ein Anblick , worüber er augenblicklich wach ward , und sich völlig so athemlos und so eingefeuchtet fand , als ob die geträumte heftige Leibesbewegung wirklich Statt gehabt hätte . Gottlob ! rief er , indem er die Augen weit aufthat , und sich des einsamen Schimmers seiner Nachtlampe von Herzen freute : es war nichts , als ein Traum . Hätt ' ichs doch kaum geglaubt , dass man im Traume ein so schweres und angreifendes Stück Arbeit machen könnte ! - Die tollen , rasenden Menschen ! - Und nun fing er an , weil die Wallung in seinem Blute noch fortwährte , und die verhassten Bilder noch ihre volle Lebhaftigkeit hatten , sich recht ernstlich über den Unsinn zu ärgern , womit so Mancher für die läppischen , armseligen Vergnügungen , denen er nur eben beigewohnt hatte , Vermögen und Gesundheit und ehrlichen Namen auf ' s Spiel setze . Er dachte sich mit dem äussersten Abscheu die Möglichkeit , dass auch sein so sauer erworbenes Gut , eben wie das Lykische , in wenig Jahren verprasst , und der Name Stark , den er bisher in Ehre und Ansehen erhalten , mit Schimpf und Schande belegt werden könnte . Hier fielen ihm die süssen , zärtlichen Blicke auf ' s Herz , die er seinen Sohn mit Madam Lyk hatte wechseln sehen . Es fuhr ihm kalt über den Rücken . Doch tröstete ihn wieder die Betrachtung : dass die Liebe zum Gelde in dem Herzen seines Sohns keine schwächere Leidenschaft , als die Eitelkeit , sei , und dass es ihm jene gewiss nicht erlauben werde , sich mit einer Frau von so mittelmässigen Umständen - denn was konnte eine so weit getriebne Unordnung und Verschwendung zurückgelassen haben ? - und noch obendrein mit einer Mutter von Kindern , zu belasten . So weit , sagte er , kann sein Geschmack an Galanterie ihn doch unmöglich verleiten . Zwar , wandt ' er sich wieder ein , hat er ja meine Erwartung schon in Einem Stücke getäuscht ; und so könnt ' er es leicht auch in diesem . - Doch ich träume noch , glaub ' ich ; die Fälle sind einander zu ungleich . Das Opfer , das er bei so einer Heirat brächte , wäre zu gross ; auch hat er hier volle Zeit zur Besinnung - denn in eine Liebe verstrickt zu werden , die ihn aller Besinnung beraubte , sieht ihm nicht ähnlich - ; und welche Wahl er treffen kann , wenn ihm nur die Besinnung frei bleibt , ist keine Frage . Am Krankenbett des seligen Lyk sah er sich überrascht ; er ist nur ein eitler und schwacher , kein verderbter , kein boshafter Mensch : es war natürlich , dass der erschütternde , ihm so neue Anblick eines Sterbenden , und die dringende Aufforderung die so sehr zu rechter Zeit an sein Herz erging , ihn zu einem Versprechen hinrissen , das er bei kalter Überlegung wohl schwerlich gethan hätte , das aber , einmal gethan , nicht unerfüllt bleiben durfte , wenn er nicht geradezu als ein Mann von schlechter Gesinnung erscheinen wollte . - Und warum sollt ' er denn nicht auch freudig gethan haben , was einmal gethan werden musste ? Warum sollt ' er nicht , während er ' s that , in dem Bewusstseyn seiner Rechtschaffenheit , und in der Achtung die er gegen sich selbst empfinden musste , sich so wohl gefallen haben , dass er immer freudiger fortfuhr ? Ich danke dem Himmel , wenn er bei dieser Gelegenheit in den Geschmack des Guten gekommen . Vielleicht , dass ihn das edlere Vergnügen wohl noch ganz von den armseligen Eitelkeiten abzieht , zu denen er bisher einen so unglücklichen Hang hatte ; und dann vollends - leben Sie wohl , Madam Lyk , mit aller Ihrer Feinheit , und Ihrem Weltton , und mit dem ganzen Gefolge von Liebenswürdigkeiten , das hinter Ihnen drein treten mag ! Für meinen Sohn sind Sie nicht . - Wenn diese Gedankenfolge des Herrn Stark , so richtig und bündig sie schien , dennoch nur wenig zutraf ; so lag das an den beiden so gewöhnlichen Fehlern : dass er einen Charakter , der sich bis jetzt nur von gewissen Seiten entwickelt hatte , und von andern sich selbst , noch ein halbes Räthsel war , als schon völlig bekannt und ergründet voraussetzte ; und dass er in die Vorstellung der Verhältnisse , worin er diesen Charakter handeln liess , einige bedeutende Irrthümer brachte , deren Entstehungsart wir vielleicht künftig erfahren werden . Genug , dass für den Augenblick Herr Stark sich beruhigt fühlte , und wieder einschlief ; doch hatten wirklich die aufgestiegenen Dünste seinen Horizont ein wenig getrübt , und Sonnenaufgang war daher nicht ganz so heiter , als man bei Sonnenuntergang hätte erwarten sollen . XVIII. Frau Doctorinn Herbst hatte den Besuch , den sie der Witwe zugedacht hatte , jetzt wirklich abgelegt ; und kam mit Gesinnungen von ihr zurück , die sich aus denen womit sie hinging , errathen lassen . - Die Frau war gerade nicht schön , aber reizend : es gab wohl andere Frauen , die , wenn auch nicht jetzt , wenigstens ehemal , bei der Vergleichung mit ihr gewonnen hätten , und die trotz aller Verwüstungen , welche ein zu häufiger Ehesegen anzurichten pflegt , sich noch immer zum Verwundern erhielten . Allein das Sanfte und Einnehmende in der Miene und dem Betragen der Lyk , ihre vortreffliche Kinderzucht , ihre Achtung gegen das Andenken eines Mannes , der durch seine sinnlose Verschwendung sie unglücklich gemacht , der sie aber gleichwohl geliebt hatte , ihre innige Dankbarkeit gegen den bewussten Freund , von dem sie nicht ohne Thränen im Auge reden konnte : alles das war von höherm Werthe als Schönheit ; und die Doctorinn fühlte sich in solche Begeisterung dadurch gesetzt , dass sie ihrem Manne wiederholt erklärte : sie würde ihr