer zu täuschen . Aber mein böser Geist verführte mich endlich ihr eines Abends unbemerkt zu folgen . Sie nahm wie gewöhnlich den Weg zum Dorfe , und nachdem sie sich kurze Zeit bey einem Greise , der ihr laut segnend mit den Augen folgte , verweilt hatte , sah ich sie in ein Hüttchen treten , wo ein junges Weib sie an der Thüre empfing . Sie gingen in das Stübchen , dessen niedrige Fenster mir nichts von dem was darinn vorging verbargen . Schon brannte das dunkle Lämpchen auf dem altvätrischen Tische und ein Kind von kaum zwey Jahren , stützte das Engelköpfchen auf den Rand desselben , und sah unverwand in die Flammen . Marie trat leise ihm gegenüber , und winkte der Mutter sich still zu verhalten . In der That , der Anblick hatte etwas unbeschreiblich Anziehendes . Alle Ahnungen des verwickelten Erdenlebens , und seiner räthselhaften Bestimmung , schienen durch die Flammen in der Seele des Kindes geweckt zu werden , und ich selbst vergaß , über den holdseligen Knaben was mich hier her geführt hatte . Aber ein Laut der innigsten Wehmuth aus Mariens Munde erinnerte mich daran . Mit einer Heftigkeit